Kapitän ist entscheidend

Benjamin Jungbluth über die komplexen Planungen beim öffentlichen Bauen

Von 
Benjamin Jungbluth
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Langweilig wird es auf dem Ketscher Bauamt wohl auch 2021 nicht. Nach mehreren jahrelangen Großprojekten zur Umgestaltung der Ortsmitte sind in den kommenden Monaten vor allem Um- und Neubauten der Betreuungs- und Bildungseinrichtungen an der Reihe. Beide Schulen werden grundlegend umgestaltet, bestehende Kitas erweitert oder komplett neue Kindergärten errichtet. Dabei geht es vielen betroffenen Eltern vermutlich nicht schnell genug, wird doch nach der Corona-Pandemie der Bedarf an Betreuungsplätzen aller Voraussicht nach wieder sehr hoch sein. Doch wir leben eben in Deutschland, wo neben einer vernünftigen und durchdachten Planung durchaus auch bürokratische Gebirge den Neubau eines Gebäudes erschweren können – zumal, wenn es sich um eine öffentliche Einrichtung handelt.

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Die unzähligen Stunden, die mit Baurechtsplanungen, der Änderung von Bebauungsplänen, der Vorplanung konkreter Varianten, der Beachtung unzähliger Vorgaben von Nachhaltigkeit bis Artenschutz, der öffentlichen Diskussionen und der Umplanung nach Einsprüchen von Anwohnern verstreichen, verlängern nahezu jedes Projekt. Gleichzeitig sind die Kapazitäten des Bauamtes logischerweise begrenzt. Gerade im öffentlichen Dienst können Stellen nur selten projektweise geschaffen werden – was vielen Angestellten durchaus entgegenkommt, weil sie gerne eine langfristige Arbeitsplatzsicherheit haben möchten. Alle diese Faktoren kosten aber am Ende Zeit, die einkalkuliert werden muss.

Bleibt zu hoffen, dass der voraussichtlich bereits im Sommer anstehende Wechsel an der Spitze des Bauamtes der Gemeinde nahtlos funktioniert. Denn eines ist klar bei einem derart schweren Kahn wie der öffentlichen Verwaltung: Entscheidend ist ein fähiger Kapitän. Ketsch konnte sich lange Jahre auf seinen Ortsbaumeister verlassen – in zusehends stürmischeren Zeiten schwacher Haushalte wird sein Nachfolger bald ebenfalls viel Geschick beweisen müssen.

Freie Autorenschaft Freier Journalist für die Region Heidelberg, Mannheim und Rhein-Neckar. Zuvor Redakteur bei der Schwetzinger Zeitung, davor Volontariat beim Mannheimer Morgen. Neben dem Studium freie Mitarbeit und Praktika u.a. beim Mannheimer Morgen, der Süddeutschen Zeitung, dem SWR und der Heidelberger Studentenzeitung ruprecht.