Sportvereinigung 06 - Präsident Peter Kumpf warnt bei der Rückkehr auf die Plätze vor Aktionismus / Corona-Auflagen sind quasi nicht umzusetzen „Fußballtypisches Training ist nicht möglich“

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mab
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Hinter Gittern: Der Waldstadion-Rasen sieht „zum Reinbeißen“ aus – Fußballer würden am liebsten endlich draufgehen und trainieren. Doch noch macht das wegen der Corona-Auflagen wenig Sinn. Immerhin hat der Platzwart Zeit zum ausgedehnten Frühjahrsputz. © Brückl

Ketsch. Wann legen die Fußballer in der Enderlegemeinde wieder los? Die Verordnung des Landes Baden-Würrtemberg erlaubt den Trainingsbetrieb im Freien und unter Auflagen seit dem 11. Mai. Peter Kumpf, Präsident der Sportvereinigung 06, sitzt mit den weiteren Präsidiumsmitgliedern am Mittwoch zusammen. Dass aber alsbald das kickende Personal des Vereins auf den Platz zurückkehrt, ist sehr unwahrscheinlich – die Kegler sind eh noch zum Nichtstun verdammt.

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„Fußballtypisches Training ist bei den Auflagen nicht möglich“, sagt Peter Kumpf und muss lachen. Denn als Fußballer vom Scheitel bis zur Sohle weiß er natürlich, was hinter der Forderung „ein Training von Sport- und Spielsituationen, in denen ein direkter körperlicher Kontakt erforderlich oder möglich ist, ist untersagt“ steckt. Und Fußball ohne Zweikämpfe hat mit Fußball recht wenig zu tun.

Für die Erwachsenen legt sich der Präsident bereits fest: „Bis 30. Juni werden die Erwachsenen, Aktive und AH, kein Training mehr haben.“ Hintergrund von Kumpfs Aussage ist die Tatsache, dass die Verbände in Baden-Württemberg, die grundsätzlich einheitlich entscheiden wollen, für einen Abbruch der Saison sind. Allerdings muss der Abbruch im badischen Fußballverband noch von einem Verbandstag – also von den Vereinen – beschlossen werden. Doch Kumpf geht davon aus, dass die Mehrheit der Vereine für einen Saisonabbruch ist. „Alles andere macht auch keinen Sinn. Das wäre in Dimensionen gedacht, die keiner beurteilen kann“, sagt Kumpf zum Gedankenspiel, die Saison über den Stichtag 30. Juni hinaus fortzuführen.

„Natürlich wollen wir Training ermöglichen, aber nicht mit Gewalt“, sagt der Präsident der „06er“. Kumpf warnt in Corona-Zeiten vor Aktionismus. Und dabei ist er sich sicher, dass auch die Eltern der Kinder und Jugendlichen des Vereins Verständnis haben, wenn es noch ein wenig dauert, bis es mit dem Fußball wieder losgeht.

Fünf Kicker pro 1000 Quadratmeter

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„Du kannst maximal eine halbe Stunde trainieren und dann kannst du alles reinigen“, weiß Kumpf. Außerdem müsse dokumentiert werden, wer sich alles auf dem Gelände aufhält, um eventuelle Infektionsketten aufspüren zu können. Wer soll die Dokumentation machen? Die Trainer? „Trainings- und Übungseinheiten dürfen ausschließlich individuell oder in Gruppen von maximal fünf Personen erfolgen: Bei größeren Trainingsflächen gilt, dass eine Trainingsgruppe von maximal fünf Personen pro 1000 Quadratmeter zulässig ist“, heißt es in der Verordnung des Landes. Um sich nicht zu nahe zu kommen, sind Fehlpässe eher zu vermeiden – aber wer stellt das sicher?

Kumpf fragt sich, wer die Verantwortung übernimmt, wenn sich durch das Training jemand mit dem Coronavirus infiziert. „Das kann und will ich keinem Trainer aufbürden.“ Zumal in so einem Supergau-Szenario womöglich die ganze Anlage wieder geschlossen würde – dann habe man gar nichts erreicht, meint Kumpf und will – „das ist meine persönliche Meinung“ – die weitere Entwicklung abwarten.

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„Wir würden sehr gerne Training anbieten, aber es muss unter geregelten Bedingungen ablaufen, wobei die Gesundheit oberste Priorität genießt“, sagt Sebastian Schmid. Der Jugendleiter weiß, wie sehr Trainer und Kinder leiden, bei meist tollem Wetter auf Fußball verzichten zu müssen. Doch die geregelten Bedingungen seien bei den herrschenden Corona-Auflagen schwer bis quasi unmöglich herzustellen. Außerdem: „Überall in den Kitas ist eine Notbetreuung eingerichtet. Und in dieser Situation sollen wir die Kinder dann beim Training alle wieder zusammenbringen?“ Schmid hält das für wenig zielführend.

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Er befinde sich mit Jugendleiter-Kollegen in stetem Austausch. Und auch bei anderen Vereinen werde die Problematik so gesehen wie bei der Sportvereinigung, so dass man lieber noch abwarte und noch kein Fußballtraining anbiete, sagt Sebastian Schmid. mab

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Von
Marco Brückl
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