Kulturhaus Pumpwerk - Katie Freudenschuss gastiert mit ihrem Programm „Einfach Compli-Katie“ / Lieder aus dem Stegreif sorgen für Begeisterung „Gerstenlos durch die Stadt“ seufzt der Saal im Chor

Von 
Andreas Wühler
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Katie Freudenschuss bringt das Klavier zum Erklingen. © Lenhardt

Auf ihrer Homepage finden sich unter der Beschreibung dessen, was sie macht, neben den hinlänglich bekannten Begriffen Sängerin, Pianistin und Songschreiberin das sperrige Wort Sachensagerin. Ein Begriff wie ein Tarnmäntelchen. „Ich war gestern im Kabarett“ oder „ich war bei einem Comedyabend“ – da werden Erwartungshaltungen geweckt. Anspruchsvoll oder flach, zotiger oder hintergründig – Schubladen werden geöffnet, verworfen, umgeräumt und wieder geschlossen. „Ach, ich war im Pumpwerk, da war ‘ne Frau, die hat so Sachen gesagt“, das klingt nach Wartezimmer, Tratsch im Treppenhaus, harmlosem Geplauder.

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Dabei hat es Katie Freudenschuss, die mit ihrem zweiten Programm, „Einfach Compli-Katie“ im Kulturhaus Pumpwerk gastierte, faustdick hinter den Ohren. Mit ihren Sachen, die sie so sagt, kommt sie von hinten herumgeschlängelt und zack, hat sie ihre Zuhörer am Schlafittchen und reibt ihnen die Pointen genüsslich um die Nase.

Ihr Credo ist simpel – die Welt ist kompliziert, also bin ich es auch. Neugierig sein, Fragen stellen, ich sein und darum kämpfen, kompliziert sein zu dürfen, ist ihr Anliegen. Mit Zitaten aus dem fiktiven Tagebuch einer 26-Jährigen, die Mitte der 1950er Jahre in Wien in höchster Torschlusspanik vor den Altar tritt, schafft Freudenschuss den Vergleich zwischen heute und einem Gestern, dessen Korsett Frauen erst gar nicht auf den Gedanken kommen ließ, kompliziert sein zu wollen. Na ja, auf den Gedanken vielleicht, aber der Schritt in die Realität war gepflastert mit berghohen Hürden.

Ganz klar, der Traum des „Späten Mädchens“ ist schnell ausgeträumt, ihr Gatte entpuppt sich als Ekel, der Briefträger wird zu Projektionsfläche unerfüllter Sehnsüchte. Was Freudenschuss dabei empört – der Gatte hat auch noch den Zeitgeist auf seiner Seite, die Frau darf ohne seine Zustimmung nicht einmal den Führerschein machen.

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Damit ist der rote Faden genannt, der Freudenschuss durchs Programm führt, nicht jedoch, wie sie dessen Verlauf folgt. Und das ist überaus vergnüglich. Denn die Sachensagerin ist in eigener Sache eher verschlossen. Zwar merkt sie irgendwann im Lauf des Abends an, dass „Katie Freudenschuss“ natürlich ein Künstlername ist, in Wirklichkeit heißt sie Katja, doch was sie nicht verrät – sie ist nicht nur solo unterwegs, sondern auch mit zwei Improvisationstheatern.

„Der OB soll‘s richten“

Dies verknüpft mit ihrem Leben als Songschreiberin und Sängerin – gestählt durch unzählige Hochzeitsfeiern – verleiht ihr die Gabe, selbst auf Hockenheim aus dem Stegreif ein Lied zu singen, dem das Zwerchfell den Takt schlägt. Entgegen kommt ihr dabei, dass das Publikum im Pumpwerk begeistert mitmacht. Walter erzählt davon, wie er seine Frau kennengelernt hat und Lola aus Philippsburg wird gar zum Co-Star – Stoff für tolle Schüttelreime.

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Dazwischen hat sie noch Zeit, das Schönheitsideal auf die Schippe zu nehmen – „ich habe eine Taille wie Audrey Hepburn, irgendwo in Höhe des Oberschenkels muss sie sein“, Schönheitsoperationen zu hinterfragen – „warum hat sie sich nicht für ästhetisch entschieden“ – und am Internet zu verzweifeln: „Was denkt Google von mir“, fragt sie sich angesichts von Spams, die ihr Diäten anbieten oder Schönheitsoperationen anpreisen.

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Auch über Sex wird geredet und das Weltbild von Männern, die bereit sind, sich für 72 Jungfrauen in die Luft zu sprengen. Mit dem Mythos der Jungfräulichkeit hat sie wieder das Korsett an der Hand, in das Frauen von Männern gesteckt werden, und das sie mit dem Lied „Entjungfer mich“ grandios kontert.

Ja, auch ihre Songs haben es in sich. Wie sie am Ende ihrer Show, die in der finalen Aufforderung endet, kompliziert zu bleiben, sich nicht in stromlinienförmige Schablonen pressen zu lassen, eindrucksvoll unter Beweis stellt. Denn als Zugabe lässt sie sich Stichworte zu Hockenheim sagen. „Gartenschaupark“, „Motodrom“, „Brauerei geschlossen“, „Pumpwerk“, „Wasserturm“ „OB Zeitler“ werden genannt und als Wunsch – „Zeitler soll die Brauerei wieder öffnen“.

Den Song, den Freudenschuss daraus zaubert, unter anderem auf Reggae-Klänge oder auf einen Helene-Fischer-Song – „Gerstenlos durch die Stadt“ – Hockenheim wäre gut beraten, sich die Rechte daran zu sichern.

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