Umwelt- und Tierschutz - BUND schließt Projekt "Wildkatzensprung" im Raum Hockenheim vorerst ab / Noch keine konkreten Ergebnisse über Vorkommen Führen Haare zu den seltenen Waldtieren?

Von
Hans Schuppel
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Kontrolle am Lockstock: Wolfgang Reinhardt, Elke Schollenberger, Siglinde Buse, Horst Eichhorn, Dr. Gerhard Rietschel, Emi Hauck und Erhard Jahn (Bild oben, von links). Alles wird genau notiert: Andrea Berger, Förster Norbert Krotz, Siglinde Buse und Dr. Gerhard Rietschel (von links).

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Die beiden dreimonatigen Aktionen "Wildkatzensprung", ein bundesweites Projekt des BUND, brachte bisher noch keine konkreten Resultate für den Bereich Hockenheim. Ein Ergebnis hat das Engagement allerdings: "Da machen nicht nur ,Naturfreaks' mit, sondern Vertreter verschiedener Organisationen und Privatpersonen", freut sich Uwe Heidenreich, Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des BUND-Ortsverbandes Hockenheimer Rheinebene. Der Hockenheimer Diplom-Biologe hofft, dass das Projekt weitergeführt werden kann. Dies hängt von der weiteren Unterstützung durch den Bund (Staat) ab. Die bewilligten Gelder sind aufgebraucht durch die im gesamten Bundesgebiet veranlassten Gentests. Diese sollen nachweisen, ob die an Lockstöcken im Wald gefundenen Haare von Wildkatzen stammen. Nördlich und südlich der Region Hockenheim/Schwetzingen sowie über dem Rhein bei Speyer wurden Wildkatzen nachgewiesen. Naheliegend, dass auch bei uns die seltenen Tiere vorkommen. Bisher wurden allerdings nur zweimal Haare gefunden. Deren genetische Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.

Fachwissen und Erfahrung

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Zu den Umweltaktivisten zählt auch Dr. Gerhard Rietschel. Der ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte der Stadt Mannheim (seit über 30 Jahren) bringt sein profundes Fachwissen sowie große Erfahrung ein und rückt eine falsche Vorstellung zurecht: "Spaziergänger brauchen keine Angst vor Wildkatzen zu haben. Es sind sehr scheue Tiere." Wie groß die Population in Deutschland ist, das vermag auch Gerhard Rietschel nicht zu sagen: "Die Anzahl ist nicht bekannt. Wildkatzen treten viel zu heimlich auf, um sie zählen zu können. Wir können nur mit Lockstöcken feststellen, ob sie in einer Region vorkommen. Die Erfahrung zeigt, dass es in den großen Waldgebieten im Westen, vor allem in der Eifel und im Hunsrück, sowie im Leine-Weser-Bergland, Harz und Hainich mehr Wildkatzen gibt als nördlich davon."

Erkenntnisse austauschen

Dass es auch außerhalb der Naturschutzverbände wie BUND und Nabu Leute gibt, die sich an der Aktion beteiligen, zeigt Wolfgang Reinhardt. Der Jäger aus Altlußheim, stellvertretender Leiter des Hegerings, im Gespräch mit unserer Zeitung: "Die Mitarbeit an der Aktion hat einen positiven Nebeneffekt: Die Teilnehmer können Erfahrungen und Erkenntnisse austauschen. Davon profitieren alle." Reinhardt freut sich über den konstruktiven Dialog und spricht sich deutlich für Ruhezonen als Rückzugsgebiete für Tiere aus. Als Stichwort nennt er hier die Biotopvernetzung.

Damit diese besser gelingt, hat Uwe Heidenreich einen großen Wunsch: eine Wildbrücke (Grünbrücke) über die A 61 in dem durch Straßen und Wege zerschnittenen Hockenheimer Rheinbogen. Heidenreich: "Mit solchen Einrichtungen haben andere Bundesländer wie beispielsweise Rheinland-Pfalz mit der Grünbrücke im Schifferstadter Wald gute Erfahrungen gemacht. Wir müssen wegkommen vom Inseldenken und den Lebensraum für Wildtiere verbessern."

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Bei diesem Bestreben hat er auch die Unterstützung von Irmgard M.T. Friedrich. Die Hockenheimerin las unseren Artikel im Januar 2014 über den "Wildkatzensprung" und entschied spontan: "Da mache ich mit!" So stapfte sie mit den anderen Aktivisten in Gummistiefeln durch den Wald, um Lockstöcke zu kontrollieren und wieder mit der recht intensiv riechenden Baldriantinktur zu besprühen. Diese soll die Wildkatzen in ihrer Paarungszeit zwischen Januar und April anlocken. Die Tiere reiben sich am Holz und die Haare können eingesammelt im Labor genetisch untersucht werden. Dort zeigt es sich dann, ob es sich um Haare einer Wild- oder Hauskatze oder eines anderen Tieres handelt. Mit Hilfe dieses genetischen Fingerabdrucks kann auch festgestellt werden, ob es sich um ein oder mehrere Tiere handelt und wie die Verwandtschaftsverhältnisse sind.

Reine Waldbewohner

Wildkatzen sind keine verwilderten Hauskatzen, sondern streiften schon durch die Wälder Europas, lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen über die Alpen brachten. Die Tiere sind reine Waldbewohner. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich noch bis ins 20. Jahrhundert hinein fast über den gesamten Kontinent. Doch die großen, zusammenhängenden Waldgebiete fielen nach und nach der Landwirtschaft sowie dem Straßenbau zum Opfer. Um wieder geeigneten Lebensraum für Wildtiere zu bekommen, werden Biotopvernetzungen, auch im Raum Hockenheim, angestrebt.

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Die an der Aktion "Wildkatzensprung" beteiligten Leute, denen ganz einfach die Natur - Flora und Fauna - am Herzen liegt, werden von der Lokalen Agenda 21 der Stadt Hockenheim tatkräftig unterstützt. Uwe Heidenreich nennt hier insbesondere die Agendabeauftragte Elke Schollenberger, mit der die Zusammenarbeit hervorragend funktioniere.

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Dem BUND-Vorstandmitglied war es ein Anliegen, die engagierten Mitstreiter nach der möglicherweise letzten Aktion im Wald zu einem gemeinsamen Essen auf Kosten seiner Organisation einzuladen. Im "Johanneshof" wurde Bilanz gezogen, Erfahrungen ausgetauscht und das harmonische Miteinander von Vertretern verschiedener Einrichtungen gepflegt, die ein gemeinsames Ziel verbindet: Natur- und Artenschutz sowie der Erhalt von Lebensräumen für bedrohte Tiere und Pflanzen.

Neben Uwe Heidenreich, Dr. Gerhard Rietschel, Wolfgang Reinhardt und Irmgard M. T. Friedrich brachten sich noch Horst Eichhorn, Tina Ort, Siglinde Buse, Armin Konrad, Andrea Berger, Emi Hauck, Sabine Reich und Erhard Jahn mit ein und unterstützten aktiv das Projekt "Wildkatzensprung".