Reden wir übers Geschäft

Franz Anton Bankuti sinniert über den Welt-Toilettentag der UN

Von 
Franz Anton Bankuti
Lesedauer: 

Man kann ja über alles reden. Da lernt man immer noch dazu – und weiß beispielsweise, was eine „eigenwirtschaftliche Tätigkeit“ ist. Das klingt ganz einfach und ist es im Grunde genommen auch. Der Aufenthalt auf der Toilette etwa ist „eine eigenwirtschaftliche Tätigkeit“.

Ein Gericht musste sich mit dieser nicht ganz unheiklen Angelegenheit beschäftigen. Eine Beamtin hatte sich in der Toilette der Dienststelle an einem weit geöffneten Fenster gestoßen und eine Platzwunde erlitten. Arbeitsunfall? Darüber musste schließlich das Bundesverwaltungsgericht entscheiden und es entschied gegen die Behörde als Arbeitgeber und für die Beamtin.

Beamten stehen, so hieß es im Urteil, bei Unfällen, „die sich innerhalb der vom Dienstherrn beherrschbaren räumlichen Risikobereich ereignen, unter dem Schutz der beamtenrechtlichen Unfallfürsorge“. Dazu verdeutlicht der Urteilsspruch auch, dass dies unabhängig davon gelte, ob die konkrete Tätigkeit, bei der sich der Unfall ereignet, dienstlichen Charakter habe.

Mehr zum Thema

Einzelhandel

Ikea erholt sich von Corona-Dämpfer

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren
Interview

Finanzchefin Dagmar Steinert über ihren Wechsel von Fuchs Petrolub zu Rheinmetall

Veröffentlicht
Von
Alexander Jungert
Mehr erfahren
Interview

Was werden Sie am meisten vermissen, Frau Steinert?

Veröffentlicht
Von
Alexander Jungert
Mehr erfahren

„So ein Scheiß“, mag jetzt vielleicht mancher Leser kopfschüttelnd denken, aber das Bundessozialgericht hat sich schon mit einer Vielzahl solcher Toilettengangfälle außerhalb des Beamtenrechts beschäftigt. Zusammengefasst erfährt man: Für den Arbeitnehmer ist der Weg zur Toilette versichert, der Aufenthalt in der Toilette nicht, dort handelt es sich „um einen nicht versicherten persönlichen Lebensbereich“.

An der Toilettentür endet also der Versicherungsschutz. Aber – leichter Themenwechsel – beim Besuch in der Kantine gibt es eine ganz ähnliche Rechtsprechung: Hingehen ist versichert, dort essen nicht. Der Arbeitnehmer muss also selbst für „unfallfreies Essen“ sorgen. Wie dann später bei der Entsorgung . . .

Man kann natürlich sagen: Was sind das für Sorgen, die manche Leute mit dem Toilettengang haben? Und das stimmt auch. Wir sind seit wenigen Tagen acht Milliarden Menschen auf der Erde, weltweit sind schätzungsweise drei Milliarden Menschen ohne ausreichende Sanitärversorgung. Deshalb haben die Vereinten Nationen den 19. November vor einigen Jahren offiziell zum Welt-Toilettentag ausgerufen.

Auch wenn es für uns unvorstellbar ist, erleichtern sich weltweit vier von zehn Menschen entweder im Freien oder sie suchen einen Ort auf, der ihre Gesundheit massiv gefährdet. Der Welt-Toilettentag soll die Regierungen auf ihre Aufgabe für die Bevölkerung hinweisen. Sie werden aufgefordert, mindestens drei Prozent ihrer Ausgaben für Sanitär- und Wasserversorgung zu verwenden. Darüber hinaus muss ein Bewusstsein für die Grundlagen der Hygiene und damit der Gesundheit geschaffen werden.

Da merken wir erst, wie kleinlich unser Zoff über Ärgernisse beim Toilettenbesuch ist.

Freier Autor