Was Bürger ärgert - Kleingärtner Heinz Schmelzinger kritisiert Dienstleister des Bauhofs / Mit Traktor ohne Rücksicht auf Vögel zu viel entfernt / Stadt mit Leistung unzufrieden Hecke grob gestutzt – Mit Pflege hat das nichts zu tun

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Heinz Schmelzinger macht aus seiner Empörung keinen Hehl: „Mit Pflege hat das nichts zu tun, da ist alles abgefranst, mehr rausgerissen als geschnitten, und jede Menge Abfall ist liegengeblieben.“ Seit 35 Jahren hat der 70-Jährige seinen Kleingarten im Mörsch, der entlang des Weges parallel zur Bundesstraße 39 von einer Hecke gesäumt wird. Was ihn so ärgert, ist der Heckenschnitt, den der städtische Bauhof an einen externen Dienstleister abgegeben hat. Und der auch nicht den Erwartungen der Stadt entsprach, wie Pressesprecher Christian Stalf auf Anfrage mitteilte.

Mehr abgerissen als geschnitten, findet Heinz Schmelzinger die gestutzte Hecke. © Matthias Mühleisen
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Es geht dem passionierten Kleingärtner, der auch Vorsitzender des Vereins der Gartenfreunde ist, nicht nur um die Pflanze, die deutlich grober gestutzt wurde als in den Vorjahren. Vor allem stört ihn, dass die Aktion völlig ohne Rücksicht auf die Vögel, die in der Hecke nisten, durchgeführt worden sei. „Ich habe überall Vogelhäuser aufgestellt, Insektenhotels an mein Gartenhaus montiert und füttere die Vögel, wenn sie Junge haben – und dann fahren die mit einem Traktor, an dem drei oder vier Sägen hängen, mit fast 20 Sachen da durch.“

Bislang sei die Hecke, die das Flurbereinigungsamt einst entlang der Zäune der Kleingärten gepflanzt habe, durch Kräfte der Stadt mit Heckenscheren gestutzt worden. Das sei immer sachgemäß erledigt worden, sagt Heinz Schmelzinger, der sich für die Sträucher mitverantwortlich fühlt und sie während der Hitzeperioden wässert. „Aber so darf das nie wieder passieren.“ Mindestens einen halben Meter Äste und Zweige seien entfernt worden, noch dazu unregelmäßig.

Generell mit Firma zufrieden

„Die Maßnahme wurde von unserem Bauhof an einen externen Dienstleister abgegeben, weil der Bauhof im Rahmen der Formel 1 durch anderweitige Arbeiten stark eingebunden war“, teilt Christian Stalf mit. Der Heckenschnitt des externen Dienstleisters habe in diesem Fall nicht den Erwartungen der Verwaltung entsprochen, generell habe die Stadt aber gute Erfahrungen mit diesem Dienstleister gemacht. Ein Bauhof-Mitarbeiter habe den Heckenschnitt am Tag darauf kontrollieren wollen, das sei aber nicht mehr möglich gewesen, weil die durch den Eingriff abgerissenen Heckenteile nicht mehr vor Ort lagen, teilt Stalf weiter mit.

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Der Bauhof führe jährliche Kontrollen im Bereich der Kleingartenanlage durch – üblicherweise in den Monaten Juni und Juli. „Dieser Kontrollzyklus hat sich bewährt und unserer Erfahrung nach keine nachteiligen Folgen für die Vögel in dem Gebiet“, heißt es in dem Schreiben der Stadt. Denn Heinz Schmelzinger, der in seinem weitläufigen Garten auch einen großen Teich angelegt und viele Blühpflanzen ausgesät hat, kritisierte auch den Zeitpunkt des Schnitts: Solche Radikaleingriffe sollten vor März erfolgen, findet er.

Seinem weiteren Vorwurf, dass die Stadt als Verpächter zu wenig gegen Gartenbesitzer unternehme, die ihre Parzellen verwildern lassen, widerspricht Christian Stalf: „Wir halten die betroffenen Gartenbesitzer an, Beanstandungen auch zeitnah zu beseitigen.“ Doch einige Besitzer reagierten darauf nicht, so dass erneut kontrolliert und erinnert werden müsse. Das sei zeitaufwendig und lasse eventuell den Eindruck entstehen, es passiere nichts. mm