Grüne - Der Speyerer Stadtwald ist suspendiert / Auditoren haben das FSC-Siegel entzogen Weckruf für den Forstbetrieb?

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zg
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Speyer. Schon lange gibt es tiefgreifende Unstimmigkeiten zwischen der Fraktion der Grünen, der Oberbürgermeisterin und den Stadtratsfraktionen zur Behandlung des Speyerer Waldes. Die Grünen tragen seit vielen Jahren massive Überschreitungen des planmäßigen Hiebssatzes und andere eklatante Verstöße gegen das Gebot der Nachhaltigkeit vor. Durch schwere Forstmaschinen werden Waldböden zerstört, bedrohte Tier- und Pflanzenarten vernichtet und gegen zahlreiche Grundsätze einer schonenden Waldbehandlung verstoßen, heißt es in einer Mitteilung der Partei.

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Diesem Treiben habe nun der Gemeinde- und Städtebund einen Riegel vorgeschoben und als Eigner des Gruppenzertifikates von FSC den Forstbetrieb Speyer wegen permanenter Verstöße gegen das Prinzip der Nachhaltigkeit mit sofortiger Wirkung suspendiert. Für die Grünen ein notwendiger Weckruf für Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler, die staatlichen Forstbeamten und für den Stadtrat, der alle Warnsignale in den Wind geschlagen habe.

FSC Deutschland ist ein Gütesiegel für eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung. Die angeschlossenen Forstbetriebe verpflichten sich zur Einhaltung von ökologischen und sozialen Mindeststandards und können ihr Holz im Gegenzug mit dem FSC-Siegel verkaufen. In Rheinland-Pfalz ist der Gemeinde- und Städtebund Inhaber des Gruppenzertifikates und erteilte für 136 Kommunalwälder im Land Einzelzertifikate. Ab sofort gehört die Stadt Speyer nicht mehr in diesen Kreis. Der Forstbetrieb wurde mit sofortiger Wirkung suspendiert. Es drohte ein Szenario, dass alle 135 Kommunen ihr Zertifikat verlieren, wenn die Trennung von Speyer nicht vollzogen wird.

Von wegen klimastabil

Noch vor wenigen Wochen habe sich der Forstbetrieb an der Seite von OB Seiler mit dem nun widerlegten Spruch gebrüstet: „So sieht ein klimastabiler Wald aus.“ Es bedürfe keines forstwissenschaftlichen Studiengangs, um zu wissen, dass ein ausgeplünderter Wald leider nicht klimastabil sei, sagen die Grünen. Die Waldwirtschaft in Speyer habe ihren unrühmlichen Tiefpunkt gefunden.

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„Es wird viel Arbeit auf Umweltdezernentin Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) zukommen, um diesen Makel zu beheben und die Stadt wieder auf den Weg einer ordnungsgemäßen und nachhaltigen Waldwirtschaft zurückzuführen“, heißt es weiter in der Pressemitteilung. Ziel müsse es sein, einen Nachweis für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Waldökosystemen zurückzuerhalten. Dies setze die Schließung der zahlreichen von einem unabhängigen Auditor festgestellten Abweichungen einer fachgerechten Waldwirtschaft voraus.

Neben der Verletzung des Nachhaltigkeitsgebotes bei eine Hiebmaßnahme an der Iggelheimer Straße, als 139 Prozent der nachhaltig möglichen Holzmenge entnommen worden sei, sei die fehlende Sensibilität gegenüber den Erfordernissen des Artenschutzes ins Visier der Auditoren geraten. Kein Verständnis hatten die Experten auch für das fehlende Biotopbaumkonzept. Hier notiert der zuständige Fachmann in seinem Bericht, dass die vom Forstbetrieb „vorgelegten Dokumente nicht geeignet sind, die Abweichung zu schließen.“ zg