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Bürgermeisterwahl - Kandidat Marco Schnepf organisiert Verteidigungskurs für Frauen / Wichtige Grundlagen und handfeste Übungen

Wahlkampf mit Betonung auf Kampf

Von 
Stefan Kern
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Polizei-Trainer Jan Frey simuliert mit einer Teilnehmerin einen Angriff. © Kern

Ketsch. Es war, so viel vorab, ein sehr ungewöhnlicher Wahlkampftermin. Keine Gespräche, keine Reden oder sonst irgendwelche typischen Rituale. Die Betonung für diesen Wahlkampftermin lag eindeutig auf dem „Kampf“ – und zwar im wortwörtlichen Sinne.

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Unter dem Slogan „Selbstbewusst – Ketsch noch sicherer machen“ trafen sich beim Schützenhaus 16 Frauen mit dem Bürgermeisterkandidaten und CDU-Gemeinderat Marco Schnepf zum Intensiv-Verteidigungskurs. Und das war wahrlich kein Wohlfühltermin. Im Gegenteil, die Temperaturen nahe fünf Grad, der Himmel grau, leichter Regen und mittendrin 16 Kämpferinnen, die sich von den beiden Polizeibeamten Schnepf und Jan Frey in die Welt des Kampfes einweisen ließen. Leider, so Schnepf, geschehe es nach wie vor zu oft, dass Frauen belästigt oder sogar angegangen würden. Und fast genauso oft seien Frauen damit überfordert und würden nicht adäquat reagieren. Doch, davon ist der Mann, der vergangenes Jahr Vater einer Tochter wurde, zutiefst überzeugt: Das müsse nicht sein. „Auch eine Frau kann sich wehren.“ Gar nicht selten genüge ein selbstbewusster Blick, um den Täter einzuschüchtern. Natürlich wäre es schön, solche Verteidigungskurse seien überflüssig. Gerade in Ketsch passiere ja nicht viel. Aber dieses „nicht viel“ heißt eben nicht nichts und sobald man in etwas größeren Städten unterwegs sei, könne sich die Situation grundlegend ändern. „Dass Frauen stets mit Respekt begegnet wird, ist leider nicht Realität.“

In der Folge ist es Schnepf wichtig, dass Frauen lernen, mit Gewalt umzugehen. „Immer darauf gefasst sein und angemessen reagieren.“ Auch Trainer Frei, ein Polizeikollege Schnepfs und erfahrener Kampfsportler, betonte die Bedeutung des Bewusstseins für die Gewalt. Wobei der Unterschied zwischen Bewusstsein und Angst wichtig sei. Wer sich konzentriere, könne reagieren – wer Angst habe, erstarre. Es sind Worte, die für Teilnehmerin Irina Berner genau den Punkt treffen. Natürlich sei dieses einzelne Training nicht ausreichend. Aber es sensibilisiere für ein wichtiges und häufig verdrängtes Thema. Auch Nadine Schnepf findet es wichtig, sich mit Aggression und Gewalt zu beschäftigen.

Hemmschwellen abbauen

Für Schnepf geht es auch um Hemmschwellen. Die meisten Menschen schreckten vor Gewaltausübung zurück. Und das sei natürlich auch gut – außer man werde angegriffen. Frei nach dem israelischen Schriftsteller Amos Oz ist nicht die Gewalt das absolut Böse, sondern die Aggression. Dabei müsse man sich über dieser Hemmschwelle im Klaren sein, um sich im Notfall darüber hinweg setzen zu können.

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Dass es da leider Grenzen gebe, machte in einem Art Theorieteil der Anwalt und CDU-Gemeinderat Thomas Franz deutlich. Und diese Grenze findet sich im Gehirn und firmiert unter dem Namen Amygdala. Unser Angstzentrum, so Franz, chille die meiste Zeit. Doch wenn Gefahr herrscht, reagiert es blitzschnell und bewusst könne man fast nichts dagegen tun. Die Amygdala erlaube dabei genau drei Verhaltensvarianten. „Flucht, Kampf oder Starre, dazwischen gibt es nichts und keiner weiß zuvor, welche der Varianten zum Tragen kommt.“ Hilfreich sei eine Auseinandersetzung mit Gewalt trotzdem. Bewusstsein und Prävention sind für den Rechtsanwalt zwei Seiten einer Medaille. Ganz wichtig war Franz, der sich seit langem bei der Opferbetreuung Weißer Ring engagiert, dass Starre oder ähnliche Reaktionen kein Versagen darstellten. „Das ist Neurologie.“

Es war ein ungewöhnlicher Wahlkampftermin, aber bei den 16 Frauen kam er an, vielleicht gerade deswegen. „Nicht nur Worte, sondern Taten“, sagte Irina Berner – und erklärte diese Art Wahlkampf zum neuen Standard. „Nah am Menschen und seinem Alltag.“ Klar, dass Schnepf das gerne hörte. Das Anliegen Gewalt- und Opferprävention und das Ziel, Bürgermeister zu werden, kamen hier jedenfalls erstaunlich gut zur Deckung.

Freier Autor Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.

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