Was ist heute schon normal?

Matthias Mühleisen macht sich Gedanken über Sprachschöpfungen

Von 
Matthias Mühleisen
Lesedauer: 

Der von der Bundesregierung kreierte Begriff „neue Normalität“ hat das Zeug, sich für lange Zeit im Sprachgebrauch einzunisten. Er bringt anschaulich auf den Punkt, wie sehr die Konsequenzen der Corona-Pandemie unseren Horizont überschreiten und uns zwingen, uns das Unvorstellbare nicht nur vorzustellen, sondern auch gleich umzusetzen.

AdUnit urban-intext1

Denn was normal ist, muss ja eigentlich schon eine Weile bestehen, ist also alles andere als neu. Doch tatsächlich werden für uns derzeit ständig Dinge normal, die wir uns vor ein paar Wochen nicht hätten vorstellen können – etwa fünf Wochenenden am Stück nicht auszugehen, gewisse Hygieneartikel einer Währung gleichzusetzen, Reisepläne irre zu finden oder Pyjamatragerekorde aufzustellen, weil ja eh kein unverhoffter Besuch vor der Tür stehen kann.

Mal sehen, was unter die Rubrik neue Normalität künftig noch alles fällt: Maskiert rumlaufen hat gute Chancen, lange Haare ebenso, wenn die Friseure noch eine Weile Zwangspause haben. Vielleicht können wir demnächst auch auf Wochentage verzichten, weil ein Tag sowieso verläuft wie der andere?

Schön wäre es, wenn die alte Normalität nicht allzu lange eingemottet werden müsste. Mit der Zeit verliert schließlich auch das Neue seinen Reiz. Und die alte musste schon was Positives zu bieten haben, um sich den Status zu verdienen.

Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer