Handball-Bundesliga Frauen - Ketsch unterliegt nach schwachem Beginn Halle-Neustadt mit 23:30 / Sonderlob für Jule Haupt Bären wachen zu spät aus Tiefschlafphase auf

Von 
Maximilian Wendl
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Machtlos verfolgt Adrian Fuladdjusch den Auftritt seiner Mannschaft. © Bamberger

Mit einer Tiefschlafphase in den ersten 20 Minuten der Partie gegen den SV Union Halle-Neustadt haben sich die Kurpfalz-Bären jeglicher Chancen auf den zweiten Saisonsieg in der Handball-Bundesliga beraubt. Haten sie in den Vorwochen einen möglichen Erfolg häufig erst in den Schlusssequenzen aus der Hand gegeben, stand gegen die „Wildcats“ bereits nach dem Stand von 5:13 fest, dass es mit einem Positiverlebnis nichts werden würde. Immerhin: Ketsch zeigte Moral, gestaltete die zweite Halbzeit ausgeglichen und unterlag am Ende optisch vertretbar nur 23:30 (9:16).

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Nach den ersten Minuten mussten die wenigen Helfer, die in der Halle sein durften, und die Fans daheim an den Endgeräten aber große Sorgen haben, dass die Partie einen ähnlichen Verlauf wie bei der 15:29-Hinspielpleite nehmen würde. Im Kopf des Trainers Adrian Fuladdjusch kamen diese Gedanken nicht hoch. Er sagte nach der missglückten Revanche: „Wir haben darüber im Vorfeld kurz gesprochen, aber das spielte während der Partie keine Rolle. Für mich war es wichtig, dass die Mannschaft nach der zweiten Auszeit in der ersten Halbzeit eine ordentliche Reaktion gezeigt hat.“

Viele Chancen nicht verwertet

Bären – Halle-Neustadt 23:30

Bären: Wiethoff, Moormann; Goudarzi, Feiniler (1), Haupt (3), Sommerrock (2), Marmodee, Fackel (5/1), Möllmann (2), Reuthal, Engelhardt (3), Eckhardt (4/2), Winnewisser, Herrmann, Brand (3).

Beste Spielerinnen: Moormann, Fackel – A. Gudelj, Heimburg.

Schiedsrichter: Rosana Sug/So-phia Janz. – Zuschauer: keine. mjw

In Aktion war in den ersten Minuten ausschließlich der Gast aus Sachsen-Anhalt. Über die Stationen 0:2 und 1:4 griff Fuladdjusch nach sechs Minuten zum ersten Mal zur Time-out-Karte. Sophie Lütke lenkte für Halle-Neustadt das Spiel und die Bären waren immer mindestens einen Schritt zu weit weg. In der Offensive fühlten sich die Gastgeberinnen nicht wirklich wohl. Das lag mitunter auch daran, dass der Coach überraschend das taktische Hilfsmittel der siebten Feldspielerin zunächst nicht nutzte. Er erklärt: „Inzwischen ist es in der Liga bekannt, dass wir damit agieren. Ich wollte einen neuen Reiz setzen. Wir hatten auch die Möglichkeiten.“

Das Problem: Einmal mehr ließ Ketsch zu viele Chancen aus. Er schiebt das auf die semiprofessionellen Bedingungen in Ketsch: „Im Training haben die Spielerinnen ausreichend Zeit zum Werfen. Die Wiederholungszahl, die Profis in den Einheiten haben, ist dagegen deutlich höher und deswegen haben die Abschlüsse des Gegners manchmal eine andere Qualität.“

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Bis zur zweiten Auszeit nach 20 Minuten war es ein Klassenunterschied, der deutlich sichtbar war. Der Aufsteiger dominierte nach Belieben und hatte auf alles eine Antwort. Dank der eingewechselten Bären-Schlussfrau Leonie Moormann hielt sich der Rückstand in Grenzen und in der Offensive brachten Samira Brand und Saskia Fackel Schwung ins Spiel. Auch in der Abwehr packte das Schlusslicht nun beherzter zu, die Partie war aber längst entschieden.

Ein Lichtblick: Jule Haupt erhielt Einsatzminuten und machte ihre Sache im linken Rückraum ordentlich. Mit einigen guten Anspielen und drei Treffern verdiente sie sich auch das Lob ihres Trainers. Auf der Gegenseite darf sich Katrin Welter (Anm. d. Red.: geborene Schneider) auf eine starke Mannschaft freuen, die einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht hat. Die ehemalige Spielerin und Trainerin der Bären übernimmt Halle-Neustadt ab der kommenden Saison.

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Ein Wiedersehen mit ihrem Ex-Club am Altrhein wird es aber wohl nicht geben. Obwohl rechnerisch der Klassenerhalt noch möglich ist, glaubt Fuladdjusch nicht mehr an die Rettung. „Es wird immer wieder solche Phasen geben wie zu Beginn der Partie. Das muss man der jungen Mannschaft zugestehen. Wenn wir im kommenden Jahr gegen andere Teams spielen, die ebenfalls nur drei Mal die Woche trainieren, wird man sehen, wohin die Reise geht.“ mjw

Redaktion Maximilian Wendl ist freier Mitarbeiter vor allem im Bereich Sport. Er betreut unter anderem den SV 1916 Sandhausen (Fußball), die Kurpfalz-Bären (Frauenhandball) und die HG Oftersheim/Schwetzingen (Männerhandball). Außerdem ist er Experte für Motorsport.