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Neuen Roman - Rainer Wedler behandelt in „Die Versuche des Rudolph Anton R.“ viele seiner zentralen Themen / Untrennbar verbunden mit poetischer Sprache

Lottogewinner als Antiheld mit Drang zur Damenwelt

Von 
Elke Barker
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Geld verdienen kann man auf unterschiedliche Weise, muss es aber nicht. Zumindest nicht, wenn man einen Lottogewinn gemacht hat, der einen finanziell absichert. Wie der Protagonist von Rainer Wedlers neuem Roman „Die Versuche des Rudolph Anton R.“, erschienen im Ludwigsburger Pop-Verlag.

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Fragen der Art „Wovon lebt der eigentlich?“ können deshalb kurz und bündig mit „er lebt von Mediterranem und Wein“ abgehandelt werden. Wir haben es also mit einem Antihelden zu tun, der nach Abitur, Studium und Promotion zum Dr. phil sowie einem sich anschließenden Volontariat zwar schriftstellerische Ambitionen entwickelt, es aber letztendlich nicht schafft, Sinnhaftigkeit und Glück in sein Leben zu bringen.

Bleibt sich in seinen Romansujets treu: Rainer Wedler. © Wedler

Rudolph Anton Ringelretz, so sein voller Name, leidet nicht nur unter seinem Nachnamen, sondern am Leben selbst, an dem er nur flaneurhaften Anteil nimmt. Oft weiß er wenig mit sich anzufangen, driftet durch Straßen, Cafés und vor allem von Frau zu Frau. Von der rothaarigen Eva zur schwarzhaarigen Sybille über die Paul Nizon lesende Angelika bis hin Julia, die er bei einer Lesung kennenlernt. Last but not least: Altersliebe Elfi – die vielleicht glücklichste aller Liebschaften.

Sex als Spiel verstanden

Angezogen von schönen Frauen wie vom guten Wein, ist Sex für ihn von zentraler Bedeutung, wird metaphorisch als Spiel verstanden. „Sie zieht ihr T-Shirt über den Kopf, die Haare verwirren sich, ich reiße mein Hemd auf, dass die Knöpfe nur so springen, werfe es ihr über den Kopf, sie schüttelt es weg, ihre Bällchen hüpfen. Nach einer halben Stunde steht es eins zu eins.“

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Das alles ist nicht gänzlich neu. Antihelden kennen wir bereits aus den früheren Romanen von Rainer Wedler und auch die Themen Liebe, Tod, Alter, Sinnsuche und das Reisen, insbesonders die Schiffsreise, die Ringelretz sogar im wahrsten Sinne des Wortes schiffbrüchig werden lässt, tauchen bereits in der Vergangenheit auf.

Neu ist allerdings, wie der Autor alles zusammenfügt, so als wolle er in seinem jüngsten Werk eine Art Panoramablick schaffen, eine Allschau derjenigen Themen, die ihm essentiell erscheinen. Dabei fällt der Inhalt untrennbar zusammen mit einer poetischen Sprache. So ist das Alter, „wie wenn das Meer mit seinen wilden Wellen sich zurückzieht und längst vergessene Steine im hellen Sand ans Licht kommen. Und keiner ist wie der andere.“ Wie wichtig ihm Sprache ist, formuliert Wedler sogar an einer Stelle explizit: „Die Sprache und ich, wir haben einen ewigen Bund geschlossen. Bis dass der Tod euch scheidet.“

Mit vielen Preisen ausgezeichnet

Nicht verwunderlich also, dass der in der Region lebende Autor, der seine Werke regelmäßig in der Stadtbibliothek Hockenheim vorstellt, mehrfach ausgezeichnet wurde. Er erhielt unter anderem den Preis des Rilke-Festivals (Sierre), das Cismar-Stipendium des Landes Schleswig-Holstein und war Stipendiat der Villa Vigoni (Como). Mit „Die Versuche des Rudolph Anton R.“ ist ihm (wieder einmal) ein anspruchsvolles Lesevergnügen gelungen. Einmal begonnen, mag man das Buch nur ungern wieder aus der Hand legen.

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