Benjamin Jungbluth über die Schwierigkeit, Gutes zu tun Pflanzen oder Verzicht üben?

Benjamin Jungbluth über die Schwierigkeit, Gutes zu tun

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Benjamin Jungbluth
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Gutes zu tun ist manchmal gar nicht so einfach. Das merkt man ganz besonders beim Thema Umweltschutz. Denn wer käme schon auf die Idee, dass das Pflanzen von Bäumen keine gute Sache sein könnte? Viele Menschen lieben den Wald, gerade wir Deutschen haben zu ihm eine enge Bindung. Und die heftigen Diskussionen und Widerstände rund um geplante Rodungen im Hardtwald und im Entenpfuhl zeigen, dass viele Menschen ein ausgeprägtes Bewusstsein für den Forst haben. Nicht ohne Grund haben wir Baden-Württemberger gar einen grünen Landesvater, der in knapp drei Wochen große Chancen auf eine Wiederwahl hat.

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Doch die Sache ist eben komplex. Das merkt man an der Kritik von unerwarteter Seite, wenn es um die Baumpflanzungen geht. Dass Landwirte um ihre Ackerflächen und Forstverwaltungen um ihre Holzerträge fürchten – beides völlig berechtigte Anliegen – mag sofort einleuchten. Dass aber auch Umweltverbände und Klimaschützer skeptisch sind, verblüfft zunächst. Doch ihre Argumente sind stichhaltig. Entgegen der landläufigen Meinung sind nicht nur Waldgebiete, sondern auch Wiesen und offene Landschaften ökologisch wichtig. Bestes Beispiel aus der Nachbarschaft: Zwischen Talhaus und Ketsch hat es sich seit Jahren die geschützte Haubenlerche gemütlich gemacht. Das possierliche Vögelchen hat große Bauprojekte verzögert und Ausgleichsflächen erfordert: keinen Wald, sondern Magerwiesen, die es zum Überleben benötigt. Ein Wald würde diesem Tier keinen Lebensraum bieten.

Und beim Klima besteht zumindest die Gefahr, dass Privatpersonen und Unternehmen Abbitte leisten, indem sie Bäume pflanzen – und dann mit ihrem bisherigen Lebensstil und den gewohnten Geschäftspraktiken einfach weitermachen. Wer Umwelt- und Klimaschutz konsequent zu Ende denkt, muss so ein Verhalten ablehnen und stattdessen Verzicht und Reduktion einfordern. Ob das dann noch von genauso vielen Menschen konsequent mitgetragen würde wie das Pflanzen eines Bäumchens? Es ist eben manchmal gar nicht so einfach, wirklich etwas Gutes zu tun.

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Freier Autor Freier Journalist für die Region Heidelberg, Mannheim und Rhein-Neckar. Zuvor Redakteur bei der Schwetzinger Zeitung, davor Volontariat beim Mannheimer Morgen. Neben dem Studium freie Mitarbeit und Praktika u.a. beim Mannheimer Morgen, der Süddeutschen Zeitung, dem SWR und der Heidelberger Studentenzeitung ruprecht.