Landwirtschaftsserie (2) - Agrarwissenschaftlerin Lisa Rinklef sieht ihre Zukunft im Bio-Anbau / Schwierige Planung der Fruchtfolge / Investitionen in Technik Wenn Kollege Roboter das Unkraut hackt

Von 
Ulrike van Weelden
Lesedauer: 
Bio-Bäuerin Lisa Rinklef mit ihrer belgischen Schäferhündin Wanja vor dem neuen, neun Meter breiten Unkrautstriegel, den die Rinklefs extra für den Bio-Getreide-Anbau gekauft haben. © Van Weelden

Region. Von wirtschaftlichem Wachstum ist bei Lisa Rinklef noch nichts zu sehen. Die Landwirtin aus Hockenheim ist froh, wenn sie die Jahre 2017 und 2018 mit einer schwarzen Null abschließen kann. Grund: Ihre 33 Hektar, die sie vom Land Baden-Württemberg gepachtet hat, hat sie auf Bio-Anbau getrimmt.

Der Betrieb Rinklef

Bio-Bäuerin Lisa Rinklef betreibt ihren Hof im Siegelhain 5 auf Gemarkung der Stadt Hockenheim.

Fläche: 33 Hektar.

Personal und Maschinen: Der Betrieb läuft in Kooperation mit Rinklef Landschaftspflege.

Produkte: Mais, Winterweizen, Zuckerrüben, Kürbis, Sellerie, Ackerbohnen, Apfelsaft.

Vertrieb: Raiffeisengenossenschaft, Südzucker, Bio-Kreisverband, Bio-Läden, Direktverkauf. uvw

AdUnit urban-intext1

Während der zweijährigen Umstellung fallen bereits deutlich höhere Kosten an als in der konventionellen Landwirtschaft. Aber die Erzeugnisse dürfen – in dieser Phase – noch nicht als Bio-Produkte für den Endverbraucher vermarktet werden. Nach der Erntebilanz 2019 hofft die 31-Jährige aber jetzt auf aussagekräftige Zahlen zum Abschluss des Geschäftsjahres im Sommer 2020. Was ihr momentan zu schaffen macht, sind die Entscheidungen zur Fruchtfolge. „Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft muss ich zwei Jahre im Voraus planen. Man kann völlig daneben liegen, wenn die Absatzmärkte – zum Beispiel für Sojabohnen – dann wegbrechen oder gesättigt sind.“

Regionalität senkt Fußabdruck

Auf den Äckern hatte die Jungbäuerin im vergangenen Jahr Winterweizen und Mais angebaut. Das Getreide kaufte die Raiffeisengenossenschaft als Viehfutter auf. Speisekürbis und Knollensellerie vermarket sie über die Plattform des Bio-Kreisverbands. Der Apfelsaft von den Streuobstwiesen geht direkt zum Endverbraucher an Bio-Läden und ist beispielsweise beim Rewe-Markt in Ketsch zu finden. „Die Bio-Zuckerrüben sind eine Nische mit Potenzial“, weist Lisa Rinklef auf ihren Abnehmer, die Firma Südzucker hin.

Das Unternehmen will das Segment Bio-Zucker mit regionaler Herkunft ausbauen. „In fast allen Bio-Produkten befindet sich Rohrzucker aus Südamerika. Das ist aber wegen der CO2-Bilanz ökologisch sehr umstritten und unsere Chance.“ An dieser Stelle gibt sie den Käufern von Bio-Produkten noch einen Tipp: „Bitte schaut genau auf die Herkunft der Produkte. Lasst euch nicht von schönen Namen und großartigen Verpackungen irreleiten.“ Als Beispiel nennt sie Bio-Leinsamen aus Kasachstan – angeblich von einem namhaften Mühlenbetrieb in Aalen.

AdUnit urban-intext2

Ziemlich früh zeichnete sich Lisa Rinklefs Berufsweg ab: Nach der Realschule wechselte sie auf das Agrargymnasium in Ettlingen. Nach einer Ausbildung als Gärtnerin studierte sie Agrarwissenschaften an der Universität Hohenstein und an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. „Ich bin ein typisches Draußenkind“, kommentiert sie ihre Berufswahl. „Aber weitermachen wie bisher, das ging gar nicht. Das wollte ich auch nicht“, erklärt sie ihren Schritt zur ökologischen Landwirtschaft mit Gründung eines Einzelunternehmens.

Zeit zum Ausprobieren

„Im Bio-Anbau ist alles neu“, blickt die überzeugte Vegetarierin auf die „Such- und Findephase“ der vergangenen Monate zurück. Was baue ich an? Welche Absatzwege und Märkte gibt es, um die Erzeugnisse an Frau oder Mann zu bringen? „Ich will mich entwickeln, will langsam wachsen und Zeit zum Ausprobieren haben“, betont Lisa Rinklef den Unterschied zur elterlichen, konventionellen Landwirtschaft von Birgit und Karl Rinklef.

AdUnit urban-intext3

Dieser Betrieb befindet sich ebenfalls im Hockenheimer Siegelhain und wurde im Rahmen des Aussiedlerprogramms Ende der 1960er Jahre schon vom Opa gegründet. 88/89 kam die Landschaftspflege hinzu. So konnte während der ruhenden Feldarbeit im Winter die Zeit genutzt und die Landmaschinenauslastung zusätzlich gesteigert werden.

Transformation durch Kooperation

AdUnit urban-intext4

Als Nutznießerin greift die junge Biobäuerin nicht nur auf den elterlichen Maschinenpark zurück, sondern auch auf die beiden festangestellten Landarbeiter des Landschaftspflegeunternehmens – natürlich gegen Rechnung. Mit dieser Verzahnung von Technik und Know-how leitet Lisa Rinklef den Transformationsprozess beim Übergang von der zweiten in die dritte Generation in dem bäuerlichen Familienbetrieb ein. Dieses Rinklef-Modell könnte sich als beispielhaft herausstellen. So verbessern die höheren Margen im Bio-Anbau die Erlössituation – und somit das Überleben des Unternehmens.

Der Druck auf die Landwirtschaft ist groß: „Die Gesellschaft hat sich an Lebensmittel zu günstigen Preisen gewöhnt. Zugleich erwartet sie, dass der ökologische Fußabdruck möglichst klein ist.“ Außerdem sprechen die Autoren in der Denkschrift „Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft nachhaltig sichern“ von der Bosten Consulting Group (veröffentlicht im November 2019) die „sozial enkeltaugliche Kompetente“ an: Angemessene Arbeitsbedingungen garantieren, die Attraktivität des Berufsfeldes bewahren und gesellschaftliche Anerkennung erhalten.

Leider hinkt die Attraktivität des Berufsbildes Landwirt/Landarbeiter dem Bedarf an Arbeitskräften weit hinterher. „Wir haben ein großes Problem, gute Leute zu finden“, stellt Lisa Rinklef fest. Im Oktober 2019 sei es endlich gelungen, einen Kollegen aus Bosnien einzustellen. Und zwar durch den Urtyp des Netzwerkens: „Durch mein Engagement im Hundesportverein habe ich die Tante jenes Bosniers kennengelernt, der jetzt bei mir arbeitet. Nach einem erfolgreichen Praktikum dauerte es noch 18 Monate, bis die Behörden der Einstellung zustimmten“, weist sie auf die rechtliche Hürde hin, mit der ein Nachweis erbracht werden muss, dass kein Deutscher für diesen Job zur Verfügung stehe.

Die Tätigkeiten in der Landwirtschaft sind sehr zeitintensiv. Vieles ist nur von Hand zu erledigen. Weil es an Arbeitskräften mangelt, „müssen wir dringend in Technik investieren“, betont die 31-Jährige. Als Beispiel nennt sie das Unkrautentfernen durch Hacken. Ende April/Anfang Mai kam deshalb jetzt erstmals auf ihren Bio-Zuckerrübenfeldern ein Hackroboter von Bosch zum Einsatz. „Ich wollte den unbedingt ausprobieren“, freut sich Lisa Rinklef über das Angebot, das das Unternehmen Südzucker organisiert hat.

Die Kosten für den Robotereinsatz betragen 1200 Euro pro Hektar. „Das ist natürlich ein hoher Betrag“, meint die Bio-Bäuerin. „Allerdings ist in der Bezahlung für die Dienstleistung auch eine Garantie enthalten – für Pflanzenverluste oder falls die Flächenleistung beim Unkrautentfernen zu gering ist und man anschließend noch mit der Hand hätte nacharbeiten müssen.“