Pumpwerk - „Cara“ fesselt die Herzen mit ganz eigenem Stil irischer Musik voller Virtuosität Hier erzählt jeder Ton seine eigene Geschichte

Von 
Matthias H. Werner
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Kim Edgar (v. l.), Hendrik Morgenbrodt, Gudrun Walther und Jürgen Treyz spielen im Pumpwerk feinsten Irish Folk. © Lenhardt

Einen Abend zwischen Mord, Ehebruch und Zauberzwang stellt man sich irgendwie anders vor: nicht so harmonisch, mitreißend und auf keinen Fall so atemberaubend schön. Das Kunststück dieses programmatisch-atmosphärischen Paradoxons vollbrachte am Samstagabend die Formation „Cara“, die wieder einmal zu Gast im Pumpwerk war.

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Die Truppe um Gudrun Walther und Jürgen Treyz, die 2005, drei Jahre nach der Gründung, ihr Debut in Hockenheim feierte und schon damals mit Prädikat versehen wurde, besticht durch einen inzwischen zum Hochgenuss gereiften Sound, der ihrem Anspruch „a new breeze in irish music“, frischen Wind in der Folk-Szene zu verbreiten, alle Ehre macht. Vielschichtig und hochkompositorisch sind die Klangwerke vielmehr dem eigenen Genius als dem Irish Folk entsprungen, den sie allenfalls noch im Grundduktus aufnehmen, um in ganz persönlichen Adaptationen großartige Musik zu schaffen.

Erfolge in den USA gefeiert

Kein Wunder, dass es „Cara“ inzwischen gelungen ist, zu einer der anerkanntesten Bands der irischen Musik aufzusteigen und sich auf die Fahnen schreiben zu können, die erste deutsche Irish-Folk-Band zu sein, die auch in den USA Erfolge feiern kann.

Diese Entwicklung hatte ihren Grundstein schon in der Ur-Formation mit Walther, Treyz und Sandra und Claus Steinort, die bis vor zehn Jahren mitmischten, bevor sie dem Erfolg und dem davon verursachten zeitlichen Aufwand nachgeben mussten. Heute ergänzen die warmherzige schottische Singer-Songwriterin Kim Edgar aus Edinburgh, die zu recht zu „Scotland’s very own Tori Amos“ gekürt wurde, am Piano und mit ihrer berührenden Stimme und der aus Hamburg stammende, nun in der Nähe von Tübingen wohnende begnadete Uilleann Piper Hendrik Morgenbrodt, der seinem Irischen Dudelsack, aber auch der Tinwhistle und der Irish Flute das Maximum an Emotionen entlockt.

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Zusammen berauscht „Cara“ mit einem unbändigen, hochkomplexen Sound, der einzigartig ist und weit jenseits der „typischen“ Irish-Folk-Ambitionen, die man eher im Pub als im Konzertsaal verorten mag. Und trotz dieser virtuosen Musikarchitektur, die Klanggemälde schenkt und mit jedem Ton eine Geschichte erzählt, ist die Musik fesselnd und wie fetzige Reels und Jigs mitreißend.

Vom sanften Einstieg mit dem Instrumental „There will be fog“ an, das wie eine Ouvertüre bereits einen zusammenfassenden Vorgeschmack auf das gab, was die vier im Gepäck hatten – rassige Töne und zarte Lieder in einem Irish Sound fürs deutsche Gehör – präsentierte sich „Cara“ als begeisternde, begnadete Liveband, die aber auch im stillen Kämmerlein und auf CD noch unmäßige Musikerlebnisse garantiert, für die auch der Jubel steht, mit dem die Formation nach jedem Titel überschüttet wurde.

Perfekte stimmliche Ergänzung

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Gudrun Walthers so gepflegte, kristallene Stimme, die diamantenes Funkeln atmet, aber trotz des schlanken Tonkörpers warm und anschmiegsam ist und Titel wie „A warning for all married women“ oder „The land of the midnight sun“ als Elfe, die die Bühne sichtlich liebt, zu Hochgenüssen macht, und Kim Edgar, die stimmlich perfekt ergänzt mit warmem, charaktervollem Organ, tiefgründig und unmittelbar mit wohliger Tiefe und zarter Höhe, bilden das Kleid für „Cara“.

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Unter diesem die grandiosen Dudelsackklänge Morgenbrodts, die ausgefeilte, technisch beeindruckende und emotional begeisternden Gitarren-Einwürfe des grandiosen Jürgen Treyz, der einen eigenen Abend wert wäre, die antreibende Fiddle Walthers und die so verblüffend gut passenden Pianoklänge Edgars als Rückgrat: Sie machen Weltmusik nicht im wissenschaftlichen Sinne, sondern indem sie die Welt und all ihre Eindrücke komprimieren und in Tönen, faszinierenden Melodien und ganz gefühlvoller Musik wieder hervorzaubern.

„Cara“ ist eine beeindruckende, hinreißende, natürlich schöne Gestalt, die den ganzen Raum und jedes Herz für sich einnimmt.

Freie Autorenschaft Seit Mitte der 1990er Jahre als freier Journalist vorrangig für die Region Hockenheim/Schwetzingen tätig - Fachbereich: Kultur.