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Ausstellung

Kunst gegen Krieg und Umweltzerstörung – Ausstellung öffnet in der Stadthalle

Der Deutsch-Japaner Ryo Kato ist mit „Zeitenwende“ zu Gast beim Kunstverein in der Stadthalle und trifft mit seinen Werken auch (energie-)politische Aussagen

Von 
Matthias Mühleisen
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Beim Aufbau der „Zeitenwende“: Ryo Kato (4. v. r.) und das Kunstvereinteam Sabine Weyers (v. l.), Kristin Brümmer, Dominika Jomler, Christian Kramberg, Birgit Rechlin, Lisa Baumann und Harald Süß. © Lenhardt

Hockenheim. Kaum ein Wort fasst die Veränderungen, denen wir in der jüngeren Vergangenheit ausgesetzt sind, besser zusammen als Zeitenwende. Es ist kein Zufall, dass der Künstler Ryo Kato den Begriff als Titel seiner Ausstellung gewählt hat, die er von diesem Freitag, 29 Juli, an beim Kunstverein Hockenheim in der Stadthalle zeigt. Denn die Ereignisse und Prozesse, die die Schlagzeilen der Nachrichten prägen, haben ihn in seinem Schaffen nachhaltig beeinflusst.

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Der in Japan geborene und aufgewachsene Kato, Jahrgang 1978, lebt und arbeitet seit 24 Jahren in Berlin. Mit „Zeitenwende“ geht er ganz explizit auf die Umwälzungen ein, die der Krieg Russlands gegen die Ukraine ausgelöst hat. „Das betrifft nicht nur die Grausamkeit, sondern auch den Umgang mit Energieressourcen. Dadurch ist viel deutlicher geworden, dass wir global verbunden sind, alle Länder – Deutschland besonders vom Gas aus Russland“, berichtet Ryo Kato beim Aufbau seiner Ausstellung im kleinen Saal der Stadthalle, in dem der Kunstverein seit vielen Jahren im Sommer Kunst präsentiert.

Seit 20 Jahren wichtigstes Thema

Durch den Krieg sei also klarer geworden, dass die Gesellschaft noch schneller auf erneuerbare Energien umsteigen müssen. Das ist der Schwerpunkt von „Zeitenwende“. „Mein Thema ist schon seit 20 Jahren die Umweltproblematik, schon vor dem Studium“, erklärt der in Nimi in der Präfektur Okayama geborene Künstler. Den Fokus bei der Präsentation seiner 15 großformatigen Ölgemälde und acht Pastelle habe er auf den Zusammenhang zwischen dem Ukraine-Krieg und der Bedrohung der Umwelt gelegt.

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Das Hauptbild mit Maßen von drei auf zwei Meter hat er „Blaues Feuer“ genannt – die Farbe, in der Gas brennt. Er hat es erst vor einem Monat gemalt, gezielt für die Ausstellung in Hockenheim. „Das riecht man teilweise noch“, schmunzelt Kunstvereinsvorsitzende Birgit Rechlin. „Ich wollte unbedingt malend gegen diesen Krieg etwas tun, aber dabei auch einen Zusammenhang zu meinem Thema Umweltproblematik herstellen“, beschreibt Kato.

Er zeige in seinen Bildern keine Lösung, sondern stelle den Konflikt dar, unterstreicht der Wahl-Berliner: „Ich versuche, Orientierung zu geben, aber die Lösung muss jeder für sich selbst finden.“ Er hofft, dass diese Auseinandersetzung klar macht, was wirklich wichtig ist. Natürlich gehe es nicht nur um Inhalte: „Die Werke müssen auch als Kunst interessant sein und Anziehungskraft auf den Betrachter entwickeln.“

Das tun sie unter anderem durch kräftige Farben und plakative Elemente. Trotz seiner ernsten Themen betrachtet Ryo Kato, der schon in frühester Kindheit vom Zeichnen besessen war und aus einer kunstsinnigen Familie stammt – seine Mutter war Schmuckdesignerin, sein Vater Töpfer – die Dinge von ihrer positiven Seite.

Erst auf dem Weg zum Go-Profi

Wenn es nach seinem Vater gegangen wäre, hätte Ryo Kato nicht eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen, sondern wäre professioneller Go-Spieler geworden. Go gilt als das komplexeste aller Strategiespiele, stammt ursprünglich aus dem antiken China und ist in Japan so beliebt, dass man als Profi davon gut leben kann. Kato wurde als Neunjähriger in die Obhut eines Go-Lehrers nach Tokio gegeben, der vier weitere Schüler täglich in seinem Haus unterrichtete – und dafür erwartete, dass seine Zöglinge auch den Haushalt für ihn führen – „das war in einem Zen-Kloster“, blickt der Künstler auf einer entbehrungs-, aber auch lehrreiche Zeit zurück, die ihn selbstständig gemacht habe.

Ein erfolgreicher Go-Profi wäre er wohl kaum geworden, blickt Ryo Kato lächelnd zurück. Stattdessen wurde er ein erfolgreicher Kunstschaffender, nachdem er mit 15 Jahren zurückkehrte zu seiner Familie, eine Ausbildung im Zeichnen und Malen begann, um mit 20 nach Europa zu wechseln. Nach kurzer Zeit in Paris merkte der Japaner, dass ihn die deutsche Kunstszene stärker anspricht – seither ist Berlin sein Lebensmittelpunkt.

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Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer

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