Gemeinschaft

Kostenloses Mittagessen im Hockenheimer Lutherhaus: Verbundenheit über die Tische hinweg

Rund 60 Gäste folgen der Einladung zum kostenlosen gemeinsamen Mittagessen in Kooperation mit dem Wirtshaus „Güldener Engel“. Dabei kamen ganz unterschiedliche Menschen zusammen.

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Gastbeitrag von Michael Dahlinger
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So macht Essen satt, glücklich und zufrieden: Im sonntäglich gedeckten großen Lutherhaussaal finden sich rund 60 Gäste bei der Aktion „Wärmewinter“ ein, um ein gemeinsames warmes Essen zu genießen. © Evangelische Kirchengemeinde Hockenheim

Hockenheim. Es ist Sonntag, 12 Uhr. Die Türen des Lutherhauses öffnen sich. Köstlicher Essensduft erfüllt das Foyer, Ehrenamtliche stehen bereit – die einen mit Schürze und Löffel an dampfenden Töpfen, die anderen zur Begrüßung. Und alle sind mächtig gespannt, wer sich von der Einladung zu einem kostenlosen Mittagessen hat ansprechen lassen.

Stellvertretend für weitere Ehrenamtliche aktiv: Gerhild Gottmann (v. l.), Esther Askani, Candy Neukirchner, Andreas Askani und (verdeckt) Reiner Askani bei der Essensausgabe. © Evangelische Kirchengemeinde Hockenheim

Was heißt nochmals „Herzlich Willkommen“ auf Ukrainisch oder was heißt „Rinderbraten mit Nudeln und Soß’“ auf Kurdisch? Dank Handy und Google-Translator kein Problem.

Bereits am Samstag hatten etliche Ehrenamtliche das Lutherhaus einladend hergerichtet. Ihre Kirchengemeinde wollten sie als perfekte Gastgeberin in bestem Lichte präsentieren. Und immer wieder stellen sich die Organisatoren die bange Frage: Kommt überhaupt jemand – und wenn ja, wie viele?

Mario Böhm, Koch und Inhaber des Wirtshauses „Güldener Engel“, sieht das entspannter. „Ich koche rund 100 Portionen. Wenn ihr mehr braucht, kein Problem. Und was übrig bleibt, wird in meinen Lokal nachhaltig weiterverwendet.“ Professionelle und zugleich kostenlose Kochhilfe und ehrenamtliches Engagement erweisen sich so als unschlagbares Dreamteam.

Lutherhaus Hockenheim: Alteingesessene und ganz Neue

Rund 60 Gäste genießen dies sichtbar. Ihren Gesichtern war deutlich anmerken: Sie sind satt, glücklich und zufrieden. Die einen kamen, weil sie nicht zu Hause allein Essen wollten. Ein anderer Tisch ist von einer alteingesessenen Hockenheimer Familie belegt. An einem Tisch sitzen Frauen, die mit ihren Kindern aus der Ukraine hatten flüchten müssen. Und an anderen Tischen sitzen Flüchlingsfamilien, die schon länger eine neue Heimat in Hockenheim gefunden haben. Und alle zuammen fühlen sich über Tische, Kultur und Religion hinweg zu einer großen Gemeinschaft verbunden.

Manche kamen auch nicht. Vielleicht weil sie anderen nichts wegessen wollten? Sich nicht zu den angesprochenen Zielgruppen zählten? Kein Problem – vielleicht gibt es ein nächstes Mal und dann sind sie wieder eingeladen.

Es ist Sonntag, 14 Uhr. Die letzten Gäste haben sich auf den Heimweg gemacht. Reste von Rinderbraten und Polenta sind verteilt, die Tische abgedeckt. Abschlussbesprechung der ehrenamtlichen Helfer in der Küche an den Geschirrspülmaschinen. Auch hier nur glückliche und zufriedene Gesichter. „Mit so vielen Gästen hätte ich nicht gerechnet.“ „Die Gemeinschaft mit geflüchteten Familien, Hockenheimern und uns verbundenen Gemeindegliedern, das hat mir gut gefallen.“ „Beim nächsten Mal wäre ich wieder dabei!“ Ob es ein nächste Mal gibt? Die Chancen stehen nicht schlecht.

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