Heimatverein: Viele Besucher bewiesen ihr Interesse an der europäischen Geschichte / Dr. Ralf Wagner konnte Historie lebendig werden lassen Persönliches Schicksal der "Hochzeitspolitik"

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Neulussheim. Die hohe Besucherzahl bei der historischen Veranstaltung zum "Leben von Marie Antoinette" lässt ein großes Interesse an der europäischen Geschichte erkennen. Der Neulußheimer Heimatverein hatte eingeladen und Vorstandsmitglied Dr. Ralf Wagner vermittelte anhand vieler Dia Eindrücke in das Leben der 1755 als 15. Kind von Maria Theresia und Kaiser Franz I. geborenen Maria Antonia Josepha Johanna.

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Aus Liebe heiraten - das war ein Privileg der Kaiserin Maria Theresia. Für ihre Kinder galten strenge Vorschriften: Sie wurden verheiratet nach dem Willen und Gutdünken ihrer Eltern beziehungsweise ihrer Mutter. Das galt auch für ihre jüngste Tochter und spätere Königin von Frankreich an der Seite Ludwig XVI. Im Alter von 14 Jahren wurde sie mit dem 15-jährigen Dauphin Louis-Auguste aus Frankreich vermählt.

Tränen des Kindes

Kaiserin Maria Theresia musste ihr weinendes Kind beim Abschied am 21. April 1770 trösten, und es begann ein imponierender Brautzug in Richtung Frankreich. Am französischen Hof stand sie unter dem Einfluss der drei unverheirateten Töchter von König Ludwig dem XV., die sie für ihre Ränkespiele gegen Madame Dubarry, des Königs Mätresse, benutzten.

Nur langsam wandte sie sich vom Einfluss der "Tanten" ab, begann, die Möglichkeiten ihrer Stellung auszunutzen und besuchte Bälle und die Pariser Oper. Eine ihrer Leidenschaften war das Pharo-Spiel, bei dem sie immer wieder große Summen verspielte. Sie gab monatlich etwa 15 000 Livres aus, während ein Großteil der Franzosen hungerte - ein Normalverdiener hatte einen Tagelohn von zwei Livres.

Langes Warten auf Thronfolger

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Die Thronbesteigung des jungen Königspaares im Mai 1774 wurde vom Volk enthusiastisch und mit großen Feierlichkeiten begrüßt. Marie Antoinette erfüllte während ihrer Ehe lange Zeit nicht ihre dynastische Hauptaufgabe, nämlich die Mutter eines Thronfolgers zu werden. Ihr verschwenderischer Lebensstil brachte sie ebenso in Misskredit. Um ihren Ruf zu schädigen, legte man ihr auf die Vorhaltung, die Armen könnten sich kein Brot kaufen, folgende Aussage in den Mund: "Dann sollen sie Kuchen essen". Dieser Ausspruch stammt jedoch nachweislich nicht von ihr, machte Marie Antoinette aber unpopulär. Lediglich die lang ersehnte Geburt ihres Sohnes Louis Joseph Xavier Francois im Oktober 1781 stärkte ihre Stellung. Insgesamt gebar sie zwei Mädchen und zwei Jungen.

Der Ausbruch der Französischen Revolution im Jahr 1789 stellte einen Wendepunkt im Leben Marie Antoinettes dar. Die Revolutionäre zwangen die königliche Familie, von Versailles nach Paris umzuziehen.

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Im Jahre 1791 versuchte die königliche Familie, ins Ausland zu fliehen, doch wurde der König in Varennes erkannt und verhaftet, und die Familie wurde unter Bewachung nach Paris zurückgebracht. Der König wurde am 21. Januar 1793 hingerichtet. Marie Antoinette wurde am 1. August 1793 in das Conciergerie-Gefängnis überstellt. Man beschuldigte sie des Hochverrats und der Unzucht, und die Geschworenen entschieden auf schuldig.

Von Massengrab in Basilika

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Am 16. Oktober 1793 wurde sie auf dem heutigen Place de la Concorde enthauptet. Marie Antoinette wurde in einem Massengrab verscharrt, nach zwanzig Jahren aber wurde ihr Leichnam exhumiert und in der Basilika Saint-Denis in Paris, der traditionellen Grablege der französischen Könige, an der Seite ihres Gatten beigesetzt. Beeindruckt lauschten die Besucher den Ausführungen von Dr. Ralf Wagner und sparten nicht mit Beifall für die "Geschichts-Nachlese". gj/htz