Schwangerschaft - 22-Jährige ist Hebamme und hilft Frauen, das Kind zu Hause zu entbinden / Sie hat eine Mobile Entbindungsstation mit allem nötigen Equipment Ullemeyer: Jede Geburt ist einzigartig

Von 
Sabine Zeuner
Lesedauer: 
Ann-Kathrin Ullemeyer zeigt ihre umfangreichen Materialien für eine Hausgeburt. © Zeuner

Ruhe strahlt die junge Frau aus, die unserer Autorin gegenübersitzt. Wäre sie Gast in einem Quiz, bei dem Berufe erraten werden sollen, hätte sie super Chancen, dass ihre Profession unerkannt bleibt. Sportliche Figur, lange blonde Haare, 22 Jahre jung, ein gewinnendes Lächeln – Ann-Kathrin Ullemeyer ist Hebamme. Eine von rund 25 000 in Deutschland. Kennengelernt hat unsere Autorin die Wahl-Hockenheimerin nach einer Hausgeburt in Plankstadt und erfahren, dass sie sich auf die Begleitung von Frau und Familie zur häuslichen Geburt spezialisiert hat. Beeindruckend. Denn gerade dieser Beruf bedeutet Verantwortung für das Leben, einen klaren Blick und höchste fachliche Kompetenz, denn die werdende Mutter vertraut sich ihrer Hebamme an.

Ann-Kathrin Ullemeyer

  • Ann-Kathrin Ullemeyer ist 1997 in Lingenfeld geboren und lebt in Hockenheim.
  • Seit September 2019 ist sie examinierte Hebamme mit Fokus auf Hausgeburten.
  • Die 22-Jährige ist telefonisch erreichbar unter 0178/8 29 45 32 oder über das Kontaktformular auf ihrer Homepage www.hebamme-annkathrin.de zesa
AdUnit urban-intext1

Die Entscheidung Hebamme werden zu wollen „war schon immer klar“, sagt die gebürtige Lingenfelderin, dass die Entwicklung dahin gar nicht so richtig nachvollziehbar ist. Aber: „Ich war fünf Jahre alt, als meine Schwester zur Welt kam, meine Mama hatte eine Hebamme“, erzählt sie davon, wie die Hebammentasche damals ihr volles Interesse erweckte. „Ich habe sie ausgeräumt und alles genau angesehen“, schildert sie lächelnd. Ob das die Initialzündung für die Berufswahl gewesen ist? Auf jeden Fall steht heute so eine schokobraune Ledertasche griffbereit im gemütlichen Wohn-Esszimmer der Hockenheimer Wohnung – die gab es von der Mama nach der bestandenen Prüfung. Ein kleiner Plüsch-Storch hängt am Taschengurt.

Zum Beruf der Hebamme

Hebammen und Entbindungspfleger betreuen werdende Mütter während der Schwangerschaft und bei der Entbindung.

Außerdem versorgen sie Mutter und Kind nach der Geburt.

Heute sind etliche der Hebammen jedoch je nach Neigung spezialisiert und bieten darüber hinaus vielfältige Kurse von Babyschwimmen bis Ernährung und Tipps für die Alltagsbewältigung an. zesa

Seit September examiniert

Nach dem Abitur und einigen Praktika bei Hebammen und in Kliniken, ging es 2016 in die Ausbildung an der Hebammenschule und dem Diakonissen-Krankenhaus Speyer. „Ich hatte keinen Berufsplan B, falls ich keinen Platz bekommen hätte“, es stand schon zu dem Zeitpunkt fest: Hebamme zu werden ist echte Berufung, nicht „nur“ Berufswunsch. Und es hat geklappt. Seit September 2019 ist Ann-Kathrin Ullemeyer examinierte Hebamme.

Mit leuchtenden Augen und sichtbarer Begeisterung berichtet sie von ihrem Alltag. Die Ausbildung war intensiv und mit viel Praxiserfahrung, etwa 130 Geburten, kombiniert. Dazu kamen zahlreiche Fortbildungen, die den natürlichen Umgang mit Schwangerschaft und Entbindung, in Naturheilkunde, festigten, der Intention der Begleitung und Betreuung der jungen Frau ist. „Schwangerschaft und Geburt sind keine Krankheiten“, bedient sie einen Spruch, der seit Jahrhunderten ganz viel Wahrheit birgt.

AdUnit urban-intext2

Eine Menge Empathie gehört zum Job, der mit der ersten Kontaktaufnahme beginnt: „Sobald die Frau weiß, dass sie schwanger ist, sollte sie sich auch um eine Hebamme für die Begleitung während der Schwangerschaft, der Geburt und danach kümmern“, stellt Ann-Kathrin Ullemeyer fest. Die Krankenkassen zahlen diese Betreuung. Das erste Gespräch findet meist telefonisch statt. Dann verabredet man sich zum persönlichen Kennenlernen. Viele seien erstaunt, wie jung sie sei, aber spätestens beim zweiten Treffen wären die Vorbehalte vergessen – das erlebt die Geburtshelferin immer wieder. Viele Gespräche folgen, denn jede Frau, jedes Paar, jede Familie ist individuell, Ullemeyer begleitet ganzheitlich. Untersuchungen, bei denen der Kontakt, das Gefühl großgeschrieben sind, gehören dazu.

Für alles gerüstet

Ullemeyer führt aus: „Ich ertaste mit den Händen die Kindeslage, die Hände sind meine wichtigsten Instrumente und direkte Verbindung zu Mutter und Kind.“ Ist alles in Ordnung, geht es seinen natürlichen Gang. Es gibt aber auch Fälle, bei denen die Vorzeichen für eine Geburt in einem Krankenhaus sprechen, die können ganz unterschiedlich sein, auch dann ist die Hebamme gefragt, über die Fakten aufzuklären. Seit sie praktiziert hat sie etwa 50 Geburten begleitet, dabei glücklicherweise keine notfallmäßigen Verlegungen ins Krankenhaus. Im Umkreis von „einer halben Stunde Fahrzeit“ bietet die mobile Geburtshelferin ihre Arbeit an, die Kurse zur Vor- und Nachbereitung der Schwangerschaft finden in Schifferstadt – in der Praxis einer Kollegin – statt.

AdUnit urban-intext3

Wieder rückt die Tasche in den Fokus, sie ist quasi, in Verbindung mit der Trägerin, die mobile Entbindungsstation, zu der ein Kofferraum voller weiterer Taschen gehört. „Ich habe alles dabei, bin für jeden Fall gerüstet, es geht bis auf den Kaiserschnitt alles auch in der häuslichen Umgebung“, klärt Ann-Kathrin Ullemeyer auf.

AdUnit urban-intext4

Ganz schön technisch kann es bei auftretenden Schwierigkeiten werden: Beatmungsgeräte für Mutter und Kind gehören zum Equipment: „Geburtszange, Saugglocke, Medikamente“, spricht die Fachfrau daneben auch von sehr natürlichen Möglichkeiten, wie Fußbädern mit Duftessenzen und Tees die Wehen, später den Milchfluss auf Trab zu bringen. Die Zahl der Hausgeburten in der Coronazeit sei gestiegen, weil die Väter nicht mit in die Kreißsäle durften, das spürte auch die Hockenheimerin in der Zahl der Anfragen.

„Alle Geburten sind einzigartig“, aber eine blieb ganz stark in Erinnerung: „Es war mein letzter Abend in der Ausbildung und eine halbe Stunde vor Schichtende auf der Geburtsstation im Krankenhaus“, erinnert sie sich, dass sie sich noch eine „schöne Geburt“ wünschte und bekam. Ein Fußbad löste bei der Frau, die ihr zweites Kind erwartete, die Wehen aus: „Wir waren allein, ohne Arzt kam der Sohn zur Welt – das und diese große Freude zu erleben, dafür lohnt sich alle Mühe.“

Berg an Gesetzen und Vorschriften

Ganz nebenbei ist nämlich die Existenz einer freiberuflichen Hebamme mit sehr viel Bürokratie verbunden: „Abrechnungen, Dokumentation, nicht zuletzt die Kosten für die Haftpflicht“, zählt Ann-Kathrin Ullemeyer auf, dass ein wahrer Berg an Gesetzen, Vorschriften und mehr zu bewältigen ist und dennoch bleibt das Strahlen in ihren Augen, wenn sie von einem Arbeitsalltag spricht. Für den gibt es keinen festen zeitlichen Rahmen, denn Geburten auf natürliche Weise lassen sich kaum auf eine bestimmte Tages- oder Nachtzeit festlegen.

Und ein eigenes Kind, wie und wo würde das zur Welt kommen? Spontan kommt die Antwort: „Auf jeden Fall als Hausgeburt.“

Freie Autorenschaft freie Mitarbeiterin