Abelein sieht Pflegeeinrichtungen in der Pflicht

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Caroline Scholl
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Gerhard Abelein appelliert an die Senioren, die Möglichkeit der Impfung zu nutzen. Denen, die dabei Unterstützung brauchen, müsse geholfen werden. © Scholl, dpa

Ketsch. „Zunächst brauchen wir alle mit Sicherheit noch etwas Geduld, doch die Hoffnung, dass wir diese Pandemie überstehen, die habe ich ganz sicher“, eröffnet Gerhard Abelein das Gespräch mit unserer Zeitung. Als ehemaliger Leiter mehrere Pflegeeinrichtungen im Umkreis, hat der 75-Jährige mehrere Blickwinkel auf die aktuelle Situation. Zum einen durch sein Berufsleben, dann als ehrenamtlicher Helfer im Pflegeheim Sandhausen und auch selbst als Senior in der Enderlegemeinde.

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„Mittlerweile, auch wenn es etwas gedauert hat, ist es sehr positiv, dass nun seitens der Gemeinde Hilfestellung zum Thema Impfen gegeben ist. Nun bleibt zu hoffen, dass auch viele Senioren diese Hilfe in Anspruch nehmen, wenn aus dem persönlichen Umfeld keine Unterstützung möglich ist“, betont Abelein.

Von vielen Senioren habe er gehört, dass diese aktuell kaum mehr das Haus verlassen und sich isolieren. Die Angst, sich anzustecken beschäftige viele ältere Menschen. Dabei sei zu befürchten, dass diese Gruppe nicht erreicht wird, obwohl möglicherweise eine große Bereitschaft gerade zum Thema impfen da wäre.

„Wenn die Senioren keine Signale senden, dann ist es schwierig zu helfen. Hier wäre es doch schön, dass Mitmenschen aus welchem Umfeld auch immer - seien es Vereine oder Initiativen - die vielleicht um diese Personen wissen und sie kennen, einfach mal ein Blick darauf werfen, ob Hilfe benötigt wird“, überlegt der engagierte ehemalige Vorsitzende der Sportgemeinschaft 06.

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Für ihn, so beschreibt er es im Gespräch, sei immer die Betrachtung von beiden Seiten wichtig. Auch im Bereich Pflegeeinrichtungen: „Im Pflegeheim Sandhausen, wo ich ehrenamtlich engagiert bin, steht beispielsweise am Sonntag, 31. Januar, der zweite Impftermin für die Bewohner und die Pflegekräfte, die geimpft werden möchten, an. Die nötigen Zustimmungen kamen sehr zeitnah zusammen, so dass im Vergleich dort relativ schnell ein Termin mit dem mobilen Impfteam zustande kam. 83 Prozent der Pflegekräfte und 96 Prozent der Bewohner stimmten einer Impfung zu, was die hohe Impfbereitschaft zeigt“, resümiert Abelein.

Die große Chance nutzen

Er selbst habe sich als ehrenamtlicher Helfer in der Einrichtung ebenso impfen lassen. „Für mich stand dies überhaupt nicht zu Diskussion. Ich sehe die Impfung als große Chance für alle und habe wenig Verständnis dafür, wenn man diese nicht nutzt. Natürlich sind auch weiterhin die Maßnahmen einzuhalten, um sich und andere zu schützen. Wo ich allerdings meine Bedenken habe, ist, wenn von einer Impfpflicht gesprochen wird. Jeder sollte am Ende für sich selbst entscheiden können und auf bestimmte Berufsgruppen sollte hier keinerlei Druck ausgeübt werden“, erklärt der Wahlketscher bestimmt.

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„Was ich mir ebenso wünschen würde, wäre perspektivisch, dass es bald Impfstoffe gäbe, die von den Hausärzten verabreicht werden könnten, dass würde viele gerade für Senioren vereinfachen. Was ich ebenso als Ansatz sehe sind die ambulanten Pflegedienste, die ja zu den betroffenen Personengruppen Kontakt haben. Ob diese aktuell zum Beispiel beim Thema Impfterminvereinbarung Hilfestellung geben können, mag ich nicht beurteilen, aber es wäre sicher sinnvoll, wenn hier die Möglichkeiten klar geregelt wären“, so Gerhard Abelein. Ideen zur Hilfe seien vorhanden, Möglichkeiten auch, jetzt gelte es dieses zu nutzen.

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In einem früheren Gespräch unserer Zeitung mit Bürgermeister Jürgen Kappenstein erläuterte der Rathauschef, dass die Verwaltung bei der konkreten Vereinbarung von Impfterminen keine Hilfestellung leisten könne (wir berichteten).

Seniorenbüro hilft jetzt doch

Zwischenzeitlich meldete sich Michaela Issler-Kremer vom Seniorenbüro und informierte, dass sie für Fragen zum Thema - inklusive der Unterstützung bei Buchung eines Termins - als auch zur Erreichbarkeit des Impfzentrums mit dem öffentlichen Personennahverkehr oder über Taxiunternehmen zur Verfügung stehe.

Prinzipiell solle aber die Familie und das nahe Umfeld bei der Terminvereinbarung helfen, heißt es in der aktuellen Nachricht des Seniorenbüros.

Eine Grafik mit den aktuellen Corona-Zahlen gibt's hier: