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Bündnis 90/Die Grünen - Fraktionsvorsitzender Adolf Härdle für 40 Jahre ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet, Kassiererin Karin Böttcher für zehn Jahre

Grüne Politik wird noch wirksamer werden

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zg/ed
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Dank für Einsatz im Ehrenamt: Ortsverbandssprecherin Elke Dörflinger (l.) zeichnet Kassiererin Karin Böttcher und Fraktionsvor-sitzenden Adolf Härdle für ihr langjähriges Engagement für die Grünen aus. © K.-H. M. Sohn

Hockenheim. Für ihr ehrenamtliches Engagement hat der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen Hockenheim zwei Mitglieder geehrt. Adolf Härdle hat während seiner 40-jährigen Mitgliedschaft das Gesicht der Partei in Hockenheim entscheidend geprägt, Karin Böttcher, die für zehn Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet wurde, betreut die Finanzen des Ortsverbands. In einem Gespräch mit der Sprecherin des Ortsverbandes, Elke Dörflinger, haben die beiden über ihre politische Arbeit, Motivation und Erfahrungen gesprochen.

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Adolf Härdle führten die „Freiburger Thesen“ von 1971, etwa die These einer ökologischen Ausrichtung der Marktwirtschaft 1972 zunächst zur FDP. Weil sich die Liberalen allerdings immer mehr zur Wirtschaftspartei entwickelten, blieb ihm nur die Möglichkeit, 1981 den Grünen beizutreten, um politisch tätig sein zu können und für Hockenheim, den Landkreis und für die Region etwas zu tun, blickt er zurück auf die Anfänge.

Karin Böttcher lagen der Umweltschutz und der Erhalt der Natur immer schon sehr am Herzen. Irgendwann war sie der Meinung, dass es nicht genug ist, nur zuzugucken, sondern dass sie aktiv werden muss. Grün habe sie immer schon gewählt, weil es die Partei sei, die sich für den Klimaschutz und den Erhalt der Natur einsetzt.

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Politische Großereignisse hat Adolf Härdle in seiner langen Zeit viele erlebt und mitgestaltet. „Die Schnellbahntrasse wurde planfestgestellt, das Aquadrom öffnete seine Pforten, die Stadthalle wurde gebaut. Das Motodrom war immer schon ein Thema für Hockenheim, das zieht sich durch bis heute“, zählt er auf. Die Landesgartenschau 1991 sei von den Grünen anfangs kritisch beäugt worden, sei für Hockenheim ein wichtiges Ereignis gewesen. Mit der Verwirklichung des Hochwasserschutz- und Ökologieprojekts habe die Innenstadt in vielfältiger Weise an Attraktivität gewonnen.

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Von Friedensdemo 1981 geprägt

Mit über 300 000 friedensbewegten Menschen hat Adolf Härdle im Oktober 1981 gemeinsam mit seiner Frau, den Kindern und zwei befreundeten Familien im Bonner Hofgarten gegen den Nato-Doppelbeschluss und die nukleare Aufrüstung in Ost und West demonstriert. „Dieses historisch bedeutsame Erlebnis hat mich entscheidend geprägt“, sagt er. Beim „Schweigen für den Frieden“ auf der Kirchenstaffel der Katholischen Kirche St. Georg hätten auch Hockenheimer Bürger ihre Betroffenheit gezeigt. Ein Antrag für eine atomwaffenfreie Zone in Hockenheim sei nur folgerichtig gewesen. Härdle: „Dies erscheint heute fast als surreal, zeigt jedoch die damals empfundene existenzielle Bedrohung.“

Auf seine größten Erfolge für Hockenheim angesprochen, nennt der 70-Jährige als Beispiel, dass die Stadtwerke Hockenheim auf sein Betreiben hin seit über 20 Jahren Ökostrom anbieten. Der Erhalt des 1880 erbauten Muldhäusels, die Idee, das Sozialforum zu begründen, wie auch die Installation von Photovoltaikanlagen im Motodrom seien Projekte, die jeweils in Gesprächen bei Neujahrsempfängen Ende der 1990er Jahre geboren worden seien. „Gerne erinnere ich mich an das erste Waldfestival im alten Fahrerlager im Jahr 1977, Ausdruck einer alternativen Jugendkultur, von der etablierten Bürgerschaft skeptisch beäugt“, ergänzt er. Aktiv habe er sich mit Gleichgesinnten in der Jugendzentrumsbewegung für eine offene, außerschulische Jugendarbeit eingesetzt, als Stadtrat durfte er miterleben, wie das Pumpwerk 1983 eingeweiht wurde. Die Etablierung einer erfolgreichen Schulsozialarbeit und die Eröffnung des Jugendzentrums am Schwimmbad vor 20 Jahren sind weitere Stichworte Härdles.

