Kolpingswerk

Kurpfälzer Sozialtage in Hockenheim: „Notfalls muss der Staat eingreifen“

Die Bundesvorsitzende des Kolpingwerks Ursula Groden-Kranich mahnt, sich auf die bewährte Sozial- und Tarifpartnerschaft zu besinnen. Ihr Vortrag handelte davon, solidarisches Leben gemeinsam zu gestalten.

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zg
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KAB-Diözesansekretär Ulf Bergemann, Kolping-Ortsvorsitzende Stefanie Simons, Ursula Groden-Kranich und der Moderator Uwe Terhorst freuen ich gemeinsam über eine gelungene Veranstaltung. © Helmut Roos

Zu einer gemeinsamen Veranstaltung der Kolpingfamilie Hockenheim mit den Veranstaltern der „10.² Kurpfälzer Sozialtage“ fand mit der Bundesvorsitzenden des Kolpingwerkes in Hockenheim statt. Die in Mainz lebende Ursula Groden-Kranich ist seit 2018 Vorsitzende des Kolpingwerkes, eines der größten katholischen Sozialverbände in Deutschland. Von 2013 bis 2021 war Groden-Kranich direkt gewählte Abgeordnete des Deutschen Bundestages, seit 1999 ist sie ununterbrochen Mitglied des Stadtrates der Rheinland-Pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.

Das in Köln ansässige Kolpingwerk Deutschland hat bundesweit mehr als 230 000 Mitglieder. Katholische und evangelische Christen engagieren sich im Rahmen des Verbandes in Gesellschaft, Politik und Kirche. Schwerpunkte des Engagements sind die Arbeit für junge Menschen, Arbeitswelt, für Familie und die „Eine Welt“. Benannt ist der Zusammenschluss nach dem in Kerpen geborenen Schuhmachergesellen und späteren Geistlichen Adolph Kolping (1813-1865).

Die Referentin sprach zum Thema: „Solidarisches Leben gemeinsam gestalten – Das Erfolgsmodell der Sozialpartnerschaft unter Druck?“ Das Kolpingwerk setzte sich als katholischer Sozialverband und anerkannte Arbeitnehmerorganisation für die Stärkung der sozialen und wirtschaftlichen Selbstverwaltung ein. Diese Partnerschaft gibt es in der betrieblichen Mitbestimmung, aber auch in der Sozialen Selbstverwaltung der Sozialversicherungsträger. Die paritätischen Sozialpartnerschaften sind Erfolgsmodelle – hier wird das Subsidiaritätsprinzip der Christlichen Gesellschaftslehre schließlich konsequent umgesetzt.

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Doch der Gestaltungsspielraum der Selbstverwaltung wird – unter anderem durch staatliche Eingriffe – immer weiter eingeschränkt. Lange habe man bei der Tarifpartnerschaft von einer „Konfliktpartnerschaft“ gesprochen, denn es wurde schon immer hart für die jeweiligen Interessen gerungen. Dies habe aber auch dazu geführt, dass oft ausgewogene Ergebnisse für beide Seiten (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) erzielt werden konnten, sodass eine starke Konfliktpartnerschaft durchaus wünschenswert ist, betonte Groden-Kranich.

An Arbeitgeberverbände gerichtet

In den Leitlinien des Kolpingwerk Deutschlands habe man 2018 dazu aufgerufen, dass „insbesondere die Arbeitgeberverbände sich auf die bewährte Sozial- und Tarifpartnerschaft besinnen. Die Politik sei darüber hinaus gefordert, die Tarifbindung und die Tariftreue auch gesetzlich weiter zu stärken“.

Genau diese Aussage nahm der Moderator des Abends, Uwe Terhorst (Referent für Arbeitnehmerseelsorge), zum Anlass, auf eigene Erfahrungen hinzuweisen. „In Betrieben, in denen es eine gute und starke Belegschaftsvertretung gibt, war und ist die Solidarität immer höher als in Betrieben in denen es mehr auf Einzelkämpfer-Mentalitäten ankomme. Dies heiße nicht, dass es nicht auch Arbeitgeber gibt, die gute oder sehr gute Rahmenbedingungen für ihre Beschäftigten anböten.“

Die Kolping-Bundesvorsitzende Ursula Groden-Kranich unterstrich diese Beobachtung, weshalb ihr Verband bei der Nennung von prekären Arbeitsbedingungen immer wieder auf die Begriffe von Tarifflucht und Leiharbeit hinweise. Dort wo Sozialpartner keine Regelungen treffen würden, müsse notfalls auch der Staat eingreifen.

Langfristig Rahmen verbessern

Allerdings dürfe ein Eingriff, wie die gesetzliche Anhebung des Mindestlohnes nur die absolute Ausnahme sein – aber dies war eben die Folge einer schwachen Tarifbindung. Stattdessen sei der Staat gefordert, mittel- und langfristig die Rahmenbedingung zu verbessern. So zum Beispiel durch eine Tariftreue von öffentlichen Aufträgen oder die Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen. In der weiteren Diskussion ging es auch um Fragestellungen zur Flexibilisierung und Erfassung von Arbeitszeiten, Fachkräftemangel oder zur beruflichen Bildung. Die Hockenheimer Kolping-Vorsitzende Stefanie Simons bedankte sich mit einem Blumenstrauß bei Ursula Groden-Kranich. Es sei eine besondere Ehre, dass sie zu Gast in Hockenheim sei.

In diesem Jahr feiert die Veranstaltungsreihe der „Kurpfälzer Sozialtage“ ein Jubiläum. Zum 10. Mal werden Vorträge und Veranstaltungen in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar zu sozial- und gesellschaftspolitischen Fragestellungen angeboten.

Alle zwei Jahre veranstalten die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) und der Fachbereich Arbeitnehmerseelsorge in der Metropolregion Rhein-Neckar seit dem Jahre 2000 eine 14-tägige Veranstaltungsreihe, bei der verschiedene Fachreferent aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Kirche zu einem gemeinsamen Diskurs zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen eingeladen werden. zg