Evangelische Kirche - Kantorei, Organist Gerhard Müller und Kantor Samuel Cho servieren "Insalata musicale" Flügel erweitert musikalische "Speisekarte"

Von
Matthias H. Werner
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Pfarrer Michael Dahlinger (stehend, 2. v. l.) sowie Udo Vetter und Gerhild Gottmann vom Evangelischen Kirchbau- und Förderverein übergaben Kantor Samuel Cho (vorne) den neuen Flügel. Gemeinsam mit Organist Gerhard Müller (r.) gab er anschließend ein Konzert in der evangelischen Kirche.

© Lenhardt

Von einer klassischen "Win-Win"-Situation sprach am vergangenen Freitag Abend der Evangelische Pfarrer Michael Dahlinger, als er zusammen mit dem Vorsitzenden das Kirchbau-und Fördervereins einen neu angeschafften Flügel für die Stadtkirche an Samuel S.N. Cho übergab: "Der Kantor bekommt seinen Flügel, damit er viel Gebrauch davon machen kann - zur Freude der Kirchenbesucher." So stellt sich Pfarrer Dahlinger auch die voraussichtlich im Spätjahr beginnende Renovierung der Kirche vor: "Mit Lust und Laune und neuen Ideen" werde man auch hier versuchen, alle zu Gewinnern zu machen. Dass gerade die Musik, im speziellen die Kirchenmusik, ein Pfund ist, mit dem die Gemeinde wuchern kann, stellte dann Kantor Cho mit einem kleinen "Sommerkonzert" unter Beweis: Gemeinsam mit dem Pianisten und Organisten Gerhard Müller und der Kantorei servierte er unter dem Titel "Insalata musicale" ein musikalisches Menü inklusive Aperitif und Nachspeise - gewohnt schmackhaft und doch mit vielen neuen und exotischen Eindrücken.

Romantisch-klangvolle "Hymne"

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Die Kantorei konnte mit Rheinbergers romantisch-klangvollen "Hymne" oder auch dem modernen Chorstück "Without love, we have nothing" (J. M. Stevens und J. M. Martin) und der gänsehautsicheren deutschen Adaptation "Schau auf die Welt" von John Rutters postmodernem Chor punkten. Von der vierhändig gespielten Mozart-Sonate in D-Dur, von Müller und Cho auf eine bewegt-frische Art genommen, die augenzwinkernd bereits auf den Spaß-Faktor des gesamten Konzerts verwies, bis zu Mendelssohn-Bartholdys "Andante con Variazioni" in B-Dur, zeigten sich Samuel Cho und Gerhard Müller als höchst solide, technisch tadellose und interpretatorisch gewitzte Musiker.

Mit ungewöhnlichen Konzerten, einer sehr viel freieren Programmwahl, ungezwungenen eigenen Beiträgen und einer verbindlich-charmanten Art, das Publikum zu integrieren, schafft der in Südkorea geborene Musiker es, nicht nur zunehmend mehr Besucher zu den Veranstaltungen zu locken, sondern auch ein strahlendes Lachen auf die Gesichter von Interpreten und Zuhörern zu zaubern. Die Begeisterung, mit der die Kantorei beispielsweise Richard Genées Parodie auf eine Opernszene "Insalata Italiana" gab, fand im in der Kirche bislang eher selten zu hörenden Jubel des Publikums seinen Widerhall.

Ebenso bei der "Anfreundung" von neuem Flügel und Orgel, die Cho ins Programm einbaute. Er stellte mit Francis Thomés "Andante Religioso" den Höhepunkt des Konzerts: Eine klangliche Verschmelzung, die mit einem Klavier in dieser Form sicherlich nicht möglich gewesen wäre - die Königin der Instrumente gab dem neuen Mitbewohner die Ehre voll Emotion, mit dramatischem Mittelteil und ausgesprochen berührend.