KG Narrhalla - Die Planungen für die Kampagne 2020/21 liegen auf Eis / Wenn Veranstaltungen, dann in abgespeckter Version / Verein erlegt sich Kostensperre auf Coronavirus prüft des Narren Humor

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Marco Brückl
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Ihre Lieblichkeit Sanja I. verliest bei der Prunksitzung Anfang Februar ihr närrisches Motto und Präsident Dirk Berger unterstützt sie dabei – Sanja I. wird auch in der Kampagne 2020/21 die Prinzessin der Narrhalla bleiben. © Zeuner

Ketsch. Präsident Dirk Berger und Vorsitzender Gregor Ries verlieren ihren Humor nicht so schnell, so viel steht fest. Doch das Coronavirus stellte für die Funktionäre der Karnevalsgesellschaft Narrhalla schon eine Prüfung dar. Denn wie die großen Fasnachtsvereinigungen in Mannheim, Ludwigshafen oder Heidelberg sahen sich auch die Ketscher Karnevalisten dazu veranlasst, ihre Mitglieder über die kommende Kampagne 2020/21 zu informieren. „Es ist alles auf Eis gelegt, auch wenn noch nicht alles abgesagt ist“, sagt Gregor Ries. „Vielleicht können wir nächstes Frühjahr ein kleines Programm ohne viel Vorlauf auf die Bühne bringen. Aber das wird eine Größenordnung haben, die nicht mit den vergangenen Jahren vergleichbar ist“, sagt Dirk Berger.

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Sabine Zeuner
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Die beiden Vollblutfasnachter wollen „realistisch optimistisch“ bleiben. Und der realistische Part der beiden orientiert sich nach diversen Videochats innerhalb der Vereinsführung an den großen Karnevalsgesellschaften, die in der kommenden Kampagne auf eine Saal-Fasnacht verzichten werden. Auch ein Kurpfälzer Prinzenpaar werde es nicht geben, sagen Berger und Ries. Einerseits signalisiere man so, dass die Gesundheit aller über allem stehe, andererseits ergebe sich so Planungssicherheit.

Und die aktuelle Planungssicherheit gibt vor, dass ein Eröffnungsball oder eine Prunksitzung mit vielleicht 100 Gästen anstatt der üblichen, locker vierfachen Menge nicht die Einnahmen generiert, die man für eine normale Kampagne braucht. Die Abstands- und Hygieneregeln aufgrund der Corona-Bestimmungen haben auch schon dafür gesorgt, dass die KG Narrhalla auf ihr Hewwlfest verzichten musste. Die Veranstaltung ist zur Finanzierung einer Kampagne ebenso von Bedeutung wie das Oktoberfest – wenn es eines gibt.

„Wir haben die Bremse gezogen“, sagen Berger und Ries unisono. Die Kosten würden sonst aus dem Ruder laufen. Die KG Narrhalla habe beispielsweise bei der Bank einen Kredit für den Komiteewagen oder die Kostüme abzubezahlen. Etwa 11 000 Euro stehen da noch im Raum. Die KG hat bei der Bank eine Stundung der Kreditraten erbeten. Auch bei der Gemeindeverwaltung sei man vorstellig geworden, um die Raummieten erst einmal nicht mehr bezahlen zu müssen. Weiterhin wurden zuletzt insgesamt rund 17 000 Euro nötig, die die vielen Aktiven der Garden für Kostüme, sonstige Anschaffungen, Turniere oder Trainergelder aufwendeten. Für Jahresorden werden zwischen 5000 bis 7000 Euro ausgegeben. Doch wie soll dass alles funktionieren, wie sollen all diese Ausgaben gestemmt werden, wenn die Einnahmeseite nicht mitspielt?

Wie dramatisch ist die Situation?

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Die Ketscher Karnevalisten haben sich einen sofortigen Ausgabenstopp auferlegt. Das klingt schon ein wenig dramatisch – wie dramatisch ist die Lage der Narrhalla denn? „Wir gehen nicht unter“, sagt Gregor Ries, „aber damit ist nicht zu spaßen – wir haben keine Einnahmen, um die laufenden Kosten abzufedern“. Es sei aber freilich noch ein Polster vorhanden.

In diesem Zusammenhang loben Berger und Ries den Senat der KG Narrhalla ausdrücklich. Sofort habe der Senat signalisiert, dass er in dieser schwierigen Zeit bereitstehe. „Das ist schon sehr wichtig“, sagt Ries, „darüber sind wir sehr froh, sonst würden wir alt aussehen“, sagt Berger.

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Der Präsident und der Vorsitzende befinden sich wie jeder andere Gewählte auch weiterhin im Amt, obwohl es schon Vorstandswahlen bei der Generalversammlung hätte geben müssen. Das Registergericht in Mannheim habe signalisiert, dass die Amtsinhaber so lange aktuell seien, bis die Corona-Krise wieder eine derartige Zusammenkunft erlaube.

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Derweil hat sich Sanja I. bereit erklärt, auch für die Corona-Kampagne zur Verfügung zu stehen. Sollte es also zu repräsentativen Aufgaben und Gelegenheiten kommen, stünde die alte und neue Lieblichkeit gerne zur Verfügung.

Der Trainingsbetrieb, der für die über 100 Aktiven von Jung bis Alt via Internet stattfinde, werde bis 31. August wohl so verharren. Man habe jede Lockerung im Auge, um einen normalen Trainingsbetrieb so zeitig wie möglich zu gewährleisten.

Eine ähnliche Situation habe es nur 1991 mal wegen des Golfkriegs gegeben, sagt Berger – da sei die Fasnacht im Januar vollends abgesagt worden. Und da es keine Jahresorden gebe, bereite die KG zeitnah einen Wettbewerb vor, um einen solchen zu kreieren und dann auch selbst basteln zu können, sagt Ries.

Info: Mehr Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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