Landtagswahl - SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil zeigt bei Besuch im Wahlkreisbüro des Landtagsabgeordneten Daniel Born Zuversicht Rot zurück in Regierung bringen

Von 
Matthias Mühleisen
Lesedauer: 
Bereit zum Eintrag ins „Gästebuch“ an der Wand: SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil (r.) besucht Landtagsabgeordneten Daniel Born in dessen Wahlkreisbüro © Lenhardt

Sowas hört SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil gerne: „Wir hatten eine Weile Rot-Verbot, aber das ist jetzt aufgehoben.“ Das Gästebuch im Wahlkreisbüro des Landtagsabgeordneten Daniel Born hängt an der Wand: zwei große weiße Tafeln voller Handabdrücke seiner Besucher, darunter auch die der Vorsitzenden Saskia Esken (damals noch als Bundestagsabgeordnete). Aus ästhetischen Gründen sorgen blaue, gelbe und grüne Hände für Kontraste, doch im Superwahljahr ist dem Generalsekretär doch sehr am klassischen SPD-Rot gelegen.

AdUnit urban-intext1

Der seit Dezember 2017 amtierende Generalsekretär und Bundestagsabgeordnete aus Munster ist dieser Tage viel unterwegs: Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, Kommunalwahlkampf in Hessen – und all das unter Corona-Konditionen. „Eine Herausforderung auf Abstand und mit Maske – es fehlt so sehr, mit den Leuten in Kontakt zu sein.“

Dem kann Daniel Born nur zustimmen, auch wenn er und die Mitarbeiter seines Büros festgestellt haben, dass sie mit dem passenden Thema in einer Online-Konferenz zuweilen mehr Teilnehmer verzeichnen als sie von Präsenzveranstaltungen gewohnt sind. Und zwei Termine in Freiburg und Ketsch binnen 120 Minuten sind auch nur im virtuellen Raum zu schaffen. Mit Klingbeil ist er sich aber einig: „Als Politiker leben wir auch von Nähe, von den unmittelbar spürbaren Reaktionen, und das ist komplett weg.“

Die richtigen Themen ausgewählt

Viel Platz ist nicht fürs Auflegen der von Büroleiter Daniel Hamers sorgsam rot eingepinselten Klingbeilschen Hand. Die Anschaffung einer weiteren Tafel macht Daniel Born aber von der erfolgreichen Verteidigung seines Mandats abhängig. Der Generalsekretär, der nach eigenen Angaben jede Woche mit einem Telefonat mit Sascha Binder eröffnet, dem Generalsekretär der baden-württembergischen SPD, sieht dafür gute Chancen: „Ich habe einen wahnsinnig guten Eindruck von dem Wahlkampf hier.“ Zwar sei die Partei in den Umfragen nicht da, wo sie sein wolle, aber Spitzenkandidat Andreas Stoch adressiere die richtigen Themen mit Bildung, Ausbildung, Zukunft der Automobilbranche, aber auch der Innenstädte.

AdUnit urban-intext2

Die Spitzenkandidatin der Union schaffe es dagegen „gefühlt, kein Fettnäpfchen auszulassen“, sagte Klingbeil, der am Freitag auch in Mannheim und Karlsruhe Station machte. Sein Fazit: „Da ist richtig Musik drin, und ich glaube, am Ende wird es dazu führen, dass die SPD eine Regierungsbeteiligung schafft und die Union ablöst.“

Lars Klingbeil will bei seinen Treffen nicht nur die Stimmung bei den Genossen ausloten, sondern auch Ideen für den Wahlkampf auf Bundesebene sammeln, der ebenfalls stark von Corona geprägt sein werde – formal und inhaltlich. „Wir werden auch im September keine Massenveranstaltung haben.“ Gute digitale Formate sind dabei ebenso gefragt wie der kontaktlose Infostand Daniel Borns, der permanent als Spender von Infomaterial den Standort wechselt. „Der wird in einem meiner nächsten Newsletter auftauchen.“

Postkarte und Flyer sind zurück

AdUnit urban-intext3

Gut gefallen habe ihm auch die Idee eines Ortsvereins, der wieder Postkarten schreibe an wichtige Multiplikatoren: „Es gibt eine Renaissance von Dingen, die in der ganzen medialen, schnellen Social-Media-Welt in Vergessenheit geraten sind, über die sich die Menschen aber in dieser Zeit freuen.“ Da ist Daniel Born ganz bei ihm: Flyer sind auf einmal wieder sehr wichtig, werden täglich von Helfern im Büro abgeholt.

AdUnit urban-intext4

Auf keinen Fall dürfe sich die Politik selbst bedauern, sind sich beide einig. Und registrieren, wie sehr die Menschen auch per Whatsapp oder E-Mail ihre Sorgen mitteilen wollen. Klingbeil, der seit 2009 im Bundestag sitzt, sagt, so viele Menschen wie nie zuvor wenden sich mit unterschiedlichsten Anliegen an ihn. „Wir sind als Abgeordnete auch eine Anlaufstelle für die Hoffnung, dass die Dinge besser werden.“ Das wollen beide als Verpflichtung annehmen.

Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer