Tanzschul-Kursteilnehmer lernen Schrittfolgen vorm Monitor

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Corinna Perner
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Statt tanzender Kundschaft bekommen Regina und Wolfgang Feil während ihrer Kurse aktuell vor allem jede Menge Technik zu Gesicht. Immerhin: Als Mitglieder eines gemeinsamen Hausstandes dürfen sie ihrer rhythmusgeprägten Arbeit ohne Maske nachgehen. © Perner

Hockenheim. Stillstand ist für Wolfgang und Regina Feil von der gleichnamigen Tanzschule ein Fremdwort - das gilt sowohl auf der Tanzfläche als auch, wenn es darum geht, das Programm auszubauen oder das Angebot wie seit nun beinahe einem Jahr gezwungenermaßen an neue Umstände anzupassen.

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Die Bereitschaft, flexibel zu agieren sowie abzuwägen, was möglich ist und was warten muss, wird wohl noch eine Weile gefragt sein, wie Regina Feil rückblickend auf das Frühjahr 2020 vermutet: „Tanzschulen waren mit die Ersten, die schließen mussten, und die Letzten, die wieder öffnen durften.“

Die Zuversicht hat sie dabei ebenso behalten wie ihr Mann: „Wir sind schon noch optimistisch, dass es mit uns weitergeht“, schmunzelt die Tanzlehrerin. Die Frage ist dabei vor allem, wann das wieder wie gewohnt in den Räumlichkeiten im Mörscher Weg sein wird und in welchem Umfang.

„Wir werden nicht den Schalter umlegen und sofort wieder Tanzpartys und volle Kurse stattfinden lassen können“, bleiben Regina und Wolfgang Feil realistisch, dass die Rückkehr zur Normalität wohl noch eine Weile auf sich warten lässt. Damit die Pause mit offenem Ende weder für die Lernenden noch für die Lehrenden zu lang wird, setzt das Tanzschulteam seit Januar nun auf Onlineunterricht.

Viel Arbeit in Infrastruktur gesteckt

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Die ersten zwei Lockdownmonate wurden dabei intensiv genutzt, um die Infrastruktur für ein onlinebasiertes Training vorzubereiten und die Kunden auf das Angebot aufmerksam zu machen. Mit der Umstellung auf eine neue Verwaltungssoftware waren die Grundlagen bereits vor zwei Jahren geschaffen worden. „Es war sehr, sehr, sehr viel Arbeit“, berichtet Regina Feil, mussten doch nicht nur jede Menge Videos gedreht und eingestellt werden - immerhin 450 Stück beinhaltet das Videoportal inzwischen als Grundstock - sondern auch festgelegt werden, wer zukünftig Zugriff auf welche Bereiche haben soll. Oder modern ausgedrückt: Die Community in der sogenannten Dancecloud musste aufgebaut werden.

Denn passend zum Kurs, den die Teilnehmenden besuchen, werden nun wöchentlich die neuen Videos freigeschaltet, sodass damit zukünftig auch ein Wiederholen und Üben des Erlernten außerhalb des eigentlichen Kursbetriebs möglich ist. Verweise auf passende Musik ergänzen diese Möglichkeit.

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Im Einsatz sind für den Onlineunterricht jeweils zwei bis drei Tanzlehrer parallel, eine Person ist dabei ausschließlich für die Aufnahme und Betreuung des Chats zuständig. Wer mag, kann sich von zuhause aus per Video zur Begutachtung zuschalten - zu sehen sind die übertragenen Videodaten jedoch immer nur für die Tanzlehrer und nicht für die anderen Teilnehmenden.

Im Anschluss ins „Wohnzimmer“

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Um auch den geselligen Teil nicht zu kurz kommen zu lassen, sind die Teilnehmenden der Tanzkreise jeweils nach dem Training ihres Kurses eingeladen, sich im „Tanzwohnzimmer“ einzufinden, um dort „eine Runde Pause zu machen und zu quatschen“, wie sie es sonst gerne an der Bar in der Tanzschule tun.

Der Chatroom ermöglicht es, wie von anderen Videokonferenz-Plattformen bekannt, sich gegenseitig zu sehen und auszutauschen. Regina Feil hofft, so die Verbundenheit der einzelnen Gruppen über den Lockdown aufrechterhalten zu können.

Treuen Kunden dankbar

Dankbar sind Wolfgang und Regina Feil aktuell vor allem um die treuen Kunden, die sich das Tanzlehrerpaar gemeinsam mit dem Team in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erarbeitet hat. Für Neueinsteiger gibt es aktuell noch keine Angebote, darum möchten sich die Inhaber als Nächstes kümmern und dazu die kurze Faschingspause nutzen.

Auch die sonst gerne besuchten Jugendkurse müssen aktuell ausgesetzt werden. Nachdem bereits im September kein neuer Grundkurs beginnen konnte, setzt sich das nun für den Januar fort. Auswirkungen hat das auch für die Zukunft, tanzen doch viele Jugendliche gerne im Fortgeschrittenen- und den Nachfolgekursen weiter. Inwieweit die „ausgefallenen“ Jahrgänge den Tanzschulbesuch zu einem späteren Zeitpunkt nachholen oder Feils sie durch Corona komplett verlieren, wird sich zeigen.

