Im Interview - Dr. Coline Baechler zum neuen Semester der Volkshochschule und den Erfahrungen im Lockdown / Frühzeitige Anmeldungen erleichtern schnellen Neustart VHS Hockenheim verzichtet erstmals auf Programmheft

Von 
Matthias Mühleisen
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Hockenheim. Das hat es in den gut 40 Jahren seit Gründung der Volkshochschule Hockenheim noch nicht gegeben: Zum bevorstehenden ersten Semester 2021 erscheint kein Programmheft. Die VHS hat darauf verzichtet, weil die Corona-Pandemie Halbjahresplanungen fast unmöglich gemacht hat, erläutert Dr. Coline Baechler, die bei Mannheimer Abendakademie für das Programm der Hockenheimer Volkshochschule verantwortlich zeichnet, im Interview. Um flexibel zu bleiben und auf eine Lockerung der Regelungen schnell reagieren zu können, sollen Prospekte in regelmäßigen Abständen an die VHS-Angebote erinnern. Mit Anmeldungen schon jetzt könnten Teilnehmer den Kursstart beschleunigen, sagt Baechler.

Wichtig im neuen VHS-Semester

  • Anmeldungen für das neue Semester nimmt die Volkshochschule ab sofort entgegen telefonisch, per E-Mail oder über die Homepage, aber nicht persönlich in der VHS-Geschäftsstelle. Es gibt nicht, wie sonst üblich, einen Stichtag.
  • Auch wenn aktuell nicht feststeht, wann Kurse wieder in Präsenz stattfinden können, appelliert die VHS an Interessenten, sich bereits jetzt anzumelden, weil so die Planung erleichtert und die Vorlaufzeit verkürzt werde. Alle Angebote aktuell unter www.vhs-hockenheim.de.
  • Anmeldung ist zu allen Veranstaltungen unbedingt erforderlich – auch für kostenlose Vorträge. Dabei müssen Kontaktdaten erfasst werden.
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Wie sind die vergangenen Monate für die Volkshochschule Hockenheim gelaufen?

Dr. Coline Baechler: Wie Sie sich vorstellen können, lief es bei uns wie in vielen anderen Institutionen auch. Bei unserem letzten Gespräch Ende August vorm zweiten Semester 2020 hatte sich die Corona-Situation ja etwas gelockert, alle waren guter Dinge, dass sich das so fortsetzen würde. Die zweite Welle hatte sich angedeutet, aber keiner hat wohl so richtig daran geglaubt. Als sie dann kam, mussten wir natürlich einiges anpassen. An vielen Kurse durften nur noch maximal sechs oder sieben Menschen teilnehmen, obwohl sie für zwölf Teilnehmer vorgesehen waren. Anders wäre der Mindestabstand nicht einzuhalten gewesen. Teilweise mussten Uhrzeiten verschoben werden. Bei Aquakursen war zu berücksichtigen, dass zwischen den Blöcken alles gereinigt werden musste – bis auf das Wasser.

Wie, würden Sie sagen, ist die VHS, sind die Dozenten damit zurechtgekommen?

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Baechler: Ich würde sagen, es hat doch alles ganz gut geklappt, sowohl die Kursleitungen als auch die Teilnehmenden haben gut mitgemacht. Irgendwann kam dann aber eben doch der zweite Lockdown und wir haben nach und nach immer mehr storniert und abgesagt – oder sind mit den Kursen online gegangen. Entweder haben das die Leiter selbst übernommen oder wir haben den Input gegeben.

Ließ sich das in vielen Fällen umsetzen, die Verlegung ins Digitale?

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Baechler: Wir haben versucht, kreativ zu sein, zum Beispiel haben wir neue Online-Yoga-Kurse mit einer kostenlosen Probestunde angeboten, damit die Leute erst mal schauen konnten, ob das etwas für sie Attraktives ist. Ich finde, das hat auch gut geklappt. Für andere Angebote kam Online-Unterricht einfach nicht infrage, da haben wir pausiert oder ganz storniert – je nachdem, wie weit der Kurs im Semester schon fortgeschritten war.

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Welche Konsequenzen haben Sie daraus für das neue Semester gezogen, das im Februar und März beginnt?

