Hockenheimring - Geschäftsführer Jorn Teske und Jochen Nerpel sprechen von Austausch, nicht Anfrage oder Verhandlungen mit Veranstalter Liberty Media Wenn die Formel 1 auf den Ring kommen will, muss sie Geld einbringen

Von 
Matthias Mühleisen
Lesedauer: 
Der britische Formel-1-Pilot Lewis Hamilton (Mitte) von Mercedes AMG Petronas führt nach dem Start das Feld an am 31.07.2016 beim Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring. © Wolfram Kastl/dpa

Wenn sich Jorn Teske und Jochen Nerpel nicht einen Rest Optimismus bewahrt hätten, könnten sie ihren im September angetretenen Job als Hockenheimring-Geschäftsführer gleich an den Nagel hängen. Hat doch die Corona-Pandemie den Rennsport derart ausgebremst und jegliche Einnahmequelle zum Versiegen gebracht. Ihre Zuversicht ist allerdings nicht so ausgeprägt, dass die beiden schon von einem Formel-1-Grand-Prix 2020 in Hockenheim träumen: Eine formale Anfrage von Liberty Media liege nicht vor, betonen die Geschäftsführer im Gespräch mit unserer Zeitung und sprechen lieber von Austausch.

AdUnit urban-intext1

Doch sie können nachvollziehen, dass der Ring beim Formel-1-Management als Ausweichlösung im Hinterkopf ist. Man kenne Hockenheim und könne sicher sein, dass alle Anliegen akribisch abgearbeitet werden, so dass der Aufwand gering sei, dazu komme die Lage mitten in Europa in einem Land mit einer guten Aussicht auf Besserung oder Genesung in der Corona-Situation, erklärt Jochen Nerpel.

„Exzellenten Job gemacht“

Der Hockenheimring habe in der Vergangenheit in der Formel 1 einen exzellenten Job gemacht und sich als verlässlicher, schneller und loyaler Partner erwiesen, ergänzt Jorn Teske: „Es erfüllt uns schon mit einem gewissen Stolz, dass zumindest darüber gesprochen wird.“ Dazu komme, dass im Motodrom im vergangenen Jahr das „Rennen des Jahrzehnts“ ausgetragen worden sei.

Eine Strecke, die eine solche Spannung verspricht, sei mit Sicherheit für die Veranstalter interessanter – selbst wenn dort nur für die Fernsehübertragung ein „Geisterrennen“ ohne Publikum ausgetragen werden sollte. Wobei noch völlig unklar sei, in welcher Form ein Grand Prix gestartet werden kann, ergänzt Teske.

AdUnit urban-intext2

Liberty Media spreche zunächst mit den Vertragspartnern, die im ursprünglichen Kalender standen und die nun sehen müssten, wo sie mit ihren Rechten und Pflichten bleiben. Sollte tatsächlich eine konkrete Anfrage kommen, werde die Ring GmbH darauf verweisen, dass sie zunächst eine verbindliche Rechtsgrundlage brauche. „Für uns stehen Aspekte wie Gesundheit und Sicherheit ganz weit oben“, unterstreichen die Geschäftsführer. Solange in Deutschland nicht klar definiert sei, was als Großveranstaltung gilt, seien keine verbindlichen Aussagen möglich, wie gefahren werden kann.

„Auf Einnahmen angewiesen“

Dass die finanziellen Konditionen für ein eventuelles Gastspiel unter komplett anderen Vorzeichen als in der Vergangenheit verhandelt werden würden, versteht sich. Jochen Nerpel stellt klar: „Wir müssen damit Geld verdienen.“ In einer Saison, die wenn überhaupt Mitte August beginnt, sei der Kalender auch ohne die Formel 1 zu füllen. „Wir sind auf Einnahmen angewiesen und Gespräche hätten nur Sinn, wenn wir zumindest die Einnahmen hätten, die wir bei der normalen Tagesvermietung erzielen.“

AdUnit urban-intext3

Jorn Teske ergänzt: „Die Formel 1 kannte unseren Standpunkt schon vor der Corona-Krise. Wir waren schon in der Vergangenheit nicht bereit, Verträge abzuschließen, die uns ein großes Risiko bringen würden.“ Dass man nun, wo der Ring jeden Cent brauche, nicht über ein klassisches Veranstaltermodell sprechen könne, dürfe jedem klar sein.

AdUnit urban-intext4

Zu allen virusbedingten Turbulenzen ist noch Unsicherheit über die Zukunft der DTM hinzugekommen, nachdem Audi seinen Ausstieg aus der Serie zum Ende der Saison angekündigt hat. Darüber, ob das bereits Auswirkungen auf den für 6. bis 8. November in Hockenheim terminierten Abschluss hat, wollen Teske und Nerpel nicht spekulieren. Generell sei der Ausstieg aber ein „harter Brocken“ für die Serie. mm

Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer