Nach mir die Sinflut

Von 
Andreas Wühler
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Mangels Alternativen hat sich die Gesellschaft in Zeiten von Corona zu einer einzigen Frischluftgemeinschaft entwickelt. Sowie die Sonne auch nur andeutungsweise hinter den Wolken hervorlugt, sind die Wege überfüllt mit Menschen, die Erholung und Entspannung im Freien suchen. Und selbst wenn es einmal regnet oder stürmt – der Strom hinaus in Feld und Flur reißt nicht ab. Es hat ja auch etwas Schönes, sich am Wasserlauf im HÖP zu erfreuen, an den Blumen im Gartenschaupark zu schnuppern oder im Wald Bäume zu umarmen. Und für die Kinder ist es allemal toll, wenn sie in der Natur deren Wirken und Gedeihen bewundern können.

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Schade nur, dass es für die meisten Menschen keinen Unterschied zwischen der Natur und einem Papierkorb gibt. Da sich der moderne Zeitgenosse kaum mehr ohne Trinken oder Essen aus dem Haus wagt, hat er in der Regel genügend Verpackungsmüll dabei, um wie einst Hänsel und Gretel seinen Weg zu pflastern. Nur dass es keine Tiere gibt, die sich an den Markierungen erfreuen.

Achtlos wird alles weggeworfen, wo man steht und geht. Mit einer wahren Nach-mir-die-Sinflut-Mentalität wird noch das letzte Fleckchen unberührte Natur zugemüllt: Dreck, die Wegmarkierungen der Neuzeit. Dies gilt für die Grünanlagen in der Stadt ebenso wie für die Wege und Pfade in Feld, Flur und Wald.

Und natürlich gilt – die schönsten Flecken liegen meist abseits der gängigen Wege, da ist froh, wer ein robustes Fahrzeug hat, um möglichst nahe ans Ziel seiner Wünsche zu kommen. Doch auch für Fußgänger oder Radfahrer gilt – möglichst nah ran ans Objekt der Begierde, ohne Rücksicht auf Fauna und Flora, Hauptsache Naturgenuss pur. Man ist ja Steuerzahler und hat damit quasi schon das Billett zum unbeschwerten und folgenlosen Genuss gelöst. Als ob man sich irgendwo von seiner Verantwortung der Natur gegenüber freikaufen könnte.

Redaktion Zuständig für die Verwaltungsgemeinschaf