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Friedhof - Trauerhalle wurde 1971 eingeweiht / Neubau sollte veränderten pietätvollen Ansprüchen der Moderne Rechnung tragen / Damals 841 000 Mark Kosten

Ein Zeugnis für das Leben und Sterben

Von 
sas
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Die Trauerhalle wurde 1971 eingeweiht – der Glockenturm steht rund zehn Meter links vom Eingang entfernt. © Janson

Ketsch. „Zu einer Feierstunde auf dem Friedhof wird heute um 16.30 Uhr eingeladen. Den Anlass dieser feierlichen Zusammenkunft bildet die Fertigstellung einer modernen, repräsentativen Leichenhalle, die nach fast zweijähriger Bauzeit nun ihrer Bestimmung übergeben werden kann“, schrieb unsere Zeitung im Herbst 1971. Unter der Mitwirkung des Musik- und Kulturvereins sowie des evangelischen Kirchenchors erfolgten zunächst die Grundsteinlegung mit Bauübergabe und anschließend die Einweihung des Bauwerks. Der Grundstein befand sich im Glockenturm: Dort wurden Pläne der Leichenhalle, Tageszeitungen, verschiedene Veröffentlichungen, Münzen und eine Urkunde eingemauert. Mit drei Hammerschlägen wurde die Grundsteinlegung vollzogen. Beim späteren Rundgang durch das neue Gebäude lobte Landrat Neckenauer: „Die Ketscher Halle ist eine kommunale Leistung, aber auch ein Zeugnis für das Leben und Sterben.“

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Die neue Leichenhalle – eine Stahlkonstruktion mit großen Fensterflächen und dekorativen Kunstverglasungen – setzt sich aus zwei Bereichen zusammen: den Zellentrakt mit den Aufbahrungszellen und die Halle mit rund 300 Sitzplätzen. Beide Bauelemente sind durch einen Flur miteinander verbunden. Zum Flachdachbau gehören die Aufbahrungszellen, Räume für Technik und Aufenthalt sowie von außen zugängliche Toiletten. Links vom Eingang, etwa zehn Meter vor dem Bauwerk, steht der Glockenturm.

Über dem Haupteingang wurde an der Außenfassade ein Metallrelief des Künstlers Albrecht Kneer angebracht, das den Lebensweg des Menschen von der Geburt bis zum Tod symbolisiert. Die Baukosten betrugen 841 000 Mark. „Es ist ein architektonisch sehr gelungenes Bauwerk mit einem zeltförmigen Dach“, schrieb Altbürgermeister Ferdinand Schmid in seinem Buch „Spuren eines Weges“.

Mit dem Bau einer neuen Trauerhalle sollte den veränderten pietätvollen Ansprüchen der Moderne Rechnung getragen werden. Zudem entsprach das bisherige Gebäude nicht mehr den gestiegenen Ansprüchen eines beständig wachsenden Ortes. Eine Erweiterung der alten Leichenhalle schien nicht realisierbar.

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Apropos alte Leichenhalle: 1949 erbaut, hatte sie eine neue Ära eingeläutet: die Sterbehygiene wurde verbessert und die Angehörigen konnten erstmals in Stille von ihren Lieben Abschied nehmen, ohne die Verstorbenen zu Hause aufbahren zu müssen. „Mit der Erstellung der ersten Leichenhalle begann eine Wandlung im Totenbrauchtum, denn bis dahin mussten die Verstorbenen bis zu ihrer Grablegung drei Tage lang in ihrem Wohnhaus aufgebahrt werden“, wusste Heimatforscher Robert Fuchs zu berichten. Von dort aus habe sich der feierliche Trauerzug zum Friedhof in Bewegung gesetzt, wobei ein von Pferden gezogener, schwarz umflorter Leichenwagen, gefolgt von den Hinterbliebenen, den Toten zu seiner letzten Ruhestätte überführte. „Seit der Unterbringung der Verstorbenen in der Leichenhalle mit integrierter Kapelle gehörte das ergreifende ,Schauspiel’ des Trauerzuges der Vergangenheit an.“

Nachdem 1971 die neue Trauerhalle eingeweiht worden war, fristete die alte Leichenhalle noch mehr als 30 Jahre ein ruhiges Dasein und wurde zur Aufbewahrung von Geräten des Friedhofspersonals genutzt. Mit dem Bau von Fertiggaragen verlor die alte Leichenhalle jedoch auch diese Funktion. 2005 beschloss der Gemeinderat den Abbruch des mittlerweile stark sanierungsbedürftigen Gebäudes. Im Sommer 2006 blieb lediglich die denkmalgeschützte Sankt-Anna-Kapelle blieb erhalten und wurde in ihren Originalzustand rückgebaut. Die freigelegte Fläche wurde dazu genutzt, um neue Urnenwände aufzustellen.

Betonsanierung nötig

Doch auch an der vor 50 Jahren eingeweihten neuen Trauerhalle nagte der Zahn der Zeit, was 2011 eine Betonsanierung erforderlich machte: An vielen Stellen war die Betonkorrosion sichtbar geworden. Ursache hierfür waren die Alterungsprozesse des Stahlbetons gewesen, wobei die eingearbeitete Stahl-Armierung zu rosten begonnen hatte. Bei der Sanierung wurde der schadhafte Beton entfernt, das Metall isoliert und eine tragfähige neue Betonschicht aufgetragen. Die Arbeiten wurden im November 2011 abgeschlossen, so dass die Trauerhalle wieder so beschrieben werden kann wie damals bei ihrer Einweihung: als „moderne, repräsentative Leichenhalle.“ sas

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