Stadthalle - „Die Schöne und das Biest“ im Gewand der 1980er-Jahre / Liberi-Theater spielt Disney-Klassiker auf eigene Weise Nur die Liebe bricht den Fluch

Von 
Matthias H. Werner
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Schauspielerin Elisabeth Kirch als Belle (r.) und Vladislav Weis als das Biest tanzen nach dem Dinner miteinander. © Lenhardt

Fast dreißig Jahre ist der weltweite Erfolg des Walt-Disney-Klassikers „Die Schöne und das Biest“ her – der damalige Streifen, der 30. abendfüllende Zeichentrickfilm aus der US-amerikanischen Unterhaltungsschmiede, wurde mit mehreren Grammys und Golden Globes ausgezeichnet und erhielt für die beste Filmmusik und den besten Filmsong zwei Oscars.

Hockenheim Hockenheim: Die Schöne und das Biest gastieren in der Stadthalle

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An den Erfolg knüpften zwei Jahre später ein Disney-Musical und vor drei Jahren ein hochkarätig besetzter Ensemblefilm an. Dass die Geschichte, die auf einem französischen Volksmärchen basiert, das bereits im 18. Jahrhundert erfolgreich war, noch immer fesselt, zeigt die unendlich lange Liste an Produktionen, die sich mit dem Stoff beschäftigen. Eine davon gastierte am vergangenen Wochenende in der Stadthalle und lockte hunderte Kinder in die „gute Stube“ der Rennstadt.

Glitzer trifft auf Ballkleid

Das Bochumer „Liberi-Theater“, das sich auf Kinder und dabei auf die Umsetzung großer und bekannter Klassiker wie dem „Dschungelbuch“, „Pinocchio“, „Tarzan“ oder „Schneewittchen“ spezialisiert hat, präsentierte eine moderne, lebhafte und bisweilen auch etwas eigenwillige Variante des grundromantischen Märchens von der Verwandlung durch Liebe.

Die musikalische Interpretation von Christoph Kloppenburg und Hans Christian Becker, die bei einem Musical naturgegeben im Zentrum steht, gelang dabei punktuell sehr gut, phasenweise erstickte der Versuch, eine zeit- und kindgemäße Ausgabe der Geschichte zu präsentieren, aber auch die hochemotionalen Aspekte der Handlung – wenn die in Gegenstände verwandelten Schlossbewohner ein ausgelassenes „Lach doch einfach mit“ schmettern, sich aber letztlich im Gesagten verfangen. Oder bei „Wir sind ein Stern“, dessen musikalischer Duktus nun doch zu dick aufgetragen wirkt und im Umfeld letztlich auch ein Fremdkörper bleibt. Äußerst gelungen dagegen die Tanzszene mit „Ob du es wagst“, das nicht an den einstigen Menken-Welthit heranreicht, in dem aber Gefühl und Dramaturgie hervorragend zusammenfließen.

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Die Choreographie des Abends wirkt ein wenig fahrig und sowohl die Kostüme als auch das Bühnenbild scheitern im Versuch, das so traditionelle Stück in ein modernes Gewand zu stecken: Glitzernde Elemente treffen auf das wunderschöne Ballkleid oder das klassisch umgesetzte Biest und erwecken den Eindruck, als hätte man die Protagonisten in die Kulisse einer 1980er-Jahre Aerobicshow versetzt.

Das kann selbst die sowohl schauspielerisch als auch gesanglich talentierte Elisabeth Kirch, die in der Rolle der Belle förmlich glänzt, nicht wettmachen. Die mittzwanzigjährige Sopranistin aus Hamburg überzeugt mit einer natürlichen und dabei hochästhetisch geformten Stimme, die den Zauber der „Schönen“ perfekt interpretiert, überzeugend und unmittelbar berührend; ihre Darstellung steht dem in nichts nach und ist von einer spritzigen Natürlichkeit und Freude geprägt. Deutlich schwächer Vladislav Weis, der als „Biest“ das Schwanken zwischen Anziehung und gebändigtem Charakter nur schwer umzusetzen vermag. Gesanglich fällt er in seinem Solo „Für immer allein“ ab. Bemerkenswert gut dagegen vor allem die weiblichen Schlossbewohner, die auch Belles Schwestern mit einer humorvollen Hysterie spielen: Martina Pallinger und Alicia Wagner sind wundervoll in ihren Rollen und gesanglich sehr überzeugend. Nach rund zwei Stunden verabschiedete fröhlicher Kinderapplaus das Ensemble, das sich in einem harten Wettbewerb mit einem Weltklassiker leidlich geschlagen hat, dessen Belle man aber sicher lange in Erinnerung behalten wird.

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Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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Freie Autorenschaft Seit Mitte der 1990er Jahre als freier Journalist vorrangig für die Region Hockenheim/Schwetzingen tätig - Fachbereich: Kultur.