Geschäftsleben - In der Zwangspause haben die zahlreichen Wirte im Ort lukrative Feiertage verpasst / Traditionsreiches Gasthaus „Adler“ ist eines von ihnen Blick richtet sich zuversichtlich nach vorn

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Caroline Scholl
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Die Vorfreude steht Ihnen ins Gesicht geschrieben, im Außenbereich des „Adler“ freuen sich Sabine und Ulrich Stecker darauf, die Gäste in der schönen Kulisse bald begrüßen zu dürfen. © scholl

Ketsch. In den verschiedenen Lokalen der Enderlegemeinde besteht ab Montag wieder die Möglichkeit, Gäste willkommen zu heißen. Wir haben beispielhaft für alle bei einer Wirtsfamilie nachgefragt, wie sie die Zwangspause wegen der Corona-Pandemie gemeistert hat und wohin die wirtschaftliche Reise mit welchen Beschränkungen jetzt geht.

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Die Rollläden waren teils zu und die Lichter aus. Auch im Gasthaus „Adler“ in der Schwetzinger Straße, einem der traditionsreichsten Lokale der Enderlegemeinde waren die Türen aufgrund der Verordnungen seit Mitte März geschlossen. Ab der kommenden Woche dürfen sich die vielen Stammgäste und Freunde des beliebten Restaurants wieder auf die Speisen und Getränke bei Familie Stecker freuen.

Erleichterung bei den Inhabern und Vorfreude haben nun wieder Platz. „Die ganze Zeit, seit der coronabedingten Schließung aller gastronomischen Einrichtungen, beschäftigte uns vor allem eine Frage: Wie lange geht das Ganze?“, erinnert sich Sabine Stecker. Gemeinsam mit ihrem Mann Ulrich Stecker, der Tochter Meike und Schwiegersohn Tobias betreibt die Familie seit fast 25 das Gasthaus und verwöhnt dort Liebhaber von kulinarischen Genüssen.

Kurzarbeit für Mitarbeiter

„Als Mitte März das Ordnungsamt hier war, um uns mitzuteilen, dass selbst der Mittagstisch nicht mehr gestattet war, waren auch wir gezwungen, unsere vier Festangestellten in Kurzarbeit zu schicken – ein Schritt, der nicht leichtfällt, doch unsere Mitarbeiter zeigten Verständnis. Weiterhin haben wir im Betrieb einige Aushilfen, die nun auch nicht beschäftigt werden konnten und zwei Auszubildende“, beschreibt Stecker die Situation vor einigen Wochen. Man habe sich bewusst gegen die Umsetzung eines Lieferservice entschieden, da das gastronomische Konzept des „Adler“ einfach ein anderes sei.

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„Wirtschaftlich erschwerend kam hinzu, dass die Schließung gerade in eine Zeit gefallen ist, die für die Gastronomie eine sehr lukrative ist. Ostern, Muttertag, Kommunionen, Konfirmationen, Hochzeiten und die beginnende Spargelzeit, – alle diese Ereignisse sind im Jahreskalender eine stark gebuchte Zeit, das lässt sich nicht wirklich kompensieren. Außerdem fallen perspektivisch die Geschäftskunden weg, es gibt keine Tagungen und selten Geschäftsessen“, erklärt Stecker, der erfahrene Gastronom und Küchenchef. Besonders für Gastronomen, die gerade am Anfang stünden, viel investiert hätten und über wenige bis keine Reserven verfügten, bewertet er die Situation kritisch. „Wir haben über die Jahre gut gewirtschaftet und haben bei der Dehoga, den Banken und auch bei der Gemeinde in der Krise immer gute Ansprechpartner. So gelingt es besser, eine Krise durchzustehen“, bekräftigt der Wahlkurpfälzer, der seit vielen Jahren in Ketsch lebt.

Abstände sind einzuhalten

„Zahlreiche Gäste haben in der Zwischenzeit bei uns angerufen, einfach um zu fragen, wie es uns geht. Man hat einfach über die Jahre ein ganz persönliches Verhältnis aufgebaut“, sagt Sabine Stecker. Seit nun bekannt sei, dass es am Montag weitergehe, werde auch wieder reserviert. „Wir haben ausreichend Platz in unseren Gasträumen und im Außenbereich, um die vorgeschriebenen Mindestabstände einzuhalten. Idealerweise sollten die Gäste – wie eigentlich immer – telefonisch reservieren und müssen, solange sie nicht am Tisch sitzen, einen Mundschutzmaske tragen.“

Hoffen auf Themenabende

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Desinfektionsmöglichkeiten seien ebenfalls im Restaurant vorhanden und man lege den Gästen nah, die Personalien mitzuteilen, die dann nach vier Wochen wieder gelöscht würden. „Selbstverständlich appellieren wir an die Eigenverantwortung der Gäste, die uns nur dann besuchen dürfen, wenn sie selbst gesund sind und mit keinen Kontaktpersonen zusammen waren“, beschreibt Sabine Stecker die neuen Abläufe.

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Am Tisch dürfen Gruppen, laut Pressemitteilung des Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), dann zusammensitzen, wenn es sich um Personen aus dem Kreis der Angehörigen des eigenen sowie eines weiteren Haushaltes handelt.

„Da wir noch mitten in der Spargelsaison sind, bieten wir entsprechende Menüs an“, freut sich das Eehepaar. „Wir hoffen sehr, dass wir ab Herbst auch wieder unsere beliebten Themenabende anbieten können, doch dies ist selbstverständlich noch nicht absehbar“, führt Stecker weiter aus. Aktuell freut sich das Ehepaar Stecker, das in 35 Ehejahren und mit langer gastronomischer Erfahrung die persönliche Krisensicherheit sicher schon bewiesen hat, zunächst auf eines: dass es weitergeht.