Kinderschutzbund - Ortsverband versucht, Engagement trotz Corona-Einschränkungen aufrechtzuerhalten / Psychologische Beratungsstelle erhält Qualitätssiegel Unterstützung für Eltern darf nicht pausieren

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rad
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Ronja (v. l.), Christina, Nora, Jannis, Lemi, Ben und Felix nehmen an der Notbetreuung beim Schülerhort Kosmos des Kinderschutz-bunds bei Leiterin Elisabeth Pioro (2. v. l.) teil. © Lenhardt

Hockenheim. Neben der morgendlichen Lektüre der Hockenheimer Tageszeitung und anderer Zeitungen und Bücher liest Barbara Itschner seit einigen Monaten jede Woche viele weitere Publikationen. Auf diesen Lesestoff könnte die Hockenheimerin allerdings gut und gerne verzichten, denn es handelt sich dabei meist um Gesetzestexte, Verordnungen oder Anträge, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen.

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In ihrer Eigenschaft als stellvertretende Vorsitzende des örtlichen Kinderschutzbunds hat Barbara Itschner mit jeder Menge Mehrarbeit zu kämpfen. „Trotz oder gerade wegen der bestehenden Kontaktbeschränkungen können und wollen wir unser Engagement zugunsten von Kindern nicht zurückfahren“, erklärt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Kinderschutzbund Hockenheim: Lobby für Kinder

Der Ortsverband Hockenheim besteht seit 1981, sein Wirkungskreis umfasst die Städte und Gemeinden Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim, Reilingen, Ketsch, Oftersheim und Schwetzingen.

Der Kinderschutzbund versteht sich als „Lobby für Kinder“ indem er sich für die Rechte der Kinder auf gewaltfreies Aufwachsen, Beteiligung bezüglich ihrer Interessen und Entfaltung ihrer Fähigkeiten einsetzt.

Der Kinderschutzbund arbeitet eng mit den hier ansässigen Kooperationspartnern aus Kinder- und Jugendhilfe zusammen. rad

Was den ehrenamtlichen Verein mit Sitz in Hockenheim, der auch in den umliegenden Kommunen aktiv ist, zusätzlich belastet: Er ist als Betreiber des Schülerhorts „Kosmos“ auch Arbeitgeber – und so mussten sich die Verantwortlichen erstmals in die zuvor unbekannte Materie Kurzarbeitergeld einarbeiten. Denn wie alle Betreuungseinrichtungen war und ist auch der Schülerhort von den Corona-bedingten Schließungen betroffen.

Sprach- und Leseförderung ruhen

Angebote wie die Sprachförderung an vier Kindergärten, die Hausaufgabenbetreuung oder die „Lesekompetenz an Grundschulen“ versuchten die zuständigen Vereinsmitglieder wie Rosemarie Köhler, Constanze Rothe und Anja Fütterer während der Pandemie so gut es ging – und natürlich unter Beachtung der Corona-Regeln – aufrechtzuerhalten.

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„Wenn die Lockerungen es wieder zulassen, wollen wir diese Projekte umgehend fortführen“, erklärt der Ortsverbandsvorsitzende Thomas Birkenmaier. Die Defizite, die die teilnehmenden Kinder der jeweiligen Angebote haben, dürften schließlich nicht kleiner geworden sein, befürchtet er.

Kontakte zu Familien gehalten

Christel Schmelz, Koordinatorin der Familienpaten, und ihr Team sowie die Helferschar um Peter Sulzbacher (Begleiteter Umgang) waren sogar durchgehend im Einsatz. „Gerade hier ist es uns sehr wichtig, den Kontakt nicht abreißen zu lassen und weiterhin die Familien – notfalls auch per Telefon oder Videocall – zu unterstützen“, berichtet Barbara Itschner. Zusätzlich wurde die Zeit der Kontaktbeschränkungen genutzt, um eine sehr umfangreiche, aus mehreren Blöcken bestehende Fortbildung zu absolvieren.

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Nicht nur hier zeige sich in der Krise wieder einmal das große Engagement der Kinderschutzbund-Vereinsmitglieder. Heide Graze etwa konnte ihren offenen Elterntreff ein halbes Jahr nach dem Start nicht fortführen. Die Diplom-Sozialpädagogin wich mit Erlaubnis des Jugendamts und einem eigenen Hygienekonzept auf für Eltern und Alleinerziehende kostenlose Einzelgespräche in ihrer Privatpraxis aus.

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Und es gab mitten im Lockdown auch eine erfreuliche Nachricht: Die Psychologische Beratungsstelle wurde – Corona-konform in einer Videokonferenz – mit dem Qualitätssiegel der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE) ausgezeichnet.

Höchste fachliche Standards

Die BKE bescheinigte damit der Psychologischen Beratungsstelle Eppelheim-Hockenheim-Walldorf durch die Überprüfung von 26 arbeits- und prozessbezogenen Merkmalen höchste fachliche Standards. Dies ist für den Leiter der Beratungsstelle, Heiko Böhler, und das ganze Team, ein Ansporn, die gute Arbeit fortzuführen.

Bestandteile dieser Standards sind unter anderem der kostenfreie und niederschwellige Zugang zu Beratungen und Leistungen, kurzfristige Beratungen bei Krisen und Notfällen, Vernetzungen mit Einrichtungen aus den betreuten Städten sowie auch festgelegte räumliche und personelle Standards.

Ziel der Zertifizierung war und ist es, nach außen durch die einsehbare Konzeption eine Transparenz zu schaffen und nach innen einen fortwährend zu pflegenden Qualitätsprozess anzustoßen.

Die Psychologische Beratungsstelle sei mit drei tätigen Psychologen und Psychologinnen und einer pädagogischen Kraft fachlich sehr gut aufgestellt. Sie bietet ratsuchenden Kindern, Jugendlichen und deren Eltern Unterstützung bei Krisensituationen, Paarkonflikten, Trennung und Scheidung an, ebenso wie bei Schulschwierigkeiten, Ängsten, Verlusterlebnissen sowie kindlichen Entwicklungsproblemen.

Die Beratungsstelle ist zudem vernetzt mit vielen weiteren Einrichtungen der Städte wie etwa den Kindertagesstätten und Schulen. Getragen wird die Einrichtung durch den Rhein-Neckar-Kreis, in Eppelheim und Walldorf zusätzlich durch die Städte und in Hockenheim durch den örtlichen Kinderschutzbund.

Für den Zugang braucht es weder einen Antrag noch eine Genehmigung, sondern lediglich einen Anruf. Die Beratungen sind kostenfrei und die Arbeit unterliegt der absoluten Schweigepflicht.

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