Offene Ateliertage - Nina Kruser und Gisela Späth geben Interessierten Einblicke in ihre Arbeit / Entstehen von Bildern und Kunstwerken miterleben Spuren und nicht nur Staub hinterlassen

Von 
Franz Anton Bankuti
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Nina Kruser (l.) gibt den Besuchern einen Einblick in ihr Atelier. Mit verschiedenen Farben und Techniken entsteht so ein Kunstwerk, dem Lebendigkeit verliehen wird – fasziniert schauen die Gäste der Künstlerin bei ihrer Arbeit zu. © Lenhardt

„Wenn man ein Kunstwerk genau anschaut, schaut es zurück....“, dieser Gedanke des Bildhauers Professor Siegfried Erdmann macht auf anschauliche Art und Weise deutlich, wie wichtig die intensive Beschäftigung mit einem Kunstwerk ist. Das wissen die Künstler selbst und so war es eine optimale Realisierung der Idee, Kunst und Betrachter, aber auch Künstler zusammenzubringen. Dazu hatten die beiden bekannten Hockenheimer Künstlerinnen Nina Kruser und Gisela Späth am Wochenende zu zwei offenen Ateliertagen eingeladen.

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„OffenSichtlich – verborgen“, so lautete der etwas geheimnisvolle Titel der Ausstellung in den jeweiligen Ateliers der Künstlerinnen in der Karlsruher Straße 40 (Späth) und im Gustav-Stresemann-Weg 34 (Kruser). Das Resümee der beiden Künstlerinnen am Sonntagnachmittag fiel einstimmig positiv aus. Beide teilten strahlend mit, dass sie sich über das Interesse an ihren Werken, an der künstlerischen Arbeit überhaupt, sehr freuen.

Viele kamen, weil sie die beiden Künstlerinnen kennen und schätzen, viele kamen aber auch, weil sie Gisela Späth und Nina Kruser und vor allem deren Werke erst einmal kennenlernen wollten. Solche offenen Ateliertage bieten eine gute Möglichkeit, ungezwungen die Arbeiten der Künstlerinnen, aber auch ihre Arbeitsweisen, ihre Stile, ihre Ideen kennenzulernen. Das sprichwörtliche „Über-die-Schulter-schauen“ ist es, das für viele Besucher attraktiv war, dazu natürlich das Gespräch mit den beiden Frauen, das oft neues Verständnis für die Künstlerinnen und ihre Werke wecken und das Betrachten, Erleben und Verstehen des Werkes vertiefen kann. Die Individualität der Kunstwerke von Späth und Kruser macht solche Ateliertage spannend. Zu Gast sein im offenen Atelier, das ist weit mehr als nur einige Bilder bei einer Ausstellung oder in einer Galerie zu sehen. In einem Atelier kann man das Entstehen von Bildern und Kunstwerken miterleben, Entwicklungen nachvollziehen, sich zu eigenen Gedankenwelten anregen lassen.

Eigene und neue Wege gehen

Gisela Späth und Nina Kruser, verschiedene Generationen, verschiedene Persönlichkeiten, beide haben sich vorgenommen und auch realisiert, eigene und neue Wege zu gehen. Nur so hinterlässt man Spuren, und nicht nur Staub. Die Namen der beiden Frauen sind in der Stadt längst ein Begriff in Zusammenhang mit künstlerischer Arbeit und ebensolchem Engagement. Gisela Späth malt und töpfert seit vier Jahrzehnten in Hockenheim, gründete und prägt den Kunstverein. Seit fast 15 Jahre lebt und arbeitet die aus Russland stammende Nina Kruser in Hockenheim, ist im Kunstverein aktiv und begeistert Kinder, Jugendliche und Erwachsene in ihren Kursen für das Malen.

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Gisela Späth spricht in ihrem Atelier von immer neuen Inspirationen, wobei die Natur eine wichtige Rolle spielt, deshalb werden auch immer wieder – sorgsam und sorgfältig – Naturmaterialien mit eingearbeitet. Späth arbeitet mit Gouache-Farben, lässt ihren Ideen und Gedanken auf der Leinwand freien Lauf, so dass ein Kunstwerk sein Eigenleben entwickeln kann. Schicht für Schicht entfaltet das Bild mehr Wirkung, die allerdings sich auch als optische Zurückhaltung offenbaren kann. Diese eigene Technik mit bis zu 20 Schichten prägen den ureigenen Stil der Künstlerin. Das ist mehr als Malen, das ist auch eine Auseinandersetzung mit dem Material. Wenn etwa ein Blatt Papier in einzelne Stücke gerissen und dann wieder kunstvoll auf der Leinwand zusammengefügt und bearbeitet wird, ist es zwar auch wieder ein Stück Papier, aber es hat sich optisch gewandelt, ist zu einem sichtbaren Erlebnis geworden.

Nina Kruser liebt es, „an die Grenzen zu gehen“, zu prüfen, was Material und Technik möglich machen. Kruser macht etwa deutlich, dass Ölfarben und Acrylfarben eben doch zu einer künstlerischen Einheit gebracht werden können. Sie hat beispielsweise für ihre Arbeiten neben den herkömmlichen Rechtecken auch die Kreisform entdeckt. Große und noch größere Kreisgebilde aus Holz. Und die Leinwand? Sie breitet sich in zahllosen verschiedenen breiten Streifen und natürlichen Farben aus, verleiht dem Gesamtkunstwerk eine Lebendigkeit, die den Blick fasziniert, gleichzeitig neugierig und nachdenklich macht, Enge ebenso zeigt wie Freizügigkeit. Dazu passt der Name, den sie diesen Werken gibt: „Davor und dahinter.“

Bild entwickelt eigenes Leben

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Ein bisschen ist dies auch der Grundtenor der Ateliertage bei den beiden Künstlerinnen. Die Gäste standen „davor“, also vor den Werken, beschäftigten sich mit ihnen, informierten sich über sie und blickten dann auch „dahinter“, weil sie das Werk jetzt näher kannten und sich auf ihre ganz persönlich Weise damit gedanklich beschäftigen und „weiterdenken“ konnten. Damit entwickelt das Bild in den Köpfen ein „eigenes Leben“.

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Die Vorführung machte die Natürlichkeit des Entstehens eines Kunstwerkes deutlich. „Keine Angst vor einer weißen Leinwand“ hieß es und die Kinder konnten selbst ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Sie begannen zunächst, begeistert mit Stiften zu malen. Später wurden andere Materialien hinzugefügt, so etwa Marmormehl und Gipsschaftputz. Für optische Lebendigkeit sorgten selbst gemischte Farbpigmente, Mohnöl und verdünnte Tusche rundeten das Bildwerk ab, das jetzt zum Erscheinungszeitpunkt dieser Zeitung wohl getrocknet sein dürfte.