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Ehejubiläum - Gerda und Günter Reich feiern nach 70 Jahren ihre Gnadenhochzeit

In der „Pudelmütze“ getroffen

Von 
Volker Widdrat
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Die Eheleute Günter und Gerda Reich feiern an diesem Mittwoch nach 70 gemeinsamen Ehejahren das Fest der Gnadenhochzeit. © Volker Widdrat

Ketsch. An diesem Mittwoch feiern die Eheleute Günter und Gerda Reich ein ganz besonderes und seltenes Hochzeitsjubiläum. Nur wenige Paare können nach 70 gemeinsamen Ehejahren die Gnadenhochzeit, in manchen Regionen auch Platinhochzeit genannt, begehen.

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Der heute 92-jährige Günter Reich wurde im Dorf Grünhübel bei Breslau in Schlesien geboren. Das Paar lernte sich beim Tanzen und bei Bockwurst mit Brötchen in der Gaststätte „Pudelmütze“ in Buckau im heutigen Landkreis Elbe-Elster kennen. „Es war samstags, denn sonntags musste man sich ausruhen, weil man am Montag wieder arbeiten musste“, erinnert sich die 90 Jahre alte Gerda Reich.

Jawort in der DDR

Am 13. Oktober 1951 gaben sie sich in der dortigen Dorfkirche das Ja-Wort. Das Kriegsende lag erst sechs Jahre zurück und entsprechend hatte das Paar bereits schwierige Zeiten erlebt. Günter Reich hatte früh seine Eltern verloren und musste als 14-Jähriger in russische Gefangenschaft nach Sibirien, wo das Überleben an erster Stelle stand. Als er nach zwei Jahren zurückkam, war er auf sich allein gestellt und kam danach zunächst bei einem Bauern im Nachbarort unter.

Nach der Hochzeit arbeitete er bei der Reichsbahn. 1953 verließ er die DDR und siedelte nach Mannheim-Rheinau um. 1955 folgte Ehefrau Gerda mit der gerade geborenen Tochter Marlies (67) nach. Die kleine Familie konnte eine Eisenbahnerwohnung beziehen und Reich blieb 45 Jahre bei der Bundesbahn beschäftigt, zuerst als Rangierer und später als Obersekretär. Seine Gerda brachte es auf 25 Jahre bei der Bahn.

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1963 in Ketsch gebaut

Beim damaligen Bürgermeister Ferdinand Schmid bewarb sich das Paar um einen Bauplatz in der Enderlegemeinde, 1963 konnte im Asternweg gebaut werden. Tochter Marlies Bader und Ehemann Rolf (73) wohnen heute mit im Haus und sorgen für die beiden Senioren. Vor sechs Jahren erlitten die beiden einen Schlaganfall. Gerda Reich hat sich davon erholt, bei ihrem Mann ist das Sprachvermögen etwas eingeschränkt. Ansonsten geht es dem Jubelpaar mit der großen Lebenserfahrung aber recht gut.

Günter Reich war einst Mitglied im evangelischen Kirchenchor. Nur einmal machten die beiden einen größeren Urlaub, in Ungarn am Balaton. Meistens blieben sie aber lieber Zuhause in ihrem Garten mit den Obstbäumen, Gemüsebeeten und Blumenrabatten. Gerda Reich nähte, strickte und häkelte gerne.

Wie man so lange zusammen bleibt? „Bei der vielen Arbeit hat man stets mehr zusammengehalten“, verrät Gerda Reich: „Wir haben uns immer von Anfang bis Ende verstanden.“ Noch heute gehen die beiden Eisenbahner-Rentner, wenn es das Wetter erlaubt, täglich mit Rollator an der frischen Luft spazieren. Tochter Marlies kocht jeden Mittag frisch, meistens Gemüse aus dem Garten und mit wenig Fleisch. Früher hat Günter Reich gerne mal eine Schweinshaxe gegessen, das gehe heute leider nicht mehr, bedauert er. Günter und Gerda Reich pflegen den gesunden Mittagsschlaf und trinken gerne „Kaffee oder Tee“. Er rät auch gerne bei der gleichnamigen Sendung nachmittags im SWR-Fernsehen mit.

Feier im kleinen Kreis

Das Hochzeitspaar, das mit dem 45-jährigen Christian auch einen Enkel hat, hatte seinen Trauspruch aus dem Hebräerbrief bekommen: „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.“ An diesem Mittwoch wird die Gnadenhochzeit im kleinen Familienkreis gefeiert.

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Freier Autor Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter.

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