Evangelische Stadtkirche

Synode des Kirchenbezirks Südliche Kurpfalz präsentiert sich in Hockenheim vielfältig

Die Synode übt bei ihrer Tagung die Vernetzung mit Gebeten in Sprachen von Ungarisch bis Aramäisch - und das schon beim Gottesdienst zu Beginn.

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Pressemitteilung der Synode
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Zahlreiche Zuhörer verfolgen die Podiumsrunde bei der Synode in der evangelischen Stadtkirche. © Alex Wolf

Arabisch, rumänisch, ungarisch und aramäisch – nicht nur der Gottesdienst zum Beginn der Synode des Kirchenbezirks Südliche Kurpfalz ist vielsprachig. Gäste aus Gemeinden anderer Sprache und Herkunft, die in der Nachbarschaft mit uns leben, lesen mit den deutschsprachigen Glaubensgeschwistern in der jeweiligen Sprache die biblische Geschichte und gestalten die Liturgie. Dazu erklingen Lieder aus dem Liederbuch der Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen, die im August in Karlsruhe stattfand.

Christi Liebe bewegt, versöhnt und vereint – das Motto der Vollversammlung wirkt nicht nur weltweit, es wirkt auch in der direkten Nachbarschaft. Mit den Gästen der Bezirkssynode am Samstagmorgen in Hockenheim wurde das sehr deutlich. Viele Synodale waren erstaunt, welche Vielfalt an Gemeinden es im Rhein-Neckar-Raum gibt.

Die rum-orthodoxe Kirche aus Antiochien feiert Gottesdienst in Walldorf in der Evangelischen Kirche. Aramäische Gottesdienste der syrisch-orthodoxen Gemeinde finden in Leimen in der Herz-Jesu-Kirche oder im aramäischen Gemeindezentrum statt. Rumänisch-orthodoxe Gottesdienste werden in der St. Josefskirche in Eppelheim gefeiert. Ungarische Protestanten treffen sich in der Friedenskirche in Mannheim. Die evangelisch-arabischsprachige Gemeinde hat ihr Zuhause in der Auferstehungsgemeinde in Speyer.

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dpa
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Sprache schafft Verbindung

Gottesdienst in der Muttersprache: Dem Team der Synode war es wichtig, viele Sprachen wirken zu lassen. Nachdem Erzpriester Fayez Mansour das Vaterunser auf Arabisch gesprochen hatte, wandte er sich spontan an die Besucher und sagte: „Mir ist es wichtig, dass Sie das Gebet nochmal auf Deutsch mit mir sprechen als unser Gebet.“ Und alle spürten im Raum, hier wird eine Verbindung geschaffen, die alle mitnehmen soll.

Pfarrer Lajos Raksi schilderte in der anschließenden Gesprächsrunde die Situation von Familien, in denen die Muttersprache eine andere ist. Er erzählte von dem Fußballspiel Ungarn-Deutschland, als er im ungarischen und sein Sohn im deutschen Trikot für die jeweilige Mannschaft fieberte. Das sind die Geschichten, die deutlich machen, es geht um Zugehörigkeit, darum, eine Gemeinschaft zu finden, in der man sich zu Hause fühlt. Und das verändert sich in Familien von Generation zu Generation. Nicht nur bei den Menschen mit anderer Herkunft in Deutschland.

Pfarrer Marius Calin sprach davon, dass es in den Gemeinden anderer Sprachen nicht um Nationalismus gehe, sondern um das Wort Gottes. Auf die Frage, was die Landeskirche aus seiner Sicht tun sollte, war seine Antwort klar: „das Evangelium predigen“.

Bilder verdeutlichen Wort Gottes

Erzpriester Fayez Mansour erzählte von der Ikonenmalerei als wichtiges Beispiel für Bilder, die wir alle brauchen, um zu verstehen. Auch in der Predigt gehe es darum, Bilder zu haben, die uns Gottes Wort verdeutlichen. Barbara Yakub zeigte den Teilnehmenden die Tradition des Kopftuchtragens in der aramäischen Gemeinde. Es sei für Frauen Tradition, im Gottesdienst aus Respekt vor Gott ein Kopftuch zu tragen. Männer dagegen tragen keine Kopfbedeckung. Das Kopftuch ist ein selbstverständliches Symbol des Glaubens auch unter Christen.

