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Sozialausschuss - Beauftragter Konrad Sommer informiert über Situation der 419 in Hockenheim lebenden Geflüchteten / 200 bereits in privaten Wohnungen untergebracht / Antwort auf SPD-Anfrage

Integration funktioniert dank Ehrenamtlicher gut

Von 
zg
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Überblick bewahren: Bürgermeister Thomas Jakob-Lichtenberg (l.) und der städtische Integrationsbeauftragte Konrad Sommer (r.), hier vor einem Luftbild der Stadt, haben den Ausschuss über die Integrationsarbeit in Hockenheim informiert. © Lenhardt

Derzeit leben 419 Menschen mit Fluchthintergrund in Hockenheim. Davon sind 100 in der vorläufigen Unterbringung in einer vom Rhein-Neckar-Kreis betriebenen Unterkunft im Talhaus untergebracht. Weitere 319 Personen fallen in der Anschlussunterbringung in die Verantwortung der Stadt. Von diesen leben knapp 200 Menschen bereits in privaten Wohnungen, während rund 120 noch in sieben städtischen Unterkünften wohnen, davon drei im Eigentum der Stadt und vier angemietet. Das hat die Verwaltung in einer Sitzung des Ausschusses für Soziales, Jugend, Kultur und Sport mitgeteilt.

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Sie nahm damit Stellung zu einer Anfrage der SPD-Gemeinderatsfraktion zur aktuellen Situation der in Hockenheim lebenden Geflüchteten. Der städtische Integrationsbeauftragte Konrad Sommer berichtete, dass der Mietvertrag für eine der angemieteten Unterkünfte zum Mai 2022 gekündigt worden sei, nachdem man sich mit dem Vermieter darauf verständigen konnte, dass er seine Räumlichkeiten auch zukünftig an Geflüchtete vermieten wird. „Wir sehen auch das als einen sinnvollen und willkommenen Weg der weiteren Integration Geflüchteter an“, führte der Integrationsbeauftragte weiter aus.

Sommer betonte, dass die damalige Entscheidung zugunsten einer dezentralen, also über die Stadt verteilten Unterbringung der Geflüchteten sich auch heute noch als richtig für Hockenheim erweise.

Sprachbarrieren abbauen

Ein weiterer Teil der SPD-Anfrage bezog sich speziell auf die Situation von in Hockenheim lebenden Kindern und Jugendlichen mit Fluchthintergrund. Im laufenden Schuljahr werden 20 Schülerinnen und Schüler sowie neun Kindergartenkinder aus diesem Umfeld an den Schulen und Kindergärten betreut. Vonseiten der Schul- und Kindergartenleitungen wurde in diesem Zusammenhang auf die nach wie vor vorhandenen Sprachbarrieren verwiesen, die aktuell einer noch besseren Integration der Geflüchteten im Weg stehen.

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Eine engere Betreuung durch Lehrkräfte im Unterricht wäre nach Aussage der Schulen wünschenswert, ist aber aufgrund der eingeschränkten Lehrerversorgung nicht möglich. „Sofern es Stundenplan und Lehrerkontingent zulassen, bieten die Schulen einzelne Stunden zur Sprachförderung an“, ergänzte Bürgermeister Thomas Jakob-Lichtenberg die Ausführungen des Integrationsbeauftragten. Er stellte zudem fest: „Auch die durch den Kinderschutzbund Hockenheim organisierte Hausaufgabenbetreuung sowie die Schulsozialarbeit stellen wichtige Bausteine in der Unterstützung von geflüchteten Kindern und deren Familien dar.“ Im Kindergartenbereich setzen alle Träger zur besseren Integration von Kindern mit Migrations- oder Fluchthintergrund auf die Sprachförderprogramme „Singen – Bewegen – Sprechen“ und „Kolibri“. Darüber hinaus können die Einrichtungen bei Bedarf auf die Frühförderstelle des Vereins Postillion bei der Arbeit mit Kindern und deren Eltern zurückgreifen.

In einem weiteren Teil der Anfrage ging es um besondere Problembereiche im Zusammenhang mit der Unterbringung und Betreuung von Geflüchteten in Hockenheim. Hierzu berichteten Sommer und der für die Leitung des Integrationsmanagements beim DRK verantwortliche Michael Gelb, dass die dauerhafte Unterbringung Erwachsener in Mehrbettzimmern aufgrund der eingeschränkten Intimsphäre und der Unruhe gelegentlich zu Spannungen und emotionalen Diskussionen führen. Dies betreffe insbe-sondere Auszubildende und Personen, die in Wechselschicht arbeiten.

Impfangebot angenommen

Ein weiterer Problembereich ergibt sich laut Sommer aus der Corona-bedingten Schließung des Café Komm seit März 2020, weil dadurch ein wichtiger Treffpunkt für Geflüchtete und Ehrenamtliche temporär verlorenging. Dieser Ausfall habe die schon seit mehr als zwei Jahren erkennbare Erosion einsatzwilliger Ehrenamtlicher in der Asylarbeit beschleunigt. „Das vorsichtige Wiederanfahren des Cafés ab Oktober 2021 wird hier in Verbindung mit einer Wiederbelebung der Ehrenamtsplattform ,Hockenheim-hilft.de’ sicherlich Abhilfe schaffen“, ist der städtische Integrationsbeauftragte zuversichtlich.

Die Corona-Pandemie hinterließ nach Aussage der Experten allerdings auch in anderer Hinsicht Spuren unter den Geflüchteten. „Leider mussten einige der mittlerweile berufstätigen Geflüchteten zeitweise in Kurzarbeit ausweichen. Aber immerhin haben wir kaum Arbeitsplätze verloren“ erläuterte Michael Gelb. Außerdem habe die teilweise prekäre Unterbringung der Geflüchteten zu einigen Corona-Infektionen geführt, in deren Folge in mehreren Fällen auch ganze Unterkünfte unter Quarantäne gestellt werden mussten.

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„Die in Kooperation mit dem Landratsamt durchgeführte Impfaktion im Juni, bei der insgesamt 1600 Personen innerhalb einer Woche geimpft werden konnten, haben wir genutzt, um dabei auch weit über 100 Personen mit Fluchthintergrund zu impfen. Die gezielte Ansprache von Hockenheimer Unternehmen, in denen Geflüchtete arbeiten, hat dabei ebenfalls sehr geholfen“, führte Konrad Sommer vorm Ausschuss aus. Er ergänzte: „Die genannten Probleme sind absolut nicht Hockenheim-spezifisch, sondern finden so oder ähnlich im ganzen Land statt. Das ist alles beherrschbar, solange die Zusammenarbeit mit dem DRK gut funktioniert und vor allem die Stadtspitze unsere Vorgehensweise vollumfänglich unterstützt.“

Abschließend wollte die SPD in ihrer Anfrage wissen, welche Aktivitäten zur Vorbereitung auf einen neuen Flüchtlingsstrom ergriffen würden. „Aus den aktuellen Diskussionen über die mögliche Aufnahme afghanischer Ortskräfte und Geflüchteter erwartet die Verwaltung nur minimale Auswirkungen bezüglich zusätzlicher Unterbringungsanforderungen an die Stadt“, sagte Bürgermeister Jakob-Lichtenberg dazu. Neue Flüchtlingsströme könnten primär entstehen, wenn die durch die EU in Libyen und der Türkei eingezogenen Sicherungsriegel aus politischen oder anderen Gründen nicht mehr halten sollten.

Über 50 Plätze in Reserve

In diesem Fall wäre eine direkte Auswirkung auf die Stadt in Form zusätzlich unterzubringender Geflüchteter mit einer zeitlichen Verzögerung von bis zu zwei Jahren zu erwarten, da sich zunächst Landeserstaufnahmelager sowie die von Stadt- und Landkreisen zu planende vorläufige Unterbringung um diese Geflüchteten kümmern müssten. „Zum Glück verfügt die Stadt aber auch in den bestehenden Unterkünften über eine Unterbringungsreserve von mehr als 50 Plätzen, sodass wir derzeit nicht davon ausgehen, hier in absehbarer Zeit überrascht zu werden“, so Jakob-Lichtenberg.

Wie einige Ausschussmitglieder bedankte sich auch Oberbürgermeister Marcus Zeitler für die ausführliche, fundierte Stellungnahme. „Vor dem beschriebenen Hintergrund gibt es aus Sicht der Verwaltung aktuell keine erweiterte Handlungsnotwendigkeit und hinsichtlich der bei uns untergebrachten Geflüchteten auch keinen Grund zur Sorge. Dem jahrelangen ehren- und hauptamtlichen Engagement der Referenten sowie vieler weiterer Helferinnen und Helfer haben wir es zu verdanken, dass die Integration hier in Hockenheim besser funktioniert als in vielen anderen Gemeinden des Landes. Beiden gebührt deshalb unser uneingeschränktes Vertrauen und unsere Unterstützung.“ zg

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