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Krieg in der Ukraine

„Die Hilfe darf nicht abreißen“

Ärztin Claudia Schiller und ihr Team bereiten eine weitere Fahrt vor

Von 
Caroline Scholl
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Die Ärztin Claudia Schiller (3. v. r.) mit Kinderchirurg Yurji Kruk (l. daneben) unter vielen anderen wird nicht müde, Hilfsgüter in die Ukraine zu bringen. © Schiller

Ketsch. Zum zweiten Mal hat sich die nicht mehr in Ketsch praktizierende, aber hier lebende Ärztin Claudia Schiller auf den Weg in die Ukraine gemacht. Dorthin brachte sie mit ihrem kleinen Team und unterstützt von ihrem großem Netzwerk, welches sich hauptsächlich in Mannheim zusammenfand, Hilfsgüter, die zuvor durch großzügige Spenden generiert wurden.

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„Wir sind bei unsrer vergangenen Fahrt der dringlichen Bitte des Kinderchirurgen Yurij Kruk aus Tscherwonograd gefolgt. Über dessen Patenkind, welches bei der BASF als Dolmetscherin beschäftigt ist, ist der Kontakt entstanden. Yurij Kruk wendete sich verzweifelt mit der Bitte um Unterstützung an uns, denn er ist in einer kleineren Klinik tätig, welche über keinerlei Material mehr verfügt, da die Hilfsgüter nur noch in den großen Kliniken in Kiew ankommen, jedoch die Landbevölkerung diese kaum mehr erreichen kann und die nahen Kliniken aufsuchen. Hier kann der Oberarzt nicht operieren oder die vielen verletzten Kinder behandeln“, erklärt Claudia Schiller im Gespräch mit unserer Zeitung.

Durch ihr Netzwerk und den Aufruf in unserer Zeitung (wir berichteten) gelang es Schiller, zwei Sprinter mit Hilfsgütern zu füllen. „Wir haben unter anderem ein Ultraschallgerät aus einer Praxissauflösung erhalten, die Uniklinik Mannheim spendete 500 Leichensäcke, die einen Wert von rund 70 000 Euro haben, die Mozart Apotheke in Oftersheim spendete eine große Menge an Medikamenten und zwei Notarztrucksäcke mit Sauerstoffflaschen konnten wir überbringen. Auch die Geldspenden waren sehr hilfreich, um weitere Materialien zu besorgen. Allen, die uns hier helfen sind wir sehr dankbar“, führt die Ärztin weiter aus.

Yura kann operiert werden

Nach einer 16 stündigen Fahrt wurde sie und ihr Team von Yurji Kruk und fünf seiner Kollegen Nahe der Grenze in der Ukraine empfangen und die Hilfsgüter konnten umgeladen werden. „Mir ist es wichtig zu wissen, dass die Hilfe ankommt, und im Nachgang haben wir zahlreiche Bilder aus dem Krankenhaus erhalten und gesehen, wie die Materialien verwendet wurden. Auch das Bild des zehnjährigen Yura haben wir erhalten, der Dank der Medikamente nach unserem Hilfstransport endlich operiert werden konnte“, berichtet Claudia Schiller ergriffen.

„Viele Ukrainer sind auf der Fahrt an unsere Sprinter gekommen und fragten, ob wir etwas beobachtet hätten oder irgendetwas berichten können , die Verunsicherung ist groß und die Informationslage sehr eingeschränkt“, so die hilfsbereite Ärztin.

„Wir werden solange wie nötig und möglich weitere Einsätze fahren, denn es fehlt überall und es wird immer schlimmer. Aktuell haben wir Kontakt mit dem Oberbürgermeister der Stadt Brody, die 90 Kilometer nordöstlich von Lemberg liegt. Er koordiniert die Hilfe vor Ort, verfügt über genaue Dringlichkeitslisten für Hilfsgüter und weiß, wo was genau gebraucht wird. Deshalb werden wir hier ganz gezielt helfen können, was allerdings logistisch anspruchsvoll ist, weil wir die Hilfsgüter schon entsprechend verpacken, damit keine Zeit verloren geht. Was allerdings überall dringend gebraucht wird, sind Rollstühle, Rollatoren, Krücken oder auch Pflegebetten jeglicher Art.“

Wenn diese Materialien privat, in Pflegeeinrichtungen oder auch Geräte aus Praxisauflösungen oder Umbauten verfügbar seien, „bitten wir um Meldung bei unserem Sanitäter Dominik Bach unter 0176/ 70 20 97 51, damit wir eine Abholung koordinieren können“, sagt Schiller. Außerdem werde weiterhin um Spenden aufs eigene Spendenkonto gebeten. Empfänger sei die Matthäus Kirchengemeinde Mannheim, Verwendungszweck Medizinische Hilfe Ukraine und gegebenenfalls die Angabe der eigenen Adresse für den Versand der Spendenquittung. „Wir sind dankbar für jede finanzielle Unterstützung unter der IBAN DE22 6705 0505 0030 1586 52.“

Auch wenn eine Firma vielleicht einen weiteren Sprinter für die nächste Fahrt zur Verfügung stellen könnte, wäre dies von großer Hilfe“, fasst Claudia Schiller zusammen. Am Sonntag ist sie beim Kolpingsfest im Ketscher Pfarrgarten (ab 11.30 Uhr) selbst vor Ort.

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Freie Autorin Freie Journalistin für die Region Rhein-Neckar

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