„Uns fehlt allen der Kontakt und dass wir Leute um uns haben“, kämpfte nicht nur Regina Feil in den vergangenen Monaten mit dem Fehlen des gewohnten Trubels, der für einen Großteil des Tanzlehrerteams doch die Sicherung des Lebensunterhalts darstellt.

„Nur mit staatlichen Hilfen würden wir diese Zeit nicht überstehen“, kritisiert das Ehepaar auch ein wenig die Politik: Die Beantragung der Fördermittel für die letzten beiden Monate des vergangenen Jahres sei „keineswegs unbürokratisch und schnell“ möglich gewesen, stattdessen mussten sie einige Hürden meistern.

Kosten laufen weiter

Und auch wenn zumindest etwas Entlastung durch die Kurzarbeit des angestellten Personals erfolgt sei, liefen viele Kosten weiter. Kursgebühren wurden dagegen keine abgebucht, Einnahmen blieben komplett aus. Das Glück, nun tatsächlich Coronahilfen gezahlt zu bekommen, ist dabei nicht allen Tanzschulen vergönnt. Viele andere Anbieter gingen leer aus, wissen die Feils.

Teilnehmer froh über Neustart

Dass es nach der Pause wenigstens online weitergehen kann, freut nicht nur das Tanzlehrerteam, auch die Kunden melden die Freude gerne zurück: In einer Nachricht sei die Tanzschule beispielsweise als „Rettung in dieser Zeit“ bezeichnet worden und auch sonst zeige die Resonanz, dass viele froh sind, zumindest im heimischen Wohnzimmer oder Hobbyraum wieder der geliebten Beschäftigung nachgehen und sich weiterentwickeln zu können.

Dabei hat das aktuelle Modell durchaus Vorteile: Jeder entscheidet selbst, ob er wie gewohnt einmal pro Woche an „seinem“ Tanzkreis teilnimmt, den Kurs an einem anderen Tag besucht, weil das gerade besser passt, oder bis zu siebenmal pro Woche am Start ist. Und es können Kurse belegt werden, die sonst zugebucht werden müssten. Beim Zumba-Anfängerkurs, Linedance für Einsteiger und Tanzfit, das seit Ende Januar ganz neu im Programm ist, kann durch die Feil’sche Angebotspalette im Solotanzbereich geschnuppert werden, auf Tanzkreiskunden warten zudem Workshops und Tanzpartys.

Und die eine oder andere Kindertanz-Mama sorgt beim abendlichen Zumba ohne Aufpreis ein wenig für die eigene Fitness, während der Nachwuchs am Nachmittag Tanzspaß vor dem Fernseher hat. „Die Kinder sprechen auch mit dem Fernseher, wenn die Kindertanzlehrerinnen Fragen stellen“, freut sich Regina Feil, dass viele junge Tänzer ganz gebannt mitmachen. Was die Datensicherheit angeht, müssen sich die Eltern keine Sorgen machen: Dank der dahinterstehenden Software, die auch von noch größeren Tanzschulen genutzt wird, „ist das datenschutzrechtlich in sicherer Hand“, wie Regina Feil versichert.

Fördergelder gut eingesetzt

Für die Software und den Zukauf verschiedener Tools wie der Community haben die Tanzschulinhaber einige Investitionen getätigt, die auch durch den Zuschlag aus dem Rettungsprogramm „Neustart Kultur“ der Bundesregierung möglich wurden. Unter dem Titel „Dis-Tanzen“ konnten Tanzschulen inzwischen zum zweiten Mal Fördergelder beantragen, um sich neu auszurichten und zukunftsorientiert umzustrukturieren und so ihren Betrieb trotz Pandemie zu erhalten. Nach den ersten drei Wochen Laufzeit haben sich die Investitionen in Kameraausrüstung, Mikrofone, Computer und Beleuchtung sowie die Erweiterung der Internetleitung nun bewährt: Der Andrang am ersten Tag habe unabhängig davon, ob es um Kindertanzen, Hip-Hop, Zumba oder Tanzkreise geht, „bisher nicht abgenommen“. Nach wie vor stoßen immer wieder auch Nachzügler noch hinzu. Bis zu 50 Paare nehmen so an den Kursstunden teil.

Wie das restliche Jahr für die Tanzschule aussehen wird, steht wie für viele andere Unternehmen aktuell in den Sternen, komplett stillstehen wird der Betrieb wohl dank der neu geschaffenen technischen Möglichkeiten nicht mehr. Als nächster Schritt sollen neuere Kunden in die Community integriert werden - in der Hoffnung, diese schon bald auch wieder von Angesicht zu Angesicht unterrichten zu können.

Eine Grafik mit den aktuellen Corona-Zahlen gibt's hier:

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