Baechler: Wir haben versucht, einigermaßen „normal“ zu planen, wobei wir zusammen mit unserem Vorstand entschieden haben, dass wir kein Programmheft herausgeben. Die des zweiten Semesters 2020 waren doch schnell veraltet – vieles, was darin angekündigt war, musste dann doch verschoben oder abgesagt werden, das war letztlich auch eine große Verschwendung von Aufwand und Papier. Wir haben gesagt, wir brauchen die Flexibilität, wir können uns nicht in der Art für sechs Monate im Voraus festlegen. Das machen wir natürlich ein Stück weit schon für viele Kurse, aber wir brauchen die Möglichkeit, kurzfristig neue Angebote und Vorträge einzurichten – sei es online oder im Präsenzunterricht, sobald es wieder geht.

Wie kommen die Nutzer stattdessen an die Informationen über die Angebote der VHS?

Baechler: Statt eines Programmhefts haben wir uns entschieden, Prospekte aufzulegen. Die ersten lagen am Samstag der SZ/HTZ in den Mitgliedsgemeinden bei. Darin nennen wir exemplarisch einige Kurse der verschiedenen Fachbereiche, damit die Leute wissen, was wir alles anbieten – und wir verweisen auf unsere Homepage. Dort stehen alle Kurse tagesaktuell, und die Kolleginnen von der Geschäftsstelle beraten telefonisch oder per E-Mail. Ein persönlicher Kontakt ist derzeit nicht möglich wegen der Pandemie, die Geschäftsstelle ist für Besucher geschlossen. Wir versuchen auch, über Pressemitteilungen ausführlich zu informieren, um die Nutzer kurzfristig zu erreichen. Aber unsere Homepage ist beim aktuellen Stand unser zentrales Werbe- und Kommunikationsmittel.

In welchem Turnus setzt die VHS Impulse mit ihren Prospekten?

Baechler: Der zweite soll Ende März erscheinen, der nächste im Mai. Wenn also im März oder April alles wieder gut sein sollte – wovon ich gerne ausgehen würde – können wir die Kurse kurzfristig einrichten und über den Prospekt im Mai auch bewerben. Unser Ziel ist es, während des Semesters regelmäßig an die Volkshochschule zu erinnern und die Leute auf die Homepage zu locken. Mal sehen, wie das angenommen wird.

Wie stark wird denn die Online-Anmeldung oder -Information generell genutzt?

Baechler: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich viele Leute schon online anmelden. Wir haben auch Kurse, die seit vielen Semestern laufen, dazu melden sich die Teilnehmer immer wieder an, ohne ins Heft zu schauen. Da genügt ihnen ein Anruf, um auch beim nächsten Durchgang wieder dabei zu sein.

Schließen Sie dann in der momentanen Ungewissheit Verträge mit Dozenten ab, die quasi auf Standby bleiben für den Fall, dass ihre Kurse stattfinden können?

Baechler: Das machen wir teilweise schon. Einige Kurse wurden auch pausiert oder komplett abgebrochen. Man kann nicht davon ausgehen, dass der Lockdown am 14. Februar endet und am 15. schon wieder Präsenzkurse starten. Verschiebungen sind immer mit viel, viel Arbeit für die Kolleginnen in der Geschäftsstelle verbunden: Neue Termine vereinbaren, alles eintragen, die Teilnehmer informieren – und dann klappt es vielleicht kurzfristig doch nicht. Wir schauen lieber, dass wir nach Möglichkeit Anfang März vorsichtig wieder starten.

Ist es schon häufiger zu solchen Verschiebungen gekommen?

Baechler: Im jetzt erschienenen Prospekt, den wir bereits im Oktober und November konzipiert haben, stehen einige Kurse, die im Februar hätten starten sollen. Das können wir natürlich nicht einhalten. Aber wir haben die Bitte an die Nutzer, dass sie sich trotzdem jetzt schon anmelden, damit wir wissen, dass Interesse besteht oder schon einen Teilnehmer-Kern haben, wenn die Voraussetzungen zum Start vorliegen. So können wir besser planen und wissen, wen wir kontaktieren können, wenn die neuen Termine feststehen – oder doch online stattfinden. Ich würde mich freuen, wenn sich die Leute trotz der Unsicherheit jetzt schon anmelden könnten.

Gibt es Besonderheiten, die Sie jetzt schon nennen können?

Baechler: Das Frauenforum der VHS feiert sein 50. Semester. Es sollte auch im Februar starten, das wird leider nicht möglich sein, aber wir werden rechtzeitig neue Termine durchgeben, sobald sie feststehen.

Haben Sie manche Angebote generell „auf Eis gelegt“, für die die VHS Sporthallen reservieren müsste?

Baechler: Wir haben grundsätzlich alles geplant, gerade auch die Sport- und Gymnastikkurse, von denen wir bereits wissen, dass sie im Februar nicht werden stattfinden können, schon gar nicht in den Schul-Hallen. Auch hier wären wir für Anmeldungen dankbar, damit wir schneller reagieren können. Unsere Strategie war bewusst nicht abzuwarten, bis alles wieder gut ist und dann zu planen anzufangen, weil uns so viel Unterrichtszeit entgehen würde.

Das heißt, Sie stehen lieber länger in den Startlöchern?

Baechler: Wir wollen gerne so früh wie möglich starten und alles mitnehmen, was irgendwie geht. Das kommt auch durch die Erfahrung des letzten Semesters, in dem uns nur sehr wenig Kurszeit blieb bis zum zweiten Lockdown – auch wenn das besser als nichts war.

Haben Sie auch Kurse von vornherein als Onlinekurse konzipiert, damit sie in jedem Fall stattfinden können?

Baechler: Ja, manche Kursgruppen haben von sich aus online weitergemacht, da hatten die Dozenten sehr schnell reagiert und eine Lösung gefunden, die für alle akzeptabel war. Wahrscheinlich wird das im neuen Semester auch so sein. Nun sind auch die ersten Online-Vorträge erfolgreich gelaufen. Im Dezember hatten wir 20 Teilnehmer. Das war ein großer Erfolg. Natürlich ist die Gruppendynamik eine andere.

Gerade bei Vorträgen entgeht den Teilnehmern ja bei einem Online-Angebot eigentlich nichts?

Baechler: Natürlich würde ich Präsenzvorträge bevorzugen. Aber ich finde, online hat auch etwas. Gerade im Winter, wenn es kalt und abends früh dunkel ist. Man kann im Pyjama auf der Couch sitzen, den Vortrag hören und dabei Tee trinken.

Gibt es Dozenten, die grundsätzlich bereit sind, ihre Kurse online statt in Präsenz anzubieten, um unabhängig von Corona-Beschränkungen zu sein?

Baechler: Viele Fremdsprachenkurse haben in Präsenzunterricht begonnen und sind dann online weitergeführt worden, das ging problemlos. Es ist immer gruppenabhängig: Manche möchten es nicht, andere sind eher bereit. Für die Kursleitung ist es natürlich mehr Aufwand. Meine Wahrnehmung ist, dass online nicht gleich online ist. Eine Befürchtung in diesem Zusammenhang ist, das Angebot könnte austauschbar werden gegen andere Anbieter im Netz.

Was sagen Sie persönlich dazu?

Baechler: Ich glaube nicht, dass das so ist. Am Ende ist die örtliche Volkshochschule doch wichtig für die Leute, selbst wenn sie online geht. Es sind feste Gruppen da, die seit Semestern zusammen lernen, und das wollen sie auch weiter tun, wenn sie sich gerade nicht treffen können. Sie fühlen sich der Einrichtung trotzdem verbunden.

Im August haben Sie gesagt, 80 Prozent der Kurse und Veranstaltungen des ersten Semesters 2020 seien Corona zum Opfer gefallen. Können Sie das auch für das zweite Semester beziffern?

Baechler: Das ist in Zahlen schwer zu sagen. Zuletzt lief tatsächlich nicht viel bis auf die Online-Vorträge. Wir hoffen, dass nach den Faschingsferien wieder mehr stattfinden kann. Was ich sagen kann: Zum Anmeldestart im September 2020 waren wir überwältigt, wie viele Anmeldungen kamen. Das hat uns gezeigt: Die Leute wollen lernen und zu uns kommen, „ihren“ Volkshochschulkurs besuchen. Das war eine sehr schöne Erkenntnis für uns, dass Corona diesen Wunsch nicht besiegt hat.

Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer