Onlineunterricht via Zoom - Regina Schmerbeck-Janyska findet mit angepasstem Training via Internet einen Weg, ihre Ballettschule durch die Pandemie zu steuern Training via Internet bei Hockenheimer Ballettschule

Von 
Corinna Perner
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Mithilfe von Weltraummaus „Wuschl“ und Roboterballerina steuerten Ballettschulinhaberin Regina Schmerbeck-Janyska und ihr Team die Ballettschule Janyska im Januar durch die Pandemie. Vertanzt wurden dabei auch die besuchten Planeten. © Perner

Ein Stuhl statt einer Stange, das heimische Wohnzimmer statt großen Spiegelsaals und Anweisungen aus der Ferne statt Unterricht von Angesicht zu Angesicht – so sieht aktuell der Rahmen aus, in dem die Schülerinnen und Schüler der Ballettschule Janyska trainieren. Wie für so vieles momentan gilt: Es geht nicht anders. Immerhin: „Ballett tanzen kann man auch eine ganze Weile auf einem Quadratmeter“, wie Ballettschulinhaberin Regina Schmerbeck-Janyska verrät und so haben sie und ihr Team das Onlinetraining so konzipiert, dass es im „kleinsten Zimmer Platz findet“. Trainiert wird dabei viel auf der Stelle, Kraftübungen, Ballett auf dem Boden und Springen inkludiert.

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Nachdem Anfang November vergangenen Jahres der „Lockdown light“ für geschlossene Türen sorgte und damit für diesen Monat auch keine Abbuchungen vonseiten der Ballettschulinhaberin vorgenommen wurden, stand fest: Eine Lösung muss her – gefunden wurde sie im Onlineunterricht via Zoom.

Unkompliziert war dabei auch die Zeit vor beziehungsweise zwischen den Lockdowns nicht: So mussten die Ballettstangen nach jeder Unterrichtseinheit desinfiziert und die Säle großzügig gelüftet werden, die Kinder wurden über separate Zugänge von den Eltern, die die Ballettschule seit März nicht betreten durften, an die Lehrerin und wieder zurück übergeben und mithilfe von Markierungen an der Ballettstange sowie Carrés auf dem Boden hatten die Schüler fest zugewiesene Bereiche während der Ballettstunden.

„Immer gut betreut“

Je nach pandemischer Lage waren Lockerungen oder auch wieder Verschärfungen umzusetzen. Stets Verlass war auf Dominik Bertram und das ihm unterstellte Ordnungsamt: „Hier haben wir nur tolle Erfahrungen gemacht und wurden immer gut betreut“, ist Regina Schmerbeck-Janyska froh, kompetent unterstützt worden zu sein und auch für den Austausch mit dem Inhaber der gegenüberliegenden Wing-Tsun-Schule war sie stets dankbar.

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Dabei war vor allem der Beginn der Pandemie ein großer Einschnitt: „Es war für alle Lehrer zunächst einmal eine große Umstellung, da der Tanzunterricht von Lebendigkeit, Leidenschaft und Korrekturen lebt und geprägt ist. Plötzlich war ein radikales Umdenken notwendig, womit wir Tanzpädagogen noch nie konfrontiert wurden“, fasst Regina Schmerbeck-Janyska in Worte, vor welche Herausforderung das Team gestellt wurde. Mit passwortgeschützten Videos und nachgeholten Stunden in den Sommerferien wurde der erste Lockdown überbrückt.

„Das geht an die Substanz“

Doch auch die häufig kurzfristigen neuen Regelungen seien dabei nicht so leicht zu bewältigen gewesen, mussten doch immerhin 450 Schüler und neun Lehrer „von einer Woche zur anderen“ auf teilweise völlig neue Rahmenbedingungen wie die Notwendigkeit, Klassen zu verkleinern, Kursänderungen und schließlich im Herbst die erneute komplette Schließung eingestellt werden – „das geht schon an die Substanz“. Dabei hat die Ballettschulinhaberin auch Verständnis für die nicht immer leichten sonstigen Bedingungen, die Familien aktuell vorfinden: Homeschooling, Homeoffice und dann auch noch der Tanzunterricht via Internet, nichts ist mehr wie gewohnt. Und dennoch hofft Regina Schmerbeck-Janyska, etwas Leichtigkeit in die Situation zu bringen: „Das ganze Team der Ballettschule ist sehr begeistert, wie der Zoom-Unterricht angenommen wird, und wir hoffen, in dem etwas anderen Alltag der Familien mit unserem wöchentlichen Unterricht einen kleinen Teil dazu beizutragen, den Schülern eine Regelmäßigkeit und Struktur zu geben.“

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An Kreativität mangelt es dem neunköpfigen Lehrerteam dabei zum Glück nicht: Nicht nur dass bei den Onlinesessions aktuelle Themen wie der frisch gefallene Schnee spontan in Form von tänzerischem Schlittschuhlaufen und einer ebenfalls vertanzten Schneeballschlacht einfließen, sondern speziell für die Drei- bis Sechsjährigen wurde eine ganze Geschichte ausgedacht: So flog Weltraummaus „Wuschl“ per Rakete durchs Weltall, um jede Menge Tanzplaneten zu erforschen und die Roboterballerina kennenzulernen. Die jeweiligen Elemente wurden dabei tänzerisch dargestellt, einfachste Requisiten wie Taschentücher als Ersatz für die aus dem Unterricht bekannten Jongliertücher sowie Kuscheltiere oder die Lieblingspuppe kamen dabei zum Einsatz.

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Auch für die kommenden Wochen sind schon jede Menge Ideen – dieses Mal rund um das Thema Zirkus – vorhanden, ist doch die Rückkehr zum Präsenzbetrieb weiterhin nicht absehbar. Umstrukturiert werden musste auch für die vielen anderen Gruppen, sodass Hip Hop, Jazzdance und das tänzerische Krafttraining aktuell ebenfalls gut zuhause ausgeführt werden können.

Für die Jugendlichen ab zwölf Jahren lief das Training als interne Regelung und auf freiwilliger Basis trotz ausbleibender Beitragsabbuchung schon im November ohne Unterbrechung durch, im Dezember folgten dann die darunter liegenden Altersgruppen bis zum Einstiegsalter von drei Jahren und die Hip- Hop-Gruppen.

An die Gesundheit denken

Seit Januar läuft der Betrieb nach Originalstundenplan, das Videokonferenztool Zoom macht das Mittrainieren von zuhause aus möglich. Dass die Motivation ihrer Schülerinnen und Schüler dabei nicht immer gleich hoch ist, kann Regina gut verstehen: „Wir sehnen uns alle nach dem Präsenzunterricht, denn Tanzen auf einem Quadratmeter und mit dem Handy oder Laptop vor der Nase ist nur für eine gewisse Zeit befriedigend.“ Verständnis hat sie aber auch für die Maßnahmen: „Wir müssen an die Gesundheit aller denken und versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Eine längere Schließung ohne Alternativangebot kam für die Tanzschulinhaberin auch aus Rücksicht und Sorge um die berufliche Zukunft ihrer großteils freiberuflich tätigen Lehrkräfte nicht in Frage – denn denen nutzte auch die für den November erhaltene Soforthilfe nichts.

Nun, da die Zahlen sinken und zumindest an eine Wiedereröffnung in absehbarer Zeit gedacht werden kann, ist Regina Schmerbeck-Janyska vor allem eines: dankbar. Dankbar, dass sie und ihr Team bestehen konnten, dankbar, dass die hinter den jüngeren Schülerinnen und Schülern stehenden Eltern „immer gut mitgezogen haben“. „Wenn wir öffnen dürfen, starten wir durch“, freut sich die Mutter zweier Kinder dann hoffentlich auch wieder neuen Gesichtern das Ballett näher bringen zu dürfen, denn die mussten im vergangenen Jahr häufig vertröstet werden, da es die Umstände nicht zuließen, ins Training hineinzuschnuppern und fest einzusteigen.

Treue Stammkundschaft

Dies ist auch einer der Gründe, weshalb Corona sich in der Jahresbilanz und auch in den Folgejahren widerspiegeln wird: „Wirtschaftlich merkt man so ein Jahr, aber es wäre ja auch verwunderlich, wenn es anders wäre.“ So ging Corona also auch an der Tänzerin nicht spurlos vorbei: „Natürlich hat man Sorgen, fragt sich, wie lange hält ein Betrieb so etwas aus.“ Als „wirtschaftlich bedroht“ habe sie diesen aber zum Glück nicht wahrgenommen, zu verdanken hat die Diplom-Tanzpädagogin und Diplom-Bühnentänzerin das auch ihrer großen Stammkundschaft.

Freie Autorenschaft Freie Mitarbeiterin für Hockenheim und Umgebung rund um die Themen Kultur, Religion sowie Land und Leute.