Kraichbach - Auftreten an der Einmündung in den Altrhein bei Ketsch / Gründe können vielfältig sein / Sören Troffer: Was schlecht aussieht, muss nicht unbedingt schlecht sein Ursache des Schaums ist noch unklar

Von 
Volker Widdrat
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Die Einmündung des Kraichbachs in den Altrheinarm bei Ketsch: Es bildete sich zeitweise Schaum auf dem Wasser. © Günther Martin

Hockenheim/Ketsch. An der Einmündung des Kraichbachs in den Altrhein bei Ketsch hatten einige Spaziergänger zeitweise eine Schaumbildung auf dem Gewässer wahrgenommen. Ob das mit einer defekten Reinigungsstufe in der Kläranlage in Hockenheim zu tun haben könne, hatte der Ketscher Grünen-Gemeinderat Günther Martin bei Betriebsleiter der Kläranlage Hockenheim, Sören Troffer, nachgefragt. Die „Schaum-Problematik“ sei auch manchmal am Auslaufbauwerk der Kläranlage zu sehen, bestätigt Troffer.

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„Bei uns werden täglich unzählige Analysen des Zu- und Ablaufwassers durchgeführt, dieser Aufwand ist nötig, um die Reinigungsleistung der Kläranlage überwachen und beurteilen zu können. Das Personal hält sich bei der Durchführung der Analytik strikt an die maßgebende Eigenkontrollverordnung, diverse Bestimmungen werden auch öfter und sogar online durchgeführt. Die ermittelten Daten werden monatlich an das Wasserrechtsamt Heidelberg weitergeleitet und dort ausgewertet“, führt der Betriebsleiter aus. Laut der Analysen-Ergebnisse lägen keine besorgniserregenden Erkenntnisse für den Kläranlagenauslauf vor. Das werde auch von den zuständigen Sachbearbeitern des Landratsamtes so gesehen. Man stehe in regem Kontakt, „gerade, wenn die Schaumbildung im Vorfluter intensiv ist“.

Intensität schon seit Jahren

Den Analysen der letzten Jahre sei zu entnehmen, dass die wasserrechtlichen Anforderungen konstant eingehalten und die festgelegten Ziele sogar übertroffen worden seien. Das gereinigte Abwasser, das in den Kraichbach eingeleitet wird, sei nicht aufgrund von Betriebsproblemen in der Kläranlage belastet: „Das trifft nicht zu.“ Die Intensität des Schaums am Kläranlagenablauf bestehe in dieser Form leider schon seit Jahren, erklärt Troffer bei einem Rundgang mit unserer Zeitung.

Schaumbildungen seien nicht unbedingt ein Indikator für eine schlechte Wassergüte, sie könnten auch von Algen verursacht werden: „Was schlecht aussieht, muss nicht unbedingt schlecht sein.“ Vor einigen Jahren habe man das Problem gehabt, dass sich eine mehrere hundert Meter lange Schaumfahne den Kraichbach abwärts gebildet habe und besorgte Bürger die Polizei darauf aufmerksam gemacht hätten. Seit dieser Zeit komme eine schwimmfähige Schaumsperre zum Einsatz, „die den Abtrieb des Schaumes weitgehend verhindert, dafür aber zu einer Schaumwalze an der Einleitungsstelle führt“, beschreibt der Betriebsleiter das Dilemma.

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In der Vergangenheit seien schon verschiedene Messprogramme hinsichtlich der Abwasserzuleitung, der Betriebsstoffe und der biologischen Stufe durchgeführt worden. Der Schaum sei ebenso auf Tenside untersucht worden, diese neigten bei höheren Konzentrationen ebenfalls zur Schaumbildung, etwa durch Waschmittelzusätze. Auch hier habe man keine Besonderheiten feststellen können. „Mittlerweile beproben wir auch schon auf Pharmaprodukte und Arzneimittel, wir suchen sprichwörtlich nach der Nadel im Heuhaufen“, holt Troffer bei der Erklärung für den „optischen Makel“ weit aus.

Die Kläranlage Hockenheim sei quasi die letzte von drei Kläranlagen, die ihr gereinigtes Abwasser in den Kraichbach einleitet. Inwieweit die anderen Kläranlagen zu diesem Problem an der Einleitungsstelle am Altrhein beitragen könnten, entziehe sich seiner Kenntnis. Man sei aber weiterhin bemüht, die Ursache für das Problem zu ermitteln und es abzustellen.

Freie Autorenschaft Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter.