Kommentar Ohne Fasnacht fehlt etwas

Franz Anton Bankuti summt Narrhallamarsch auf seiner Couch

Von 
Franz Anton Bankuti
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Schunkeln? Nein danke, leider nicht in dieser Saison. Schunkeln mit 1,50 Meter Abstand? Das ist so, wie wenn man einer Frau im stockdunklen Raum zuzwinkert. Oder so ähnlich. Schunkeln fehlt manchem. Zum Beispiel auch Politikern und solchen, die es werden wollen. Das war doch volksnaher Wahlkampf pur, wenn man bei Prunksitzungen in vorderster Reihe schunkeln konnte. Und ganz ehrlich, eine FFP2-Maske vor dem Mund ist nicht halb so lustig wie eine knallrote Pappnase. Ob beide beim Tragen gleich lästig sind, soll hier nicht näher untersucht werden.

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Zugegeben, ohne Fasnacht fehlt etwas. So oder so. Entweder selbst närrisch sein oder kopfschüttelnd: Guck mal, die Fasnachter . . .. Egal zu welcher Gruppe man gehört, Fasnacht gehört zum Jahreslauf. Lesen wir doch schon bei Goethe: „Ohne Fasnachtstanz und Mummenspiel, ist im Februar auch nicht viel“. Goethe scheint wohl den „Narren“ sehr zugetan gewesen zu sein, an anderer Stelle lesen wir: „Wenn keine Narren auf der Welt wären, was wäre dann die Welt?“. Natürlich wissen wir nicht genau, wie er das gemeint hat, Aber selbst der Philosoph Arthur Schopenhauer hat sich wohl so seine Gedanken gemacht: „Ist doch unsere zivilisierte Welt nur eine große Maskerade“. Egal wie, unsere Corona-Pandemie konnten sie nicht kennen und die hat schließlich unsere „gute alte Fassenacht“ fast auf Null runterreduziert. Der geradezu klassische Fasnachtszug durch Hockenheim seit etwa sechs Jahrzehnten: nix. Dabei sind wir Kurpfälzer doch so gerne mitten im närrischen Geschehen. Fasnachtliche Brauchtumsforscher haben die Kurpfalz eh schon als eine Art deutschen „Narrenäquator“ bezeichnet. Rheinische Fanfarenzüge und alemannische Guggemusik gehören hier ebenso dazu wie Saalfasnacht und Straßenkarneval, Narrenkappenträger und Fasnachtshexen.

Wäre ja alles da, wenn man nur könnte beziehungsweise dürfte. Fasnacht bei uns bedeutet: Man unterhält sich und man lässt sich unterhalten. Und der französische Schriftsteller Jean Cocteau war überzeugt, dass die Gabe, hellauf lachen zu können, „ein vortreffliches Herz bezeuge“. Und ergänzend dazu passt ja auch der Gedanke von Erich Kästner, der den Humor als die „Zauberkugel der Weisheit“ bezeichnete.

Trotz alledem: Corona bremst den Karneval aus. Bleibt nur noch der Gedanke: „Wenn Dich Dein Leben nervt, streu Konfetti drauf.“ Ob das hilft? Vielleicht macht es Spaß, wie den beiden älteren Herren, die sich gegenseitig mit Konfetti bewerfen und dabei lachend feststellen: „Es gibt bestimmt auch Erwachsene in unserem Alter.“ Würde man ihnen sagen: „Werdet doch mal vernünftig“, bekäme man vielleicht als Antwort: „Haben wir schon probiert, bringt auch nix.“Also, man darf sich auch Fasnachtstage (siehe Kalender) nicht vermiesen lassen, im Gegenteil. Jeder summt (mit geschlossenen Lippen) seinen eigenen Narhallamarsch. Auch wenn es dieses Mal zu Hause auf der eigenen Couch ist und nicht auf dem Heimweg von einem Fasnachtsfest wie in früheren Jahren, als man vielleicht im Morgengrauen auch feststellen konnte: Wer schwankt, hat mehr vom Weg. Ahoi.

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