Benjamin Jungbluth über Corona-Folgen für die Wirtschaft Kleine Betriebe leiden

Von 
Benjamin Jungbluth
Lesedauer: 

Hockenheim. Flexibilität wird derzeit von uns allen gefordert: Wir müssen uns seit dem Frühjahr an eine grundlegend veränderte Welt anpassen. Doch von den Folgen der Pandemie-Politik sind nicht alle gleichermaßen betroffen. Angestellte im öffentlichen Dienst oder gar Beamte bekommen von den wirtschaftlichen Auswirkungen kaum etwas mit. Auch Mitarbeiter großer Firmen spüren oft nur geringe Einbußen, dem über milliardenschwere Schuldenfinanzierten Kurzarbeitergeld sei Dank. Doch bereits hier werden viele Betroffene wohl langsam spüren, dass es so nicht ewig weitergehen kann. Keine Volkswirtschaft der Welt kann sich auf Dauer derart hohe Ausgaben leisten, das ist unbestritten. Die Sorge um ihren Arbeitsplatz dürfte bei vielen deshalb zunehmen.

AdUnit urban-intext1

In  besonders hohem Maße sind aber seit Beginn der Krise die kleinen inhabergeführten Betriebe betroffen. Hier wird oft nicht das große Geld verdient, entsprechend gering sind die Rücklagen. Hoch ist hingegen die Verantwortung für die Angestellten, die in viel stärkerem Maße um ihren Job bangen müssen als in großen Unternehmen. Und hier zeigt sich die grundlegende Gefahr, die von der aktuellen Wirtschaftskrise ausgeht. Wenn die kleinen Betriebe ins Straucheln geraten, steigt die Zahl derjenigen Menschen, die ihr Geld zusammenhalten müssen. Also wird weniger und billiger konsumiert, was die einheimischen Produktionen noch weiter unter Druck setzt. Am Ende leiden darunter wieder einmal die Schwächsten am meisten: Ob die Aushilfen in kleinen Cafés bei uns oder die Kaffeebauern in Südamerika, die ihre Waren nur noch zu einem schlechten Preis verkaufen können.

Eine einfache Lösung, diesen Trend zu stoppen, gibt es nicht. Der Einzelne kann versuchen, bewusst und vor Ort einzukaufen und – so lange er sich das leisten kann – nicht nur auf den möglichst niedrigen Preis zu achten. Die Politik hingegen muss langfristige Konzepte entwickeln und die Wirtschaft bei ihren Entscheidungen im Blick behalten, anstatt wahllos das Geld zukünftiger Generationen für vermeintliche Hilfsprogramme auszugeben – sonst müssen wir uns wohl bald an das geschlossene Eiscafé, den verschwundenen kleinen Laden in der Fußgängerzone oder das nicht mehr wiedereröffnete Hotel gewöhnen.

Mehr zum Thema

Geschäftsleben Das Eiscafé im Hockenheimer Globus war nicht zu halten

Veröffentlicht
Von
Benjamin Jungbluth
Mehr erfahren

Zertifizierung Geschmack an Gerechtigkeit

Veröffentlicht
Von
zg
Mehr erfahren

Geschäftsleben 18 Sorten Kaffee lassen Genießerherz höherschlagen

Veröffentlicht
Von
Christina Lourenco
Mehr erfahren

Freie Autorenschaft Freier Journalist für die Region Heidelberg, Mannheim und Rhein-Neckar. Zuvor Redakteur bei der Schwetzinger Zeitung, davor Volontariat beim Mannheimer Morgen. Neben dem Studium freie Mitarbeit und Praktika u.a. beim Mannheimer Morgen, der Süddeutschen Zeitung, dem SWR und der Heidelberger Studentenzeitung ruprecht.