Klimawandel - Lokale Agenda und Umweltverbände laden Landtagskandidaten zu Videokonferenz über Wassermanagement ein / Konzept für Entnahme gefordert Grundwasser darf nicht weiter absinken

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Matthias Mühleisen
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So trocken wie der Kothlachgraben auf diesem Bild drohen in niederschlagsarmen Zeiten auch Bäche zu werden, wenn der Grundwasserspiegel weiter sinkt und selbst aus fließenden Gewässern das Nass versickert. © Heidenreich

Was muss passieren, damit der Klimawandel sich nicht negativ auf den Landschaftswasserhaushalt auswirkt? Welche Weichen muss die Politik stellen, damit der Grundwasserspiegel nicht noch weiter sinkt? Diese Fragen stellten die Initiative Hockenheim für Klimaschutz der Lokalen Agenda und mehrere Umweltverbände in einer Videokonferenz den Kandidaten für die Landtagswahl. In kompakten rund 80 Minuten Dauer und mit rund ebenso vielen Zuschauern, die sich einmischen durften, kamen dabei zahlreiche Vorschläge zusammen. Über die Notwendigkeit, rasch zu handeln, bestand Konsens.

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Von einem Wandel im Landschaftswasserhaushalt, der sich im Grundwasser schon seit mindestes 25 Jahren vollzieht, sprach Dr. Hans Jürgen Hahn von der Universität Landau in seinem Einführungsreferat. Grundwasser sei für den Menschen von überragender Bedeutung, vor allem als Trinkwasser.

Von entscheidender Bedeutung für die Nachhaltigkeit sei der Landschaftswasserhaushalt – eine ganzheitliche Betrachtung der Wechselwirkungen von Niederschlag und Grundwasser. Diese hänge stark von der jeweiligen Oberflächenbeschaffenheit ab. Der Druck des Grundwassers regle die Austauschbeziehungen. Sei er hoch, speise das Grundwasser die Bäche, die auch nach wochenlanger Trockenheit fließen – laut Hahn der natürliche Zustand.

Doch dieser Haushalt kippe gerade, warnt der Wissenschaftler, denn Grundwasserspiegel und -druck sinken, und damit verlören die Bäche ihr Wasser in den Untergrund. Das zeige, dass der Klimawandel angekommen sei. Jeder Eingriff in das System, sei es Wasserentnahme oder Beschleunigung des Abflusses, führe an anderer Stelle zu Veränderungen.

Problem Verschmutzung

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Die Landwirtschaft sei verstärkt auf Bewässerung angewiesen. Werden dazu Brunnen benutzt, müsse darauf geachtet werden, dass die entnommenen Mengen nicht das „nutzbare Dargebot“ übersteigen. Ob die behördlich begrenzten Mengen eingehalten werden, werde in der Südpfalz nicht kontrolliert, der Verbrauch sei unüberschaubar.

Immer öfter sei zu beobachten, dass der Grundwasserspiegel deutlich unter dem Niveau der fließenden Gewässer liege, so dass Bäche zunehmend Wasser an den Untergrund verlieren – „als ziehe man den Stöpsel aus der Badewanne“, verglich der Referent.

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Das Problem: Die Bäche führen viele unerwünschte Stoffe mit sich. Kläranlagenabwässer, Medikamentenrückstände, Mikroschadstoffe, Pestizide. Nichts davon solle ins Grundwasser gelangen. Aus dem Mengenproblem werde so auch ein Güteproblem. Um 25 bis 30 Prozent sei die Grundwasserneubildung in den vergangenen Jahren gesunken. Die Erwärmung durch den Klimawandel lasse gleichzeitig den Wasserbedarf steigen.

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Hahn fordert: „Wir brauchen eine Gebietswasserbilanz, die uns sagt, wie viel Wasser verfügbar und wie viel entnehmbar ist und belastbare Bedarfsanalysen.“ Daraus abgeleitete Modelle müssten konsequent umgesetzt werden – unter Vermittlung aller konkurrierenden Interessen. Man müsse die Beteiligten zusammenbringen und Nutzungen priorisieren.

Hier kamen die Landtagskandidaten ins Spiel: Moderatorin Eileen Riedel stellte ihnen zunächst die Frage: „Wie kommen wir zu einer wasserverträglichen Landwirtschaft?“ Dr. Andre Baumann (Grüne) sprach die Nitratbelastung durch die Landwirtschaft an. Die hohen Werte im Grundwasser müssten mit den Landwirten gesenkt werden. Diese müssten so gefördert werden, dass die Eingriffe in den Landschaftswasserhaushalt gering bleiben. Es stelle sich die Frage: „Muss auf jedem Standort jede Kultursorte angebaut werden können? Der Ausbau des Biotopverbunds könne den Abfluss verringern.

Innovative Bewässerung spart

Andreas Sturm (CDU) erinnerte daran, dass die Landwirtschaft nur 1,2 Prozent des öffentlichen Wasserverbrauchs beanspruche und ihren Verbrauch gesenkt habe – etwa durch Tröpfchenbewässerung und durch digitale Steuerung. Die Verlagerung von Produktion ins Ausland verschärfe die Problematik dorthin, wo das Wasser ohnehin knapp sei. Mit den Landwirten müsse das Gespräch gesucht werden, die ein Interesse am Sparen hätten, da sie das Wasser auch bezahlen müssten.

Daniel Born (SPD) strebte einen Agrarkonsens an, in dem die berechtigten Interessenten der Landwirtschaft und des Wasserschutzes zusammengebracht werden, Das erfordere Regierungshandeln aus einem Guss und die Einhaltung der Gesetze. Ein Konzept für eine nachhaltige, gewässersensible Landnutzung müsse verbindlich umgesetzt werden. Die Landwirte seien mit betroffen von den Folgen des Klimawandels und sollen sich als Experten einbringen für die Lösung der Zukunftsaufgabe.

Holger Höfs (FDP) stellte fest, dass nicht nur die Landwirte gefordert seien, sondern jeder seinen Beitrag dazu leisten müsse, den Wassermangel nicht zu verschärfen. Versickerungsmöglichkeiten vor Ort zu schaffen und den Verbrauch zu senken seien gangbare Maßnahmen. Er sprach sich dafür aus, die Entnahmemenge beim Wasserwerk im Hardtwald auf ihre Verträglichkeit zu untersuchen, um den Spiegel nicht weiter absinken zu lassen.

Experte Hans-Jürgen Hahn unterstrich, dass der Klimawandel die Hauptursache für das Fehlen von Grundwasser sei. Für den Einsatz von Geothermie mit Wasser als Wärmespeicher, wie sie im Chat angesprochen wurde, brauche es Eingriffsregelungen und eine Art Raumordnungsverfahren.

Die zweite Fragerunde an die Kandidaten zielte auf kommunales Wassermanagement und Förderung von Versickerungsmöglichkeiten in Kommunen ab. Holger Höffs plädierte für wohnungsnahe Versickerung in Teichen und Mulden. Gewässer sollten durch neue Läufe zu langsamerem Fließen gebracht werden.

Andreas Sturm sah bei neuen Wohngebieten die Zukunft in Quartierskonzepten, etwa Zisternen für Reihenhäuser für Wasser und Wasserstoff. So werde Verbrauchssenkung und Energieerzeugung kombinierbar. Es müssten Anreize geschaffen werden, Versickerung auf Privatgelände zu ermöglichen – durch positive Beispiele.

Klares Wort zu Schottergärten

Daniel Born wunderte sich, dass das Thema Schottergärten so lange ohne klare Regelung blieb, obwohl die Überhitzung eine konkrete Gefahr in den Kommunen darstelle. Die Kommunen bräuchten Rückendeckung durch die Landespolitik.

Andre Baumann verwies auf die kommunale Selbstverwaltung. Das Land stelle Fördermittel ein, um hier Anreize zu schaffen. Bei Schottergärten sei die Position des Umweltministeriums klar. In den Gemeinden sei die Versiegelung das größere Problem, außerdem müsse der Flächenverbrauch begrenzt werden.

Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer