Amtsgericht - 43-Jähriger zu 15 Monaten Haft verurteilt Hockenheimer würgt Ex-Freundin im Auto

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Heinz-Günther Fischer
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Handgreiflich wie auf diesem Symbolbild ist der Angeklagte gegenüber seiner Ex-Freundin geworden. © DPA

Hockenheim/Schwetzingen. Eine nicht alltägliche Hauptverhandlung fand vor dem Amtsgericht in Schwetzingen statt. Der Angeklagte wurde nicht nur in Handschellen vorgeführt, er musste diese auch während des gesamten Prozesses anbehalten. Seinen Grund hatte dies offensichtlich nicht nur in der Vorgeschichte, sondern auch in den ausgesprochenen Drohungen des Angeklagten gegenüber der Geschädigten im Vorfeld der Verhandlung, um diese zu einer günstigen Aussage zu veranlassen. Dieses Verhalten war offensichtlich auch ausschlaggebend dafür gewesen, dass wenige Tage vor der Hauptverhandlung Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde.

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Was war passiert? Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte dem 43-Jährigen aus Hockenheim vorgeworfen, im August vergangenen Jahres seine langjährige Partnerin nach der Trennung in deren Auto massiv angegriffen, geschlagen und gewürgt zu haben. Die Geschädigte habe dabei Todesangst empfunden. Entsprechende Verletzungen seien bei ihr attestiert.

In einer ersten Einlassung bestritten sowohl der Angeklagte als auch dessen Verteidiger die Tat. Weitere Angaben wollten sie zunächst nicht machen.

Als sehr aufschlussreich erwiesen sich die Ausführungen der Geschädigten, die als Zeugin vernommen wurde. In ihrer sehr detaillierten Aussage sprach sie zunächst davon, dass sie sich nach einer mehrjährigen Beziehung im August 2020 von dem Angeklagten getrennt habe. „Ich konnte nicht mehr“, lauteten ihre Worte.

Rückzahlung von Schulden

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Zum Geschehen selbst schilderte die Zeugin, dass sie dem Angeklagten 2019 einen Betrag von 1400 Euro geliehen hatte. Davon habe er nur die Hälfte zurückbezahlt. Am Tag des Geschehens habe er sich bei ihr gemeldet und die Rückzahlung von 500 Euro angeboten. Hierzu wollte er sich persönlich mit ihr treffen. Dies lehnte die Frau zunächst ab und bat um Überweisung des Geldes. Weil er ablehnte, fuhr sie schließlich doch zu seinem Wohnanwesen und vereinbarte, mit ihrem Auto gemeinsam zur Bank zu fahren. Zuvor hatte sie der Angeklagte noch in seine Wohnung gebeten, was sie allerdings ablehnte.

„Das Schlimmste war der Schock“

Gleich im Auto sei er aggressiv geworden, habe sie ins Gesicht geschlagen, massiv am Hals gewürgt und ihren Kopf nach hinten gezogen. „Er hat den Hals richtig zugedrückt“, schilderte die Geschädigte. Ein Geschehen, dass sie heute noch in ihren Träumen verfolgt und belastet, wenn sie daran denkt. Verletzungen habe sie an Kinn, Hals und Stirn erlitten, das Schlimmste sei aber der damit verbundene Schock. Nachdem das Fahrzeug dann gegen den Bordstein gefahren war, konnte sie sich befreien und laut um Hilfe rufen. Der Angeklagte habe sich beim Eintreffen der Polizei entfernt.

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Ihre Aussage belegte sie mit verschiedenen Chats, Sprachnachrichten und Verbindungsnachweisen, die sie auf ihrem Handy gespeichert hatte. Darunter befanden sich auch massive Beleidigungen von Seiten des Angeklagten. Dieser erklärte, am Tag des Geschehens stark betrunken gewesen zu sein. Er sei jedoch für die Verletzungen seiner Ex-Partnerin nicht verantwortlich, könne sich diese auch nicht erklären – vielleicht seien sie beim Fahren auf den Bordstein entstanden.

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Die Vorsitzende Richterin Neuschl verlas das ärztliche Attest, das die geschilderten Verletzungen bescheinigte, sowie ein durch das Amtsgericht Schwetzingen erlassene Annäherungsverbot für den Angeklagten.

Sehr umfangreich war dann das verlesene Vorstrafenregister. Die Vorsitzende listete dabei über 20 Delikte auf, für die der Angeklagte verurteilt wurde. Dabei nehmen die Aggressionsdelikte einen beachtlichen Raum ein. Hierbei fällt auf, dass überwiegend Bewährungsstrafen ausgesprochen oder Haftstrafen abgemildert wurden. Gerade bei der letzten Verurteilung durch das Amtsgericht Schwetzingen Anfang 2020 war die Haftstrafe in der Berufsverhandlung beim Landgericht in Mannheim zur Bewährung ausgesetzt worden.

Der Staatsanwalt sah in seinem Plädoyer die Anklage in allen Punkten als bewiesen an. Er hob insbesondere die glaubhafte Schilderung der Geschädigten hervor. Mit Blick auf die umfangreichen Vorstrafen sowie das Fehlen ernstzunehmender Reue beantragte er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Verteidiger fordert Freispruch

Dem widersprach der Verteidiger: Für ihn stand Aussage gegen Aussage, wobei die Geschädigte nach seiner Einschätzung nur belastende Protokolle mitgeteilt habe. Er forderte Freispruch und Aufhebung des Haftbefehls.

Richterin Neuschl verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter Nötigung und Bedrohung zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe. Sie sah keine Anhaltspunkte für eine Aussetzung zur Bewährung und verwies auf seine vielen Vorstrafen. Zudem hielt sie den Haftbefehl wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr aufrecht. Bevor er seinen Rückweg in die Vollzugsanstalt nach Mannheim antrat, schleuderte er der Vorsitzenden ein „Das war falsch“ entgegen. Einsicht und Reue sehen anders aus.

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