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Geschichtsbetrachtung

Schulmeister Hartmann Baumann bleibt in Hockenheim präsent

An den ersten Lehrer Hartmann Baumann erinnert eine moderne Schule, bei der nun nach dreijähriger Bauzeit "alles neu" ist. Aber der Name ist geblieben.

Von 
Franz Anton Bankuti
Lesedauer: 

Hockenheim. Die Ferienzeit ist zu Ende. Alle gehen wieder in die Schule. Wahrscheinlich stimmt der alte Spruch nichtmehr: „Lehrer haben morgens recht und mittags frei“ – schließlich leben wir in einer Zeit des Ganztagsunterricht.

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Nach den Ferien hat sich in den Schulen zumeist einiges geändert. Besonders staunte man in der Hartmann-Baumann-Schule, nach dreijähriger Bauzeit ist „alles neu“. Moment, nicht alles: Der Name ist natürlich geblieben: Hartmann-Baumann-Schule. Und so hieß schließlich auch schon die damalige Volksschule am Anfang der Hirschstraße. Und wer war Hartmann Baumann? Vereinfacht ausgedrückt: der erste Lehrer in Hockenheim.

Vergangenheit: die alte Hartmann-Bau-mann-Schule (im Hintergrund). © Stadt

Es ist sicherlich schon eine Hockenheimer Besonderheit, dass der Name des ersten Lehrers bekannt ist. Bereits kurz vor dem Jahr 1600 soll er in seiner Heimatgemeinde Hockenheim Kinder unterrichtet haben. Eine Schule gab es zu jener Zeit noch nicht, aber so kamen die Schülerinnen und Schüler nach Hause in die „gute Stube“ zu Hartmann Baumann.

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Zuerst ist es in jener Zeit wohl um das Lesen des Katechismus gegangen, aber auch das Schreiben sollte in den Wintermonaten erlernt werden. Im Sommer gab es keinen Unterricht – da wurden auch die Kinder bei der Feldarbeit gebraucht.

Verständlicherweise ist von der „Pädagogik“ jener Zeit recht wenig bekannt. Interessanterweise fand man aber in alten Aufzeichnungen „Verdienstbescheinigungen“ von Hartmann Baumann. Also von der Kollekte Mannheim, der Gemeinde Hockenheim und dem Hochstift Speyer bekam er insgesamt 88 Gulden, dazu von den Schulkindern jeweils 15 Kreuzer. Wie wohl damals üblich, kamen noch Naturalien hinzu in Form von Getreide und für seinen Glöcknerdienst durfte Baumann die Allmendwiesen nutzen. Mit Informationen über weitere Einnahmen aus den „kleinen und großen Zehnten von 40 Morgen“ können wir ehrlicherweise heute nichts mehr anfangen, ebenso wenig wie mit „den Blutzehnten von einem bewohnten Hubplatz“. Dass Hartmann Baumann sein Vieh auf der Gemeindewiese ohne Entgelt weiden lassen konnte, ist schon wieder eher nachvollziehbar.

Die Geschichte der Schulen war in den nächsten Jahrzehnten stets religiös geprägt und entsprechend wechselhaft. Ernst Brauch hat diese wechselhafte Geschichte in seinen Hockenheimer Heimatbüchern ausführlich beschrieben. Friedlich ging es nicht immer zu, in den Jahren nach 1700 gab es einen katholischen und einen reformierten Schulmeister, die sich spinnefeind waren und gar gegenseitig die Fenster einwarfen.

Aber das war ja viele Jahrzehnte nach Hartmann Baumanns Zeit, von dem man persönlich so gut wie nichts weiß. Nicht einmal, wie er aussah. Aber wohl gab es damals in Hockenheim keinen „Dorfmaler“, der den Schulmeister auf einer Leinwand porträtiert hätte. Und in Sachen „Fotografie“ mussten die Kinder wohl noch sehr viel lernen, damit dann irgendwann das Fotografieren erfunden werden konnte.

Die erste Hartmann-Baumann-Schule, ein reiner schmuckloser Zweckbau, wurde in der Hirschstraße im Jahr 1880 erbaut, im immer größer werdenden Hockenheim wurde eine Schule auf dem Eckgrundstück Heidelberger Straße/Parkstraße erbaut (heutiges Gebäude der Volkshochschule) und 1911 schließlich die Pestalozzi-Schule.

Viele ältere Hockenheimerinnen und Hockenheimer werden sich noch an die Uhlandschule erinnern an der Ecke der Heidelberger Straße und der Hirschstraße. Dies war ein stattlicher Sandsteinbau, den man in unserer Zeit heute „hegen und pflegen“ und in einen Gesamtkomplex integrieren würde, vor fünf Jahrzehnten musste aber „alles Alte weg“.

Dabei muss aber auch gesagt werden, dass dies nicht typisch nur für Hockenheim, sondern für die Zeit war, heute mitunter schwer nachvollziehbar. Auch der populäre Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett konnte, wie in historischen Abhandlungen der Landeshauptstadt zu lesen ist, oft nur schwer davon abgehalten werden, kulturpolitisch wichtige Bauten zu erhalten und nicht durch moderne Zweckbauten zu ersetzen.

Jedenfalls, der Name Hartmann Baumann ist geblieben, ein interessantes Stück Hockenheimer Schulkulturgeschichte, mit einem Schulhaus, das in neuem funktionalen Glanz einen traditionsreichen Namen weiterführt. Also kann das Schulleben wieder richtig in Schwung kommen, mit Auswirkungen für uns alle, beispielsweise auch einer verstärkten Aufmerksamkeit im Verkehr, wie wir es ja auf Bannern und Plakaten zusätzlich wiederlesen. Ob sich wieder mal ein Plakat findet, bei dem der Aufruf: „Überfahren Sie keine Kinder“ mit der etwas krakeligen Schrift „Warten Sie, bis ein Lehrer kommt . . “ ergänzt wird, ist allein schon ob des Lehrermangels kaum zu erwarten.

Freier Autor

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