Rathaus - Modernisierung des Bürgersaals nach gut fünf Monaten abgeschlossen / Spannwand mit Zeitstrahl zur Stadtgeschichte als Krönung / Rund 250 000 Euro Kosten Neueste Technik im Bürgersaal in Hockenheim

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Matthias Mühleisen
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So sehen die Besucher den neuen Bürgersaal: Die Wand hinter dem Verwaltungstisch wird von der gewaltigen LCD-Videowand dominiert, die Leinwand und Beamer ersetzt. © Dorothea Lenhardt

Wo Stadtgeschichte geschrieben wird, soll sich Stadtgeschichte auch manifestieren. Diesen Anspruch an die Modernisierung des Bürgersaals hat das Werk erfüllt. Wenn Oberbürgermeister Marcus Zeitler künftig in die Runde der Gemeinderäte blickt, hat er in deren Rücken die markantesten Daten und Ereignisse der Historie Hockenheims vor Augen. Eine Spannwand präsentiert sie über die gesamte Breite mit großformatigen Bildern von Zehntscheune, Wasserturm und Rathaus entlang eines Zeitstrahls, der sich bei näherer Betrachtung als Strophe des Badnerlieds erweist. Der krönende Abschluss einer Sanierung für rund 250 000 Euro, den Oberbürgermeister Marcus Zeitler am Donnerstag mit bei der Umsetzung Beteiligten vorstellte.

Zwei Kilometer Kabel neu verlegt

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Wie sehr er mit dem Ergebnis zufrieden ist, war dem OB deutlich anzumerken. Das „digitale Herzstück des Rathauses“ sei sein Geld wert, die Technik allein habe rund 190 000 Euro gekostet. Um die Technik auf einen aktuellen Stand zu bringen, seien rund zwei Kilometer Kabel neu verlegt worden, neue Server gewährleisten eine zeitgemäße Übertragungsqualität.

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Für Zeitler ein zentraler Aspekt: „Falls wir aufgrund von Pandemiebedingungen keine Öffentlichkeit mehr zulassen können, weil sonst zu viele Personen im Raum sind, ist es möglich, die gesamten Sitzungen zu streamen, sie auf Youtube oder in die Stadthalle zu übertragen. So gewährleisten wir, dass Sitzungen stattfinden und Beschlüsse gefasst werden können.“ Durch die Ausstattung der Stadträte mit iPads sei sogar denkbar, dass diese von zuhause beraten und abstimmen. Damit sei Stillstand kein Thema mehr. Nur Wahlen sind im digitalen Modus aus rechtlichen Gründen nicht durchführbar.

Anstelle der Leinwand und störanfälligen Beamern dominiert eine imposante LCD-Videowand den Blick in den Saal. 16 jeweils 50 Zoll im Durchmesser große Monitore arbeiten hier zusammen. Der große Vorteil: Bei einem Schaden lassen sie sich einzeln reparieren oder austauschen, und die Anschaffung sei erschwinglicher als die eines einzigen Geräts dieser Größe. Die Vertreter der Verwaltung und die Referenten werden durch drei auf Rollen beweglichen Monitoren auf dem Boden mit Bildmaterial versorgt – und ihr Gesichtsfeld bleibt frei.

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Zwei Kameras an den beiden Stirnseiten des Bürgersaals sind fest installiert. 16 Einstellungen sind programmiert, so dass jeder Bereich des Saals im Bild erfasst und übertragen werden kann. Jedes Mitglied des Gremiums hat sein eigenes Mikrofon sowie Lade- und Anschlussmöglichkeiten für sein iPad im Tisch eingebaut. Dazu kommt ein Saalmikrofon für Bürgerfragen.

Vom Lorscher Codex bis zum HÖP

Dass nicht nur die Technik ausgetauscht, sondern auch die komplette Optik aufgefrischt wurde, sei naheliegend gewesen, war doch die Holzvertäfelung noch original aus den 1960er Jahren und nicht nur in die Jahre gekommen, sondern auch durch einen Wasserschaden vor drei Jahren beeinträchtigt. Das Holzrelief mit der Stadtsilhouette habe sich langsam aufgelöst. Eine Aufarbeitung hätte den Kostenrahmen gesprengt, erläuterte Marcus Zeitler.

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Die Wandgestaltung durch die Bespannung mit einem bedruckten Gewebe, das entlang eines Zeitstrahls die wichtigsten Stationen der Ortsgeschichte dokumentiert und die prägenden Gebäude der Stadt zeigt, geht auf eine Idee der Kommunikationsabteilung mit Christian Stalf und Judith Böseke zurück. Von der ersten urkundlichen Erwähnung im Lorscher Codex 769 bis zur Einweihung des Hochwasserschutz- und Ökologieprojekts 2020 führt der illustrierte Überblick den Betrachter. Rund 16 000 Euro hat der durch die Oftersheimer Firma Ciling erstellte Blickfang gekostet, die Montage durch die Firma ITM dauerte gerade mal zwei Tage, die Holzunterkonstruktion etwas länger, wie Monika Drum von der städtischen Hochbauabteilung berichtet.

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Kostenbewusst ging die Projektgruppe, der auch Viola Settegast (EDV und IT) sowie Natascha Spahn und Carmen Brecht als Leiterinnen des Fachbereichs Organisation, Informations- und Kommunikationstechnik sowie zentraler Service angehörten, mit den Alufenstern um: Sie wurden „nur“ aufgearbeitet, ihr Farbton findet sich in der Spannwand wieder. Die Bestuhlung blieb die alte, nur die Ratstische wurden durch neue, schlichte Modelle ersetzt. „Es sollte funktional sein, aber auch modern aussehen, das haben wir erreicht“, sagt Marcus Zeitler, der davon ausgeht, dass spätestens im März die Ausschusssitzungen wieder im angestammten Saal stattfinden. Der übrigens auf Wunsch des OB seine analoge Uhr behielt.

Info: Mehr Bilder vom neuen Saal: www.schwetzinger-zeitung.de

Stadtgeschichte an der Wand: Die Daten des Zeitstrahls im Bürgersaal

769: Ersterwähnung im Lorscher Codex durch einen gewissen Ratbert als „Ochinheim“. Er übergab sein Hab und Gut als Schenkung an das Kloster Lorsch. Ratbert tauschte seinen Besitz gegen sein Seelenheil „pro remedio animae meae“ ein.

1609: Ältester bekannter Abdruck eines Hockenheimer Ortssiegels. Es belegt den Namen „Hogckna des Dorf“ und zeigt in einem Wappenschild einen liegenden Löwen und zwei gekreuzte Hakenstangen.

1803: Auflösung der Kurpfalz: Hockenheim wird badisch.

1860: Erste Zigarrenfabrik wird gegründet. Der Tabakanbau und die Verarbeitung verhalfen der Gemeinde zu wirtschaftlichem Aufschwung.

1895: Am 22. Juli 1895 wird Hockenheim zur Stadt erhoben.

1910: Errichtung des Wasserturms. Die Einweihung findet am 20. April statt.

1932: Mit dem ersten Motorradrennen wird am 29. Mai der Hockenheimring eröffnet.

1955: Beginn der Entwicklung des Gewerbe- und Industriegebiets Hockenheim Talhaus.

1970: Unterzeichnung der „Jumelage de Hockenheim et de Commercy“ am 18. April.

1990: Beginn der Städtepartnerschaft mit Hohenstein-Ernstthal mit der Unterzeichnung der Urkunde am 3. Oktober.

2001: Hockenheim wird zum 1. Januar Große Kreisstadt.

2002: Die Städtepartnerschaft zwischen Mooresville & Hockenheim wurde am 7. Juni besiegelt.

2020: Einweihung des Hochwasserschutz- und Ökologieprojekts im Herzen der Stadt am 31. Januar.

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Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer