Zehntscheune

Lebenswerte, engagierte und fortschrittliche Heimat

Wanderausstellung zeigt unterschiedliche und teilweise kaum bekannte Facetten der Metropolregion Rhein-Neckar – bis 9. Januar zu sehen

Von 
vw
Lesedauer: 
Haben Hockenheim auf der Karte der Ausstellung „Stadt, Land, Heimat“ schnell entdeckt: OB Marcus Zeitler, Verbandsdirektor Ralf Schlusche, die Stadträte Bärbel Hesping, Richard Zwick, Gabi Horn und Marina Nottbohm, hinten Donald Pape-Rese. © Lenhardt

Zum Auftakt waren die Tafeln im Stadtmuseum Sinsheim zu sehen. Dann kam Corona und die Bilderwände wurden erstmal eingemottet. Nach Mannheim und Heidelberg ist die Wanderausstellung „Stadt, Land, Heimat – unsere Metropolregion Rhein-Neckar“ nun in Hockenheim zu besuchen. „Fortschrittlich“, „Engagiert“ und „Lebenswert“, heißen die drei Themenbereiche, die derzeit im Raum 3 im Untergeschoss der Zehntscheune präsentiert werden. Ergänzt werden diese Bereiche um einen geschichtlichen Abriss mit dem Titel „Von der Kurpfalz zu Rhein-Neckar“.

Mit der Ausstellung als „Binnenmarketing“ soll die Metropolregion Rhein-Neckar bekannter werden. Sie wolle auf besondere Ausflugsziele aufmerksam machen, meinte Verbandsdirektor Ralph Schlusche am Dienstag bei der Eröffnung. Vom Odenwald am Übergang zu Bayern bis zur Südpfalz an der französischen Grenze seien viele Facetten zu entdecken: „Vor allem viele Dinge, die man vielleicht nicht sofort sieht.“

Stadt und Land verflochten

Das Projekt auf Initiative des Verbands Region Rhein-Neckar in Kooperation mit dem Verein Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar und der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH möchte bewusstmachen, wie differenziert die Beziehungen zwischen städtischen und ländlichen Räumen sind. Schlusche dankte Wirtschaftsförderer Donald Pape-Rese für die Organisation in der Rennstadt und wünschte der Wanderausstellung viele Besucher.

Oberbürgermeister Marcus Zeitler freute sich, die Schau über seine Heimat in der Zehntscheune zu haben. Als „Kind der Kurpfalz“ sei er stolz darauf, vor allem jungen Menschen zeigen zu können, „dass wir viele tolle Sachen direkt vor der Haustüre haben“.

Der Themenbereich „Lebenswert“ beinhaltet eine große Karte der Metropolregion Rhein-Neckar mit Freizeit- und Kultureinrichtungen, Erläuterungen zu den Landschaftsräumen, Weinanbaugebieten, Radrouten und Naturparks. Bei einem Mitmach-Angebot kann jeder Ausstellungsbesucher seinen Lieblingsort mit einem Klebepunkt einzeichnen.

In der Rhein-Neckar-Region sind überdurchschnittlich viele Menschen ehrenamtlich tätig. Nahezu jeder zweite Einwohner engagiert sich in seiner Freizeit in Bereichen wie Sport, Kirche, Umweltschutz und Politik. Ein Ausdruck dieser aktiven Bürgergesellschaft sind die vielen Freizeitaktivitäten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Besucher dürfen auch selbst entscheiden, welcher Ehrenamtstyp sie sind, ob sie als Organisator, Macher, Coach, Experte oder Allrounder ihren Beitrag leisten wollen.

Der Freiwilligentag der am 13. Juli 2006 gegründeten Metropolregion Rhein-Neckar wurde 2008 ins Leben gerufen, um das Ehrenamt zu stärken und die Vielfalt des bürgerschaftlichen Engagements im Dreiländereck von Baden, Hessen und der Pfalz sichtbar zu machen. Unter dem Motto „Wir schaffen was!“ wird der Freiwilligentag alle zwei Jahre am dritten Samstag im September durchgeführt.

Kultur und Natur in reichem Maß

In der Rhein-Neckar-Region stehen über 110 Theater und Kleinkunstbühnen sowie mehr als 230 Museen und Galerien und zahlreiche Festivals für kulturelle Vielfalt. Über 120 Burgen, Dome und Schlösser prägen die geschichtsträchtige Landschaft. Naturliebhaber finden Ruhe und Erholung in den Wäldern von drei Naturparks. Über 2700 Sportvereine bringen die Menschen zwischen Pfälzerwald und Odenwald in Bewegung. Eine vielfältige regionale Küche und eine preisgekrönte Spitzengastronomie machen die Region lebenswert.

Drei Nobelpreise für Medizin gingen bisher hierher: 1922 an Otto F. Meyerhof für seine Forschungen über den Stoffwechsel in Muskeln, 1991 an Bert Sakmann für den Nachweis von Ionenkanälen in Zellmembranen und für die Erforschung der Signalübertragung in und zwischen Zellen und schließlich 2008 an Harald zur Hausen für den Nachweis, dass humane Papillomviren Gebärmutterhalskrebs verursachen.

Geburtsstätte vieler Erfindungen

Und in Mannheim wurden nicht nur das Auto, das Laufrad und das Spagettieis erfunden, vermittelt die Ausstellung jede Menge Neues. Die wenigsten Einwohner der Metropolregion dürften zum Beispiel wissen, dass am 25. September 1881 von Ferdinand Adolf Kehrer in Meckesheim der erste konservative klassische Kaiserschnitt durchgeführt wurde. Diese Methode war bahnbrechend und wird, mit einer Modifikation, noch heute überall angewendet. Hierbei werden Bauchdecke und Gebärmutter quer aufgeschnitten und danach die Gebärmutter mit dem Bauchfellüberzug fest vernäht.

Die Ausstellung „Stadt, Land, Heimat – unsere Metropolregion Rhein-Neckar“ ist bis 9. Januar 2023 zu den üblichen Öffnungszeiten der Stadtbibliothek zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos. vw