Als Stipendiat von „Brot für die Welt“ kam Pfarrer Marius Calin nach Deutschland. Er arbeitet bis heute als orthodoxer Referent im akademischen Bereich und hält im Nebenamt Gottesdienste auf Rumänisch. „Mein Kollege verdient seinen Lebensunterhalt als Busfahrer“, bemerkte er schmunzelnd.

Weite Strecken zu fahren, um die Gemeinschaft anderer Christen zu finden, die in der Muttersprache Gottesdienst mit einem feiern, ist für diese Gemeinden selbstverständlich. Wassiem Gayed von der evangelisch-arabischsprachigen Gemeinde erzählte von bis zu 200 Kilometern, die Gemeindemitglieder fahren, um in Speyer am Gottesdienst teilzunehmen.

Zuhause für Schutzsuchende

Als Ägypter lebt er schon lange in Deutschland. Seine Tochter wird in Hockenheim in der Evangelischen Kirchengemeinde konfirmiert. Und dennoch ist ihm wichtig, dass seine Gemeinde in Speyer arabischsprechenden Evangelischen ein Zuhause bietet, gerade für Menschen auf der Flucht, die er Schutzsuchende nennt.

Pfarrer Marius Calin erzählt aus Rumänien, dass dort muttersprachlicher Unterricht bis zum Abitur ermöglicht wird für Menschen aus anderen Ländern. Das sei normal, in der eigenen Sprache, seine Schulausbildung zu machen.

Mutmachende Beispiele

Die stellvertretende Dekanin Katharina Garben zeigte sich dankbar für die Eindrücke der Gäste. Gemeinden, in denen Menschen es gewohnt sind, weite Wege auf sich zu nehmen, Gemeinden in denen einzig die Zahl der Abendmahlsteilnehmer bewertet werden, Gemeinden, die sich aus fünf bis zehn Familien aufbauen und wachsen, das sind mutmachende Beispiele, wie Kirche sein soll und wie Evangelium weiter wirkt.

Die Gemeinden anderer Sprache und Herkunft sind Treff- und Begegnungspunkte. Ähnlich wie die Muttersprache sollen eben auch Glaubensinhalte weitergegeben werden an die nächste Generation. Das betrifft alle Familien und Gemeinden, die von Jesu Botschaft wissen und danach leben wollen.

Synodenvorsitzender Michael Dahlinger (Hockenheim) gab zu, viel zu wenig gewusst zu haben von den Mitchristen direkt in unserer Nachbarschaft. Umso wichtiger sei es, diese Fäden, die von der Vollversammlung der Kirchen in die Region geknüpft wurden, weiterzuverfolgen und sich zu vernetzen.

Inhalte wirken weiter

„Ich bin beschenkt“ stellte Katharina Garben fest. Die Erfahrungen der anderen Gemeinden seien Schätze für die eigenen Überlegungen der Zukunft von landeskirchlichen Gemeinden. „Die Inhalte verändern sich nicht, die wirken weiter, auch wenn es neue Formen geben wird.“

Wer braucht was von seiner Kirche, auch in Zukunft? Der Blick auf die Mitchristen anderer Herkunft war eine andere mutmachende Perspektive für die nächsten Schritte in der Landeskirche.

Nach der Pause erhielten die Synodalen dazu Informationen aus erster Hand. Dekanin Annemarie Steinebrunner schilderte den Fortschritt im Strategieprozess. Dr. Jochen Beurer berichtete von der Landessynode in Baden und Dr. Adelheid von Hauff erzählte von der Tagung der EKD-Synode in Magdeburg. Kirchenmusikdirektor Detlev Helmer lud zum Abschluss ein, das Themenlied der Vollversammlung noch einmal erklingen zu lassen: „Christi Liebe bewegt die Welt. Der Geist hilft uns, beherzt und frei zu sein.“