Orchesterverein Stadtkapelle

Jahreskonzert der Stadtkapelle Hockenheim: Höchstleistungen krönen drei Jubiläen

Das Jahreskonzert wird Beethovens 250. Geburtstag und dem langjährigen Einsatz der Dirigenten Alexander Six und Dominik M. Koch gerecht.

Von 
Matthias H. Werner
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Spielt unter Leitung von Alexander Six verlässlich auf extrem hohem Niveau: Das Jugendorchester eröffnet das Jahreskonzert der Stadtkapelle in der Stadthalle. © Lenhardt Norbert

Hockenheim. 2020 hatte Ludwig van Beethoven seinen 250. Geburtstag – die Party, die Corona-bedingt in einer Welt mit angezogener Handbremse weitgehend ausfallen musste, hat zumindest der Hockenheimer Orchesterverein Stadtkapelle am Sonntagabend in einem gewohnt musikalisch opulenten Jahreskonzert, durch das Jakob Roth als Vertretung für den kurzfristig erkrankten Markus Fuchs führte, der seinerseits eine feste Größe und unbedingter Glanzpunkt bei den Jahreskonzerten ist, nachgeholt – und mit zwei weiteren Jubiläen kombiniert.

Vor voll besetztem Saal feierte die Stadtkapelle Alexander Six, der seit zehn Jahren das Jugendorchester leitet, und Dominik M. Koch, der seit 15 Jahren beim Hauptorchester am Pult steht, und feuerte beeindruckende klangliche Salven und manchen Knalleffekt in die Stadthalle hinein.

Six, der als 27-jähriger Posaunist der Stadtkapelle die Jugend aus den bewährten Händen von Kristin Zimmermann übernahm, hat es in dem Jahrzehnt unter seiner Ägide geschafft, den – naturbedingt – immer wieder wechselnden Klangkörper zu einem verlässlich auf extrem hohem Niveau spielenden Ganzen zu machen. 100 neue Stücke „Musik, Motivation und Spaß“, wie die Jugendleiterin Julia Martens in ihrer Laudatio zusammenfasste: „Du hast uns gezeigt, was es heißt, richtig Musik zu machen“. Dass davon vor allem auch das Publikum profitiert, stellten die rund 40 Instrumentalisten mit „Centuria“ des amerikanischen Komponisten James Swearingen, mit einem Streifzug durch „The Greatest Showman“, dem für den Oscar nominierten Musikfilm aus dem Jahr 2017, und vor allem mit der klanglichen Fantasiewelt des Spaniers Ferrer Feran in dessen „Fairy Tale“ unter Beweis.

Jahreskonzert der Stadtkapelle Hockenheim: Spaß und musikalische Klasse

Mit dem zauberhaften Stück und in dessen breit angelegten, schmeichelnden Themen, tänzerischen Passagen und grandiosen, hymnischen Motiven, das gerade von Gänsehautmomenten wie dem sphärischen Querflötensolo Lara Berlinghofs lebt, konnten sich die Jungen nach Herzenslust ausspielen – und mit ihrem technisch versierten, von Spielfreude und künstlerischem Witz geprägten Klang eine ebensolche auch dem frenetisch applaudierenden Publikum bereiten. Die völlig zu Recht geforderte Zugabe war fast so etwas wie ein Motto: Der „Walk the Moon“-Titel „Shut up and dance“ vereinte den Spaß und die musikalische Klasse auf mitreißende Weise.

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Mit dem bereits beim vergangenen Jahreskonzert höchst erfolgreichen Titel „Two Steps from Hell“ des jungen Komponisten Alexander Reuber wählte das Hauptorchester einen grandiosen, mit seinen dynamischen Wechseln fesselnden Einstieg. Wie gewohnt führte Dominik M. Koch seine mehr als 60 Musiker zielgerichtet, diszipliniert und auf höchstem Niveau – und das wie immer mit dem ästhetischsten Dirigat in weitem Umkreis.

Der herausragende Orchesterleiter, der beim Sommer-Open-Air 2007 den Stab von Stefan Grefig übernahm, führt – als mit nun 15 Jahren „dienstältester Dirigent“, wie Stadtkapellen-Chefin Gabi Christ in ihrer Laudatio schmunzelnd anmerkte – das Orchester, das in Bezug auf Qualität, Reinheit und interpretatorischen Anspruch seinesgleichen sucht.

Dabei folgt er dem Grundsatz des „Revolutionärs“ Rüdiger Müller, dabei aber mit einem sehr eigenen Charakter, der zur sinfonischen Klasse, die Müller dereinst durchaus schmerzhaft eingeführt hat, höchste Ästhetik und einen kristallklaren, in jeder Nuance durchdachten Klang gesellte. In den 15 Jahren unter seiner Ägide hat Koch ein Orchester geformt, das durch künstlerische Größe und musikalischen Anspruch gleichermaßen auffällt und das bereit ist, unablässig weiter an der eigenen Qualität zu arbeiten. „Mit Motivation, guter Laune, Engagement und Zielen“, wie Christ betonte.

Jahreskonzert der Stadtkapelle Hockenheim: Symbiotische Beziehung

Dass Dominik M. Koch trotz seines eigenen herausragenden Talents dabei kein „Konzertdirigent“ ist, sondern auch am Vereinsleben teilnimmt, hat eine symbiotische Beziehung zwischen ihm und dem Orchester entstehen lassen, die Teil des Erfolgs ist. Beispiel dafür war 2011 das Diplom-Konzert, mit dem Koch gemeinsam mit den Musikern seiner damals vier Vereine, darunter auch die Stadtkapelle, in Hockenheim seinen Studiengang „Blasorchesterleitung“ beendete.

Sein ehemaliger Diplom-Vater Prof. Maurice Hamers, damals der einzige Lehrstuhlinhaber für Blasorchesterdirigieren in der Republik, bescheinigte dem 28-jährigen nicht nur einen herausragenden und sehr souveränen Stil, sondern auch eine Erwartung: „Dominik wird sicherlich einer der herausragendsten Dirigenten für Blasmusik in Deutschland werden – ein Segen, dass es einen solchen Dirigenten in der Gegend gibt.“

Jahreskonzert der Stadtkapelle Hockenheim: Die Luft ist noch lange nicht raus

Ein solcher bleibt Koch auch weiterhin. Zwar hat der aufstrebende Dirigent seit Ende vergangenen Jahres als Hauptmann Dominik Koch die Leitung des Heeresmusikkorps Ulm übernommen, aber offenbar legt er die Termine des Bundeswehr-Vorzeigeorchesters um die Probentermine in Hockenheim herum.

Dass „die Luft noch lange nicht raus“ ist, wie Gabi Christ sichtlich bewegt bescheinigte, stellte auch dieses Konzert unter Beweis: Neben Reubers Themenfeuerwerk gab das Hauptorchester die wirbeligen „Home Alone Selections“ des begnadeten amerikanischen Komponisten John Williams und ein begeistert umjubeltes Arrangement zum Lloyd-Webber-Musical „Starlight Express“ des Komponisten Guido Rennert, der 2021 beim „Großen Zapfenstreich“ für Angela Merkel Nina Hagens „Du hast den Farbfilm vergessen“ arrangiert hatte. Herausragende Soli steuerten unter anderem Moritz Mildenberger (Basstrompete), Martin Jacob (Trompete) und Noah Mitsch (Saxophon) bei.

Mit dem musikalischen Leckerbissen und programmatischen Höhepunkt feierte man dann gemeinsam doch noch Beethoven: Mit einem Arrangement Christian Wiedemanns zur auch als „Schicksalssinfonie“ bezeichneten Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67 des wohl größten deutschen Komponisten konnte das Hauptorchester der Stadtkapelle einmal mehr zeigen, was seine herausragenden Qualitäten ausmacht.

Mit wuchtigem Einstieg und sehr klug auf die Register verteilten Motiven präsentierte sich die Stadtkapelle in einer lupenreinen, ausnahmslos makellosen Technik, die mit einem spürbaren Genuss am Dramatischen auf eine fantasievolle Interpretation traf – Beethovens Meisterwerk war eine Ehre für das Orchester, das wiederum dem großen Stück Musikgeschichte alle Ehre machte.

Minutenlanger Applaus, stehende Ovationen und der lautstarke Ruf nach Zugaben krönten ein Konzert, das einmal mehr ein Meilenstein in der Hockenheimer Kulturgeschichte ist, ein Prädikat für die Stadtkapelle und ein Segen für alle Zuhörer.

Freier Autor Seit Mitte der 1990er Jahre als freier Journalist vorrangig für die Region Hockenheim/Schwetzingen tätig - Fachbereich: Kultur.