CDU-Ortsverband - Kandidaten für die Landtagswahl stellen sich vor / Elf Delegierte für Nominierungsversammlung gewählt Kritische Fragen an Mitsch

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Volker Widdrat
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CDU-Ortsverbandsvorsitzender Tobias Kapp (2. v. l.) präsentiert die Kandidaten für die Nominierungsversammlung zur Landtagswahl 2021: Alexander Mitsch (v. r.) aus Plankstadt, Andreas Sturm (Neulußheim) und Sarina Kolb (Schwetzingen). © Widdrat

Ketsch/Region. Beim außerordentlichen Mitgliedertreffen wählte der CDU-Ortsverband elf Vertreter für die Nominierungsversammlung zur Aufstellung der Kandidaten im Wahlkreis Schwetzingen/Hockenheim für die Landtagswahl 2021. Der Vorsitzende Tobias Kapp begrüßte in der Gaststätte „Odysseus“ etwa zwei Dutzend Mitglieder. Zu Gast war eine kleine Abordnung des CDU-Stadtverbandes Schwetzingen.

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Die nächste Landtagswahl dürfte spannend werden, meinte Kapp. Man wolle den Wahlkreis für die CDU holen und vor allem gegen den Grünen Dr. Andre Baumann antreten, der sich als Bevollmächtigter des Landes beim Bund ebenfalls für das Landtagsmandat bewirbt. Als Delegierte gewählt wurden Gerhard Abelein, Rainer Fuchs, Johanna Kapp, Tobias Kapp, Helmut Kuhn, Edeltraud Masdjedi, Christina Montag, Walter Montag, Helena Moser, Helmut Schmid und Michael Seitz. Als Ersatzvertreter wurden Thomas Rönitzsch, Marion DeMill und Herbert Hüpsel bestimmt.

Die drei Kandidaten, die für die Nominierung am Mittwoch, 18. März, in der Stadthalle Hockenheim kämpfen, stellten sich persönlich vor. Die CDU-Ortsverbände Schwetzingen und Neulußheim verzichten auf eine eigene Präsentation der Bewerber Sarina Kolb (Schwetzingen), Alexander Mitsch (Plankstadt) und Andreas Sturm (Neulußheim).

Die klassischen Themen

Alexander Mitsch (52) hatte 2017 die Werteunion gegründet, „weil Konservative und Wirtschaftsliberale sich nicht mehr heimisch fühlen in der CDU“. Er „ist der CDU-Spitze seit Monaten mit seiner aktiven Medienpräsenz ein Dorn im Auge“, heißt es bei „ntv“, zumal die Gruppe nur rund 4000 Mitglieder repräsentiert und von Teilen der CDU, wie deren Sozialflügel mit der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), aufgrund ihrer Nähe zu AfD abgelehnt wird und am besten ausgeschlossen werden solle.

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In Ketsch waren es die klassischen Themen Leistung, Sicherheit und Freiheit, die seiner ganz persönlichen Überzeugung entsprächen, sagte der gebürtige Heidelberger Mitsch, der mit 16 Jahren der CDU beigetreten ist. Die Bildungspolitik müsse dafür sorgen, das dreigliedrige Schulsystem wieder zu stärken: „Für Chancengleichheit, aber nicht für Gleichmacherei“.

Alexander Mitsch forderte mehr Wertschätzung für die Polizei. Wer die innere Sicherheit bedrohe, dem müssten klare Grenzen gesetzt werden. Das Thema Umwelt dürfe man sich von den Grünen nicht aus der Hand nehmen lassen: „Denn die CDU kann Umweltschutz.“ Probleme ließen sich nur durch Innovationen, nicht durch Verbote lösen. „Die CDU hat im Wahlkreis viele Wähler verloren, wir brauchen wieder ein eigenes klares Profil“, sagte Mitsch.

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„Auf die Kernkompetenzen der Union besinnen“ möchte sich Sarina Kolb, die Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes. Um junge Wähler für die Union zu begeistern, müsse man alle Kanäle nutzen. Ihre Partei sei bei bestimmten Themen „die letzten Jahre nicht so klug aufgetreten“, meinte die 27-jährige Diplom-Rechtspflegerin, die seit Sommer letzten Jahres hauptamtliche Geschäftsführerin der CDU Mannheim ist. „Neue Wege gehen, junge Menschen an die CDU binden, Politik auf persönlicher Ebene machen“, sagte Kolb, die Bildungspolitik als eine „Herzensangelegenheit“ sieht: „Gleichmacherei geht nicht, wir wollen auch keine Über-Akademisierung der Gesellschaft.“

Möglichst viele Fördermittel

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Beim Thema Sicherheit habe sie durch ihren Beruf Erfahrungen vor Ort gemacht. „Wir brauchen mehr Personal in der Justiz, um Gesetze durchzusetzen und Verfahren schneller abzuarbeiten“, lautete ihre Forderung. Die Schwetzinger Stadträtin möchte im Falle ihrer Wahl möglichst viele Fördermittel in die Region holen – „dazu sind Politiker schließlich da“.

Andreas Sturm (33), seit 2009 im Rat seiner Heimatgemeinde Neulußheim, bezeichnete die aktuellen Schulformen als „unausgereift“ und „aus ideologischen Gründen gegeneinander ausgespielt“. Eine falsche Bildungspolitik werde auf dem Rücken der Kinder gemacht, schimpfte der Studienrat an der Albertus-Magnus-Schule in Viernheim, der momentan in die hessische Bildungsverwaltung abgeordnet ist.

„Beim Klimaschutz haben wir die gleichen Ziele wie die Grünen, statt Verbote wollen wir aber Innovationen“, plädierte Sturm dafür, „kluge Lösungen für Bürger“ zu erarbeiten. In der Bildungspolitik setze er auf individuelle Förderung und Digitalisierung, in der Verkehrspolitik auf neue Konzepte. Langwierige Genehmigungsverfahren müssten der Vergangenheit angehören. Die Union sollte künftig pragmatische Entscheidungen treffen und es den Bürgern kommunizieren. „Wir haben schöne Ideen und sollten für die Ortsverbände sehr viel Schwung mitnehmen“, warb Sturm. Der Neulußheimer CDU-Vorsitzende mahnte aber die Parteifreunde in der Enderlegemeinde: „Wenn wir Ketsch nicht holen, verlieren wir auch den Wahlkreis.“

In der Diskussion richteten sich die kritischsten Fragen an Alexander Mitsch und seine Werteunion. Einige CDU-Mitglieder sahen in der nicht offiziellen Parteigliederung einen überflüssigen Akteur im politischen Geschehen. Die CDU habe bereits Werte, war mehrfach zu hören. Mitsch verteidigte die konservative Haltung der Gruppierung: „Wir brauchen die Veränderung. Die Wähler, die von der CDU weggegangen sind, dürfen wir nicht aufgeben, sondern wir müssen sie zurückholen.“

Freie Autorenschaft Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter.