Kriminalität - Tatverdächtiger muss wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft / Polizei rätselt über Hintergründe und Motiv / Erstes Tötungsdelikt seit 2001 in der Stadt Motiv für Bluttat bleibt weiter unklar

Von 
Bernhard Zinke und Matthias Mühleisen und Vanessa Schwierz
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Gestellte Szene einer Festnahme durch Polizisten: Der 35-Jährige hat selbst die Notfallsanitäter alarmiert und sich der Polizei ergeben. © Dpa

Es war ein stumpfer Gegenstand, mit dem der 35-jährige Sohn am Freitagabend auf seinen 59-jährigen Vater eingeschlagen und ihm so tödliche Verletzungen beigebracht haben soll. Die Polizei ermittelt jetzt wegen Totschlags gegen den Mann aus Hockenheim. Der deutsche Staatsangehörige steht im dringenden Verdacht, seinen Vater nach einem Streit in dessen Wohnung getötet zu haben (wir berichteten).

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Über die Umstände und Motive rätselt die Polizei noch. Der Tatverdächtige habe keinerlei Angaben zur Tat gemacht, berichtet ein Polizeisprecher. Auch über die Tatwaffe haben die Ermittler noch keine gesicherten Erkenntnisse. Der Vorfall ereignete sich nach Polizeiangaben in einem Mehrfamilienhaus. Wo dieses steht, dazu geben die Beamten und die Staatsanwaltschaft keine Auskunft. Es handle sich jedoch nicht um eine Unterkunft für Wohnungslose, erfuhr die Redaktion.

Bislang nicht auffällig

Fakt ist, dass der 35-Jährige der Polizei bislang nicht bekannt und jede Menge Alkohol im Spiel war. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von 2,9 Promille, was auf Erfahrung im Umgang mit Alkohol schließen lässt. Nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen gerieten die beiden Männer etwa gegen 20.40 Uhr in der Wohnung des Vaters in heftigen Streit miteinander.

In dessen Verlauf soll der 35-Jährige seinem Vater die tödlichen Verletzungen im Kopf- und Gesichtsbereich zugefügt haben, dies indessen „auf eine noch nicht bekannte Weise“, wie es im Polizeibericht vom Montag heißt. Es war der Tatverdächtige selbst, der die Notfallsanitäter alarmierte. Er habe keine Angaben gemacht, die Rückschlüsse auf die Hintergründe der Tat und die Ursache des Streits zulassen würden. Die Sanitäter hätten noch Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt, allerdings erfolglos. Gegen 22.50 Uhr sei der Tod des 59-Jährigen festgestellt worden.

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Jetzt ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft nach den Hintergründen. Der 35-Jährige, der in einer eigenen Wohnung lebt, wurde dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser erkannte eine Fluchtgefahr und erließ auf Antrag der Mannheimer Staatsanwaltschaft Haftbefehl. Der Tatverdächtige wurde in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

Erinnerung an Fall vor 19 Jahren

Es ist das erste Tötungsdelikt in Hockenheim seit über 19 Jahren, auch nach Erinnerung von Manfred Krampfert, Leiter des Polizeireviers Hockenheim. Im November 2001 hatte ein junger Hockenheimer seine 18-jährige Mitschülerin aus Mannheim in einem Schrebergarten im Mörsch mit dem Messer getötet. Er wurde im Mai 2002 wegen Totschlags vom Mannheimer Landgericht zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt.

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Verbrechen, bei denen Menschen zu Tode kamen, liegen auch in den Nachbargemeinden der Rennstadt schon lange zurück. In Altlußheim verletzte im April 2007 ein 34 Jahre alter Polizeibeamter seine 29-jährige ehemalige Freundin mit Schüssen tödlich und stellte sich kurz darauf.

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Im Oktober 2003 wurde ein 54 Jahre alter Obdachloser am Waldrand in Neulußheim von Jugendlichen erschlagen. Die Tat erschütterte die Gemeinde und wurde im Jahr darauf in einer Fernsehdokumentation des Westdeutschen Rundfunks (WDR) aufgearbeitet.

Nicht so lange zurück liegt ein Fall, der zum Glück nicht tödlich endete, bei dem aber auch massiv Alkohol im Spiel war. Ein 19-jähriger Neulußheimer attackierte mit knapp zwei Promille Alkohol im Blut seine Eltern mit einem Messer. Die Große Jugendkammer des Landgerichts Mannheim wertete die Tat als versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Einige weitere Gewalttaten in Hockenheim hätten tödlich enden können, etwa die im vergangenen Jahr verhandelte Messerattacke in einer Gaststätte, doch die Opfer konnten gerettet werden.

Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region

Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer

Autor Redakteurin für Print und Online in Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim und Reilingen