Der erfolgreiche Einsatz gegen eine drohende Abschiebung habe ihm gezeigt, „dass man nicht so einfach aufgeben soll, auch wenn der Unterstützerkreis immer kleiner wird“.

Von 1980 bis 1985 saß Härdle noch als Student im Gemeinderat. Die ersten Fraktionssitzungen fanden zu Hause statt – auf einem grünen Sofa, dann im Rennstadtcafé. Bis 1990 schloss sich die Tätigkeit als Kreisrat im Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises an. Nach einer familiär und beruflich bedingten Pause nahm der pensionierte Berufsschullehrer 1994 sein ehrenamtliches Engagement als Stadtrat wieder auf. 32 Jahre Kommunalpolitik und weit über 400 Fraktionssitzungen liegen nun hinter ihm. „Ich bin dankbar dafür, dass ich als Fraktionssprecher immer auf die Unterstützung meiner Fraktionskolleginnen und -kollegen zählen konnte“, erklärt er im Rückblick. Bis heute gebe es Menschen im Hintergrund, die zum Erfolg der Grünen und der Umsetzung so mancher Idee ihren Beitrag geleistet haben. Seit 2004 wieder als Kreisrat tätig, habe er dazu beigetragen, als Mitglied im Schulausschuss die Auflösung der Louise-Otto-Peters-Schule (LOP) am Standort Hockenheim zu verhindern und den Neubau zu ermöglichen. In den Aufsichtsrat der Gesundheitszentren Rhein-Neckar (GRN) bringe er gerne seine fachlichen Erfahrungen ein.

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Solidität in Parteifinanzen

Karin Böttcher kam aus Dorsten in Westfalen nach Hockenheim, wo sie seit 2011 bei den Grünen ist. „Ich wusste, ich muss bei den Grünen eintreten, um Menschen zu treffen mit ähnlichen Werten und Zielen. Da ich jetzt aber nicht so der Typ bin, der sich im Straßenwahlkampf auf die Straße stellt, habe ich, als 2012 der Posten des Kassierers frei wurde, ,Jawoll, das mach ich’ gesagt. Bisher erfolgreich: Wir sind nicht pleite gegangen“, berichtet sie und lacht. Jetzt sei die Solidität da, die Ausgaben hätten sich reduziert.

Im Laufe von Adolf Härdles Gemeinderatslaufbahn hat sich vieles geändert: „Zu Beginn hatten die Grünen einen Sitz und 4,66 Prozent, die CDU lag bei 39 Prozent, die SPD bei 35. Das Gewicht der Grünen, heute zweitstärkste Fraktion im Gemeinderat, hat sich gesteigert.“ 1980 habe man als grüner Einzelkämpfer schon eine gewisse Zivilcourage und viel Humor gebraucht. Die damaligen Stadtratskollegen hätten ihre Berührungsängste mit dem grünen Neuankömmling gehabt. „Diese Erfahrungen prägten mich, galt es doch, eine gewisse politische Härte, die notwendige fachliche Kompetenz und einen persönlichen Behauptungswillen zu entwickeln“, sagt er heute.

Er sei realistisch genug, um zu erkennen, dass es ein Gemeinderat, wenngleich „Hauptorgan der Gemeinde“, als ehrenamtlich tätiges Gremium nicht gerade leicht hat, seine Vorstellungen gegen ein mit weitreichenden Befugnissen ausgestattetes Stadtoberhaupt durchzusetzen. So hätten die Grünen im Oktober 2004 den Antrag gestellt, einen Preis für ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement auszuloben. Es sollte über acht Jahre dauern, bis im Januar 2013 beim Neujahrsempfang die ersten Preisträger ihre Dankurkunden erhielten.

Als denkwürdig bezeichnet Härdle, dass 2013 die Abholzung von 50 000 Quadratmeter Wald im Gewann Kiesgrube I verhindert wurde. Die Idee, dass die Stadt „Fairtrade-Town“ werden soll, habe er für die Grünen bereits im September 2014 in einem Antrag formuliert.

Ans Aufhören habe er besonders in der Anfangszeit ab und zu gedacht: „Da hat man mich nicht mit Samthandschuhen angefasst.“ Der öffentliche Druck in den Sitzungen des Gemeinderats sei schon groß gewesen, der Umgangston „deutlich“, um es vornehm auszudrücken. Doch die Stadtratskollegen hätten es mit ihm auch nicht so einfach gehabt, unterm Strich sei er dadurch eher motiviert worden und habe ein „dickes Fell“ entwickelt.

Sowohl direkte persönliche als auch anonyme Bedrohungen und Pöbeleien seien insbesondere im Zusammenhang mit der Diskussion um die Weiterentwicklung des Motodroms oder bei Friedens- und Umweltthemen an der Tagesordnung gewesen. Da habe er sich manchmal schon gefragt: „Was machst du da eigentlich?“

Eine neue Generation stehe in der Verantwortung und mache das, was sie für richtig hält. Die Themen für die nächsten 40 Jahre zu überschauen, sei nahezu unmöglich. Doch überfordere das jährlich anfallende Defizit des Aquadroms von über drei Millionen Euro die Leistungsfähigkeit der Stadtwerke: „Betrieb und Ausrichtung werden zu hinterfragen sein“, ist Adolf Härdle sicher. Ob die finanziellen Aufwendungen für die Stadthalle, die Folgekosten für die Zehntscheune, die Pflege der städtischen Grünanlagen in der gewohnten Form gestemmt werden können? „Mal schauen.“

Ring soll für Nachhaltigkeit stehen

Der Fraktionssprecher geht davon aus, dass der Klimawandel künftig eine Querschnittsaufgabe darstellt. Zu erwarten sei, dass sich der grüne Hockenheimring als zertifiziertes Unternehmen dem Grundsatz der Nachhaltigkeit verschreibt, durch sein Mobilitätszentrum und als Messestandort bekannt sei und innovative Start-up-Unternehmen das Bild im Motodrom prägen.

Die neue Generation werde sich für eine vorausschauende Stadtplanung einzusetzen haben, sich eine aktive und ökologisch verträgliche Stadtentwicklung zum Ziel setzen und gleichzeitig die Einnahmenseite in den Blick nehmen müssen. Im Areal „Am Kreuz“ sei eine familienfreundliche Solarsiedlung umzusetzen. Die durch den übermäßigen Flächenverbrauch entstandenen Wunden im Außenbereich stünden zur Renaturierung an. Es sei zu hoffen, dass eine nachhaltig wirtschaftende Landwirtschaft in der Kulturlandschaft Horan weiter regional erzeugte Lebensmittel anbieten kann.

Schön wäre es, wenn die „neue Generation“ den Nachweis der Generationengerechtigkeit antreten könnte, bezahlbaren Wohnraum schafft und somit auch den sozialen Zusammenhalt wahrt, findet Härdle. Hockenheim solle als „demenzfreundliche Kommune“ einen guten Namen haben.

Karin Böttcher ist das Thema Mobilität sehr wichtig: ÖPNV mit Verbindung nach Heidelberg und Walldorf, Carsharing und Fahrradwege nennt sie als Stichworte. Sie empfinde Hockenheim immer auch als Autostadt. Sie begrüßt, dass am Bahnhof umgebaut wird, sodass man sein Fahrrad ordentlich parken kann. Ansonsten sind die Fahrradwege „eher gruselig, sie sind viel zu schmal.“ Als ehrenamtlich tätige Kassiererin laute ihr Motto für die Zukunft „Immer flüssig bleiben.“

Härdle antwortet auf die Mottofrage: „Grüner geht immer.“ Gemeinsam mit aktiven Mitgliedern und interessierten Bürgern möchte er Hockenheim als Kleinstadt mit ländlichen Charme und einer guten Infrastruktur sozial, ökologisch und finanziell solide weiterentwickeln. Persönlich sei er dankbar für jeden Tag, wenn er am frühen Morgen seine Frau sehe und die Rituale des Tages beginnen. „Natürlich will ich noch ein bisschen gesund bleiben, um Zeit mit meinen Enkeln verbringen zu können“, ergänzt er. Politisch bildeten die fünf Leute in der Grünen-Fraktion mit ihren Talenten und Fähigkeiten eine tolle Truppe. Stellenwert und Wirksamkeit grüner Kommunalpolitik würden wohl noch zunehmen. Karin Böttcher sieht Potenzial für erneuerbare Energien auf den Dächern – „schließlich ist Hockenheim eine sonnige Stadt“, sagt sie. 

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