Berufsbild im Wandel - Stefanie Braun ist die leitende Schwimmmeisterin im Aquadrom / Früher hatten die Besucher mehr Respekt / An ihrem Beruf liebt sie die Vielfalt Ohne Security geht es im Bad nicht mehr

Von 
Matthias Mühleisen
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Der Rettungsring ist stets griffbereit: Schwimmmeisterin Stefanie Braun steht am Wellenbecken. Sie selbst musste in ihren 19 Jahren im Aquadrom noch keinen Gast aus dem Wasser holen, doch der Ring fliege hier schon ab und zu, sagt sie. © Lenhardt

Stefanie Braun arbeitet seit fast 20 Jahren im Aquadrom, die meiste Zeit davon als Schwimmmeisterin, seit 1. August in Leitungsfunktion. Die Antwort auf die Frage, was sich in dieser Zeit am gravierendsten in ihrem Beruf verändert hat, fällt verblüffend aus: „Früher brauchte man keine Security.“

Der Weg zum Schwimmmeister

Voraussetzung für die Erlangung des Titels „Geprüfter Meister für Bäderbetriebe“, so die offizielle Bezeichnung, ist zunächst eine dreijährige Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe.

In Baden-Württemberg ist die gewerbliche Berufsfachschule Heinrich Lanz Schule I in Mannheim die einzige Einrichtung für angehende Fachangestellte dieses Bereiches.

Die Aufgaben bei der Überwachung des gesamten Badebetriebs umfassen Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit im Bad, Gewährleistung der Wasserqualität, die Wartung der Wasseraufbereitungsanlagen, die Ausbildung und Prüfung von Schwimmern und das Halten von Wassergymnastikkursen. Die Stadtwerke bilden jedes Jahr einen Fachangestellten aus. mm

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Der Respekt fehle heutzutage, erklärt sie, warum die Herren in den schwarzen Poloshirts nicht mehr wegzudenken sind: „Am Anfang hat ein strenger Blick genügt, heute muss man diskutieren, die Trillerpfeife einsetzen oder eben die Security rufen.“ In ihren Anfangszeiten sei das nur bei turbulenten Formel-1-Wochenenden vorgekommen, an dem die Rennfans nach einem ganzen Tag in der Sonne ohnehin etwas durcheinander waren, formuliert sie diplomatisch.

So häufig wie dieses Jahr seien die Sicherheitskräfte noch nicht im Einsatz gewesen – in allen Bereichen, berichtet Betriebsleiter Gregor Ries. Dabei geht es nicht nur um die Ahndung von Verstößen gegen die Baderegeln, die die Sicherheit anderer Gäste gefährden. Sondern auch um die Verhinderung von Betrugsdelikten, etwa im Kassenbereich, wo Drehkreuze überstiegen oder über den Notausschalter außer Betrieb gesetzt werden.

Teils problematische Erwartungen

Zuweilen sei die Erwartungshaltung der Badbesucher problematisch, sagt Ries: „Da heißt es dann: Aber mein Kind darf das“ – manche Leute hielten sich nur an ihre eigenen Regeln. Anderen fehle das Verständnis, dass mit dem Eintrittspreis keine Garantien für Serviceleistungen verbunden seien, etwa für die kostenlosen Liegen, Sonnenschirme oder Strandkörbe, die an manchen Tagen um die Mittagszeit nun einmal ausgebucht seien – und sie beschwerten sich. „Aber wir haben auch viele ganz liebe Gäste, die das wertschätzen – nur hört man die nicht so laut“, ergänzt Gregor Ries.

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Mit der Ausbildung zur Fachangestellten für Bäderbetriebe hat Stefanie Braun, damals noch unter ihrem Mädchennamen Stefanie Hagen, ihre Dienstzeit im Aquadrom begonnen. Nach eineinhalb Jahren auf diesem Beruf nutzte sie die Chance, eine Ausbildung zur Saunameisterin anzuschließen, übernahm die Saunaleitung im Freizeitbad.

Nach Umstrukturierungen wechselte die Hockenheimerin, die ihr ganzes bisheriges Berufsleben im Aquadrom verbracht hat, wieder in ihr früheres Gebiet, strebte dann aber auch hier die Meisterprüfung an und wurde von Werkleiterin Martina Schleicher in diesem Bestreben auch unterstützt. Schon ihr Urgroßvater habe bei den Stadtwerken gearbeitet, berichtet sie – im damals noch bestehenden Gaswerk.

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Die Tätigkeit als Fachangestellte für Bäderbetriebe sei sehr vielseitig: „Man hat nicht nur die Aufsicht an den Becken, man ist Seelentröster, Psychologe, Animateur und bei Verletzungen auch ein kleiner Gott in Weiß“. Weil es viele Stammgäste im Bad gibt, die drei Mal pro Woche kommen, erfahre sie vieles aus deren Familienleben, etwa, wenn der Partner krank wird und nicht mehr mitkommen kann. „Das geht einem schon nahe, denn man baut da eine Verbindung auf“, berichtet Braun.

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Die Stadtwerke beschäftigen derzeit Auszubildende zur Fachkraft für Bäderbetriebe in jedem Lehrjahr, die Übernahmechancen stehen sehr gut, da die Stadtwerke dringend auf Fachkräfte angewiesen sind, erklärt Ries, dessen Stellvertretung Stefanie Braun ebenfalls übernommen hat.

Sicherung der Wasserqualität

Wobei nicht nur Azubis gute Aussichten haben: Auch ausgelernte Kräfte werden gerne genommen. Um die Aufsicht zu gewährleisten, können die Stadtwerke auf Rettungsschwimmer mit DLRG-Schein in Silber zurückgreifen, sagt Ries.

Das Tätigkeitsspektrum der Fachangestellten ist vielfältig: In den Katakomben muss vor und nach den Badezeiten die Technik betreut werden. Chemie, Mathematik und etwas Physik sind da gefragt, wenn es um die Sicherung der Wasserqualität geht. Und die Badeaufsicht dürfe nicht mit „Rumstehen und Schauen“ umschrieben werden: „Das ist sehr anstrengend für die Konzentration, die Wasseroberfläche zu beobachten, die immer in Bewegung ist, und zu beurteilen: „Schwimmt der Gast jetzt oder passiert ihm gerade was“, schildert die derzeit einzige Schwimmmeisterin des Aquadrom. Da muss in Sekunden entschieden und reagiert werden.

Anatomieschulungen für Hilfeleistungen und das Erteilen von Schwimmlehrgängen oder Kursen in Wassergymnastik runden die Tätigkeit ab. Was Stefanie Braun neben der Vielfalt so toll an ihrem Beruf findet? „Die Dankbarkeit vieler Gäste, dass es uns so nah für sie gibt.“